Ich schlafe
Da gibt es einen seltsamen Ort in mir, dort, wo das Wort Selbst etwas aufzeigen will. Jener Ort der Stille und Ruhe, wo ich mit mir bin und Ausschau halte nach dem Selbst. Ein Ort tief im Herzen, der frei ist von Banden an die Außenwelt, ein Ort, an dem Alleinsein sich richtig anfühlt, keine Erwartungen sind dort aktiv, andere Menschen sind zwar in der Erinnerung oder in Gedanken durchaus präsent, jedoch haben sie keinen Einfluss. Jener Ort, an dem…
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Die Radikalität des Jetzt
Wir leben ja nur im Moment. Oftmals klingt das wie ein Vorwurf. Du sollst nicht nur im Moment leben, denk an die Zukunft, sei dir deiner Verantwortung bewusst. Das Leben im Moment gilt in vielen modernen Gesellschaften als eine Träumerei, als unproduktiv und eskapistisch. Für diejenigen, die Zeit haben, über das bloße Überleben in einer kapitalistischen oder sozialistischen oder wie auch immer gearteten Ökonomie hinaus noch etwas Zeit für sich aufzubringen, scheint die große Antriebsfeder zu sein, etwas zu hinterlassen:…
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Das Göttliche und die Leere
Der Kontrast könnte stärker kaum sein: Auroville ist flach, heiß an der Küste, eine Stadt möchte es sein, basierend auf den Lehren von Mirra Alfassa und Sri Aurobindo. Ihre Visionen haben als Kern die Vorstellung, ein göttliches Bewusstsein auf die Erde zu bringen, ein „Download“ des Supramentalen. Zugang dazu scheinen einige von sich behaupten zu können. Und manchmal habe ich das Gefühl zu verstehen, wovon sie sprechen. Die Erfahrung einer tiefen Spiritualität in der Meditation, in der Arbeit, im Sein,…
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Den inneren Pfad gemeinsam gehen
Ich komme auf den Straßen des westlichen Denkens. Sie sind seit den Römern gut befestigt, verbinden Zentren der Macht und etablierten eine ganz eigene Logik des Wissensaustausches. Sie verbinden Punkte, ihre Knoten sind zentral, der Weg selbst ist lästig, mühselig. Auf diesen Straßen entwickelte sich eine Kultur der Monumente, sie führten zu Akkumulationen von Wissen und Macht. Arbeitsteilung führte zu Spezialisierung und Fortschritt. Eine Gesellschaft entsteht, in der das Individuum als soziales Wesen verstanden wird, dessen soziale Realität durch Regeln…
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Der Genießer
Ich bin für eine kurze Zeit wieder in Europa, und ich sehe eine Geschäftigkeit, eine Energie des ständigen Tuns. Arbeiten, Diskutieren, Aufräumen, Besorgungen machen, Verpflichtungen nachgehen, Organisieren, Optimieren, Darstellen, Hinterfragen, Austauschen. Ständig wird etwas getan. Etwas zu tun scheint wichtig zu sein, nichts zu tun scheint unproduktiv und bedarf einer Rechtfertigung. Nicht produktiv zu sein hat aber viele wichtige Qualitäten, so ist Nicht-Handeln manchmal eine Form des Widerstands, oder die stille Einkehr kann als innere Arbeit verstanden werden, eine Arbeit,…
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Erdung im Himmel
Bewegung statt Verwurzelung Ich fragte mich neulich, ob ich eigentlich wirklich geerdet sein möchte. Bin ich ein Baum, der seine Wurzeln in die Erde schlägt und sich nicht bewegt, sondern wächst in der Umgebung, in der der Samen einst spross? Oder möchte ich gar ein Fels in der Brandung sein, der sich umspülen lässt vom Wasser, über Jahrtausende etwas nachgibt und sich im Sand verliert?Meine Vorstellung von menschlicher Existenz ist eigentlich eine andere, eher die der Bewegung, des Erkundens und…
