Wachstumsschmerzen

Ein intensiver Monat geht zu Ende. Umzug, räumliche Trennung, Freunde, die sich trennen, die Liebe von Patenkindern, neue Freundschaften, Sehnsüchte, Warten… Ich könnte ein Drehbuch schreiben über die letzten Wochen in der Provence. Jeder Tag gefüllt von Schmerz, Mitgefühl und Liebe – kollektiv in verschiedenen Konstellationen. Ich möchte aber nicht diese kleinen Geschichten erzählen, obgleich Marcel Pagnol vielleicht seine Freude daran gehabt hätte.

Was mich beschäftigt, ist die Frage nach dem Schmerz. Leben ist Leiden, sagen Buddhisten – sehr verkürzt. Das Wollen und Verlangen sind die Ursachen für Frustration und Leid. Aber auch das Leben selbst, Durst und Hunger, das Verlangen des Körpers, es erzeugt Leiden. Ich habe das nie ganz verstanden. Ich verstehe, dass Verlangen, das nicht zur Ruhe kommt, immer mehr Verlangen erzeugt. Dieses Verlangen zur Ruhe zu bringen ist Teil meditativer und spiritueller Praxis. Und die Momente des Glücks? Erzeugen die nur mehr verlangen, oder können wir diese nicht als solche einfach sein lassen? D.h. im Loslassen genießen können.

Heute traf ich einen Nachbarn. Bei all den Veränderungen im Moment weiß ich immer nicht wie ich Nachfrage beantworten soll. Meisten sage ich: Ich weiß es nicht. Er hatte das sofort verstanden, er verteidigte mich in der Runde und sagte, er weiß das einfach nicht, das ist es, was es heißt, loslassen zu können. Ich habe mich darüber sehr gefreut.

Wenn wir an etwas sehr hängen, fällt es uns schwer, es loszulassen. Manchmal sind das praktische Zwänge. Wir hatten uns daran gewöhnt. Nun heißt es Abschied nehmen. Das erzeugt Leid. Besser also gar nicht z.B. eine Verbindung eingehen? Und wenn eine Verbindung sich löst, dann einfach gelassen bleiben? Geht das überhaupt? Ist es nicht vielmehr das, was unser Leben ausmacht, diese intensiven Erfahrungen?

Eine Phase vielleicht. Unser geistiges und spirituelles Wachsen durchläuft diese Phasen. Siddhartha wurde nicht im Alter von 5 erleuchtet, sondern als Erwachsener, der schon sehr viel erlebt hatte, vieles gesehen hatte… Wachstumsschmerzen also. Was uns nicht umwirft, macht uns stark? Das ist natürlich Quatsch, im Kern aber doch interessant, denn die Grenzerfahrung lässt uns wachsen. Neues entdecken, es durchleben und dann loslassen können. Nur so können wir uns wirklich entfalten. Schön wäre es, wenn wir in dem Durchleben nicht den Planeten ruinieren. Achtsam bleiben!

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