Neulich fragte mich eine Freundin nach dem Verhältnis von östlicher und westlicher Kultur. Das ist natürlich eine enorme Frage, die ich mir auch stelle und die natürlich niemand wirklich beantworten kann. Ich will aber ein paar Gedanken formulieren: Die Entfernung von einem imaginierten Zentrum Der ‚westlichen‘ Welt, basierend auf der klassischen Antike, dem Christentum, der Aufklärung und dem Materialismus, steht die okzidentale Welt der Assyrer und Perser, des Islam und die Vorstellung eines Gemeinwesens, das göttlich gelenkt ist, gegenüber. Das…
Das CADALfest fand vom 16. bis 20. Dezember 2022 in Adishakti statt. Ich hatte nicht geplant, dorthin zu gehen, aber ich war sehr überrascht von den vier Tagen mit Round-table Diskussionen, Gedicht- und Filmvorführungen, Konzerten und Theateraufführungen einer faszinierenden Gruppe von Künstlern, Aktivisten und Akademikern. Ich habe mir ein bisschen was rausgepickt und bin am Samstag zum „Adivasi Round Table discussion with Vandna Tete, Ganