Packen

Was soll ich mit nach Indien nehmen? Ich möchte ein anderes Leben leben, in einer anderen Gesellschaft, mit anderen Vorstellungen und Zielen. Es ist warm dort, das Leben wird einfach sein. Außer den Basics wie ein paar Kleidungsstücken brauche ich meine technischen Geräte wie Laptop, Handy, Kamera. Und sonst? Eine gute Taschenlampe, denn die Feldwege dort sind nicht beleuchtet. Und Bücher… Es wird auch dort eine Reihe von Bibliotheken geben. Zum ‚Vergnügen‘ habe ich ja seit sehr langer Zeit nicht mehr gelesenen. Im Grundstudium habe ich viele Romane des 19. Jahrhundert gelesen: Brontë, Flaubert, Tolstoi, Dostojewski, Balzac, Gontscharow… In der Oberschule waren es die antiken Dramen von Sophocles, oder Klassiker wie Shakespeare aber auch Hesse. Theaterstücke habe ich gerne gelesen, das war intensiv, schnell, anregend.

Seitdem ich das Internet nutze, und das tue ich seit dem Anfang des Netscapebrowsers, hat sich mein Lesen verändert. Ich lese weniger linear, springe mehr, lese vieles gleichzeitig. Ich fühle mich daher manchmal schwindelig, und brauche Bücher als Anker. Die Bücher, die mich begleiten, sind immer Bücher, die theoretisch stark verdichtet sind. Ich lese sie auch nur sehr langsam, meist nur ein paar Seiten, dann habe ich wieder viel zum Nachdenken. Ich verstehe nicht, wie Menschen komplexe Bücher verschlingen.  Bücher, die mich interessieren, stellen einen ganzen Gedankenkosmos dar. Ein solcher Kosmos ist schwierig zu erfassen. Es ist ein wenig mit dem Reisen. Manchen Menschen wollen alles sehen, überall gewesen sein, sie sammeln Geschichten und Fotos, und sind doch nicht wirklich da gewesen.  Andere Länder, Kulturen, Sprachen brauchen doch Zeit. Man muss sich dem langsam nähern, auf eine Einladung warten, höflich sein und respektvoll.

Wahrscheinlich ist auch hier wieder die Konsumhaltung leitend, mit ihr hängt eine kapitalistische Verwertung zusammen, die scheinbar der Selbstdarstellung dient und soziale Punkte bringt. Mir war das immer suspekt. Klar, ich lasse mich auch gerne unterhalten, konsumiere Medien, weil es Spaß macht, ablenkt oder einfach große Gefühle erzeugt. Aber diese Ablenkung ist für mich nicht nachhaltig. Ich merke mir keine Filme oder Bücher oder Orte etc… Mich interessiert, wie etwas mein Denken verändert hat. Wie ich etwas anderes geworden bin. Begegnungen mit Büchern und Orten lösen eine Veränderung aus, ich bin nach einer echten Begegnung ein anderer Mensch, oder ein anderes Tier, oder ein anderes Werk, je nachdem wer sich wie wahrnehmen möchte…

24 Bücher, eine Verschränkung, ein Experiment. Eine künstliche Gegenüberstellung. Wie hätte ein Dialog zwischen Deleuze und Aurobindo ausgesehen? Hätten sie sich etwas zusagen gehabt?

 

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