Morgen

Schlafen

Gestern bin ich eingeschlafen, mit der Erwartung früh aufzustehen und zu meditieren. Ich stellte den Wecker auf 6 Uhr. Am Abend erzählt mir eine französische Yogalehrerin und Bergführerin von den frühen Morgenstunden in Indien, das sie die besten seien für die Meditation – das sie gut für Ryas sein wusste ich ja schon. Sie erzählte auch von den morgendlichen Gesängen in den Städten, ich erinnerte mich an die Mantragesänge in den Tempeln.

Ich wachte um 5:30 Uhr auf, Tempelgesänge waren in der Ferne zu hören, nein es war kein Traum. Ich folge ihnen, lief in der Dunkelheit quer durch die Landschaft, und an einen Ort, wo sonntags um 6 Uhr morgens schon die Wege geputzt wurden. Die Frauen wuschen Wäsche, putzten, kümmerten sich um die Tiere, obgleich die Ziegen und Kühe noch zu schlafen schienen – in den Vorhöfen der kleinen Hütten. Die Männer waren im Tempel. Dort tönte ein Lautsprecher, der über Kilometer weit zu hören war. Ich begrüßte die Götter und ging zurück.

Auf dem Rückweg kam ich an einer Grabstätte aus der Eisenzeit vorbei. Die Megalithe sind 2500 Jahre alt. 60 Hektar groß ist die Grabstätte, auf der Auroville erbaut wurde.

Ich frühstückte und ging zu Bett. Ein wunderbarer Schlaf empfing mich, und ich träumte von Auroville. Ich war nun auch im Traum hier angekommen. Es sind diese Übergänge zwischen Wach- und Schlafzuständen, in denen das Bewusstsein lediglich seinen Zustand ändert, aber eigentlich doch in einem Kontinuum bleibt, die für mich das höchste Glück sind.

Es gibt ja so viele Arten des Schlafes:

 

  • Schlaf der Erschöpfung, wenn der Körper sein Recht auf Erholung fordert.
  • Schlaf der Erholung z.B. mittags und die Konzentration zu steigern und das getane zu verarbeiten
  • Gemeinsamer Schlaf, nach einer schönen Begegnung der Körper.
  • Wacher Schlaf, in dem das Selbst bloß in einem anderen Zustand weiter bewusst ist.
  • Täglicher Schlaf der Gewohnheit, der der Müdigkeit folgt.
  • Schlaf beim Reisen, im Zug, Auto, Flugzeug, auf dem Bahnhof oder einer Parkbank. Ein Moment der Ruhe und des Verweilens, während sich der Körper bewegt.
  • Schlaf des Rausches, wenn die Sinne verwirrt sind und das Selbst sich verliert, trunken assoziiert und leidet.
  • Schlaf im Seminar oder in der Schule, in dem ich noch immer weiter der Lehrer:in zuhöre. Irgendetwas mitbekomme aber nun mit einem ganz starken Filter, weil die Wissensaufnahme von Fakten seine Kapazitätsgrenze erfahren hat.
  • Schlaf des Schlaflosen, wenn Schlaf unmöglich zu sein scheint, und bloß kleine Momente der Erschöpfung einen unruhigen Kurzschlaf einfordern. Der Schlaf der Nervösen… Das kann auch sehr ungesund sein, und hier wäre vielleicht Hilfe angesagt.
  • Schlaf im Wald oder unter dem Sternenhimmel, wo das Bewusstsein sich weitet und sich fast gänzlich dem Alltag entzieht.

Sicher ließe sich die Liste noch fortsetzen, der Punkt scheint aber klar. Der Schlaf ist ein ganz besonderer Bewusstseinszustand. Er ist nicht nur durch das Erinnern an Träumer erfahrbar, sondern ein Zwischenzustand des Bewusstseins, in dem das Selbst andere Sphären des Bewusstseins aufsucht, um sich zu regenerieren, zu sortieren, zu lernen, zu verarbeiten, zu sehen…

Einige dieser Erfahrung nennen wir allgemein Traum, sie sind aber viel komplexer. Ich schlafe gerne und viel, und fühle mich nicht schuldig. Schlafen ist zentraler Teil meiner Existenz. Ich verstehe überhaupt nicht, wenn Menschen versuchen weniger zu schlafen. Sie berauben sich vieler wunderbarer Erkenntnisformen.

In der Prashna-Upanischad (p.32) wird davon gesprochen. „Wenn ein Mensch schläft, wer schläft da?“

Vor allem aber in der Mandukya Upanishad. in: Aurobindo Vol 18 p.193ff. (von Aurobindo unveröffentlicht)

Schön ist auch der Vergleich von 10 verschiedenen Übersetzungen in Englische:
„Mandukya Upanishad“. Zugegriffen 28. November 2022. https://realization.org/p/namedoc/upanishads/mandukya/mandukya.html.

Hier ein Ausschnitt aus Aurobindos Übersetzung:

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