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Verteidigen – Reagieren – Vereinigen
Manchmal reagiere ich seltsam. Jemand tut etwas Unerwartetes, eine Unsicherheit in mir wird erweckt. Wie ordne ich das ein und wie reagiere ich darauf, und was heißt hier dann reagieren? Es geht also um Erwartung, ein Sein in der Welt, das antizipiert. Die Zukunft gilt als vorhersehbar und wird auch als solche gesehen. Wenn ich dieses oder jenes tue, dann wird jemand vielleicht so oder anders reagieren. Nun geschieht es aber manchmal, dass die Reaktion des anderen anders ausfällt. Ich…
WeiterlesenDas Selbst
Ramana, einer der großen Erleuchteten Indiens, lebte in Tiruvannamalai. Im Mittelpunkt seiner Lehre steht der Begriff des Selbst: dessen Leere und gleichzeitig unermessliche Weite. Seine Lehren sind einfach, er folgt keiner langen Tradition von Interpretationen. Er war ein einfacher Mann, der auf dem Berg meditierte und Satsangs abhielt. Als Zeitgenosse von Aurobindo haben die Menschen beiden zugehört und ihre radikal unterschiedlichen Ansätze verglichen. Ich bin gerade in Tiruvannamalai. Ich habe einige Satsangs besucht. Ich hatte eine Frage im Kopf: Wie…
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Musik – Nāda-Brahman
Erste Begegnungen mit Ragas Als Jugendlicher hörte ich stundenlang Ragas. Ich wusste gar nichts über sie. Ich schlug ein wenig nach: Mikrotonalität, Meditation, Tonfolge. Mehr verstand ich nicht. Es waren aber die tiefsten Musikerfahrungen – eine Meditation zur Musik. Bis heute führen mich Ragas in mein Inneres oder in tiefe Erkenntniszustände, die jedoch nicht rational sind. Eher ist es eine Art und Weise, in der Welt zu sein. Musik als gemeinsamer Raum und reine Energie Das Hören von Musik zieht…
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Kunst jenseits des Fortschritts
Die zeitgenössische Kunst ist besessen von dem „nächsten Schritt“. Die Avantgarde, das noch nie Dagewesene, das Neue und Einzigartige. Doch auf der Jagd nach Neuem verlieren wir etwas Wesentliches aus den Augen: die künstlerische Praxis selbst. In der künstlerischen Praxis geht es nicht nur darum, Grenzen zu überschreiten. Sie gehört zu denen, die Kunst zur Selbsterforschung, zur spirituellen Praxis, zur Heilung, zur Therapie oder zum Handwerk nutzen. Doch in der heutigen Kultur, vor allem im Westen, tun wir so, als…
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Die Begierde der Frucht
Ein Apfel, eine Erdbeere, eine Melone oder eine Maracuja, eine Banane oder Pflaume, eine Tomate oder Gurke, eine Bohne oder ein Korn, eine Kokosnuss und ein Granatapfel. Früchte wollen verzehrt werden, sie wollen Genuss bereiten, nähren und zuweilen auch berauschen. Sie schillern und vergären, verwesen und verströmen Düfte, sie fallen ins Auge, betören die Sinne, erzeugen Lust und Genuss. Sie sind ja nicht ganz zufällig so. Früchte spiegeln ein Verlangen derjenigen, die sie essen: Menschen, Pferde, Affen, Ameisen, Käfer, Vögel,…
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Das wahre Selbst
Im Zen geht es darum, das wahre Selbst zu finden. Das gibt es aber nicht, und das ist das Mysterium unserer Existenz. In einer Welt der Repräsentationen, kognitiver Dissonanzen und alternativer Fakten tut es wohl, in das Wesen der Existenz, in ein nicht-duales Sein zu versinken. Denken hilft da nur sehr begrenzt, denn Denken ist ja eigentlich immer ein An-etwas-Denken, ein Über-etwas-Nachdenken. Denken ist eine Tätigkeit, die sich auf etwas bezieht, das sich mit Repräsentationen von Welt beschäftigt. Das, was…
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