Oberflächlichkeit

Ich dringe langsam etwas tiefer ein in die Oberflächlichkeit. Begriffe, die ich aus verschiedenen Wissenssystemen wie den Vedas, Agamas, Shastras aufgenommen habe, verbinden sich langsam. Ich sehe grobe Wurzelsysteme. Z.B. wie die 5 Elemente (Wasser, Feuer, Erde, Äther und Luft) als Ausgangspunkt in den Lehren des Vedas sich in Vastu oder Ayurveda weiterentwickeln, also in den Raum und den Körper. Ich sehe, wie sich im Tempel verschiedene Wissenssysteme verschränken und sich das in zeitgenössischer Kunstpraxis auch heute noch niederschlägt. Und es wird deutlich, wie die Auslegung und Aneignung dieser Wissenssysteme hochpolitisch ist. Dieses Wissen wurde kolonialisiert und wird nun an den Universitäten auf seine Kolonialisierung hin kritisch hinterfragt. Es ist aber auch noch aktiv in vielen Ashrams und Gurukuls, oftmals mit viel Stolz und dem Verweis, die Tradition wiederzubeleben.

Den Ideen Deleuze folgend, habe ich verschiedene Konzept rhizomatisch verbunden, Plateaus besucht, mein Zuhause verlassen und Teile meines Selbst sich deterritorialiseren lassen. Ein ‚body without ogans‘ ist zum Vorschein getreten, Fluglinien des Geistes haben sich formiert. Die Ebene der Immanenz hat sich geöffnet, gefaltet, ihre Einschlüsse haben für mich neue Welten geöffnet, die sich jetzt langsam mit der Realität und dem Alltag abgeglichen.

Das ist ein schmerzlicher Prozess. Die naive Welt des Staunens und der leichten Faszination, der Honeymoon der spirituellen Erkundung kommt zu einer ersten Zäsur. Diese Oberflächlichkeit, also das Verknüpfen in der Immanenz ist ein aktives Erkunden, ein Denken im Sinne der Erweiterung. Ich habe es verknüpft mit einer Verinnerlichung, einem Nachspüren in Meditation, spiritueller Praxis, Tempelbesuchen, Ausstellungen, ‚Folklore‘, Lerngruppen und Gesprächen.

Nun war ich in einem 4 Tage in einem Intensivkurs zu Vastu (Architektur). Didaktisch war der gut aufgebaut: langsam einführend in die Gedankenwelt die sich aus den Vedas ableitet, hin zu Grundkonzepten des Raums, der Vibration, der Geometrie, Kosmologie, Energie. Immer wieder schimmerten die Upanischaden durch. Wir praktizierten Puja und einen Tempelbesuch – und schließlich bis zu praktischen Anwendungen in Architekturplänen.

Die Aufgaben sind nun viel schwieriger. Die reine Resonanz und Assoziation will auf ihre Legitimität hin überprüft werden. Und hier stellt sich nun die Frage nach dem Kriterium. Woran soll sich das Wissen messen lassen. Ich diskutiere das mit meinem Lehrer anhand von Hegel und der Taittiriya Upanischade, aber auch in der postmodernen Reflexion. Dieses oszillierende Denken entgleitet aber dem systematischen Zugriff. Wie soll es sich also ausdrücken? In den letzten Monaten hat sich für mich viel durch persönliche Erfahrung verdichtet. Ich habe Briefe geschrieben, die der inneren Bewegung gefolgt sind, die sich zu etwas hingezogen fühlt. Und ich habe Wissen visualisiert und ausgestellt, als Ausgangspunkt von Fragen: ein Diagramm eines Tempels ausgestellt in einem Gurukul das trantische Rituale praktiziert.

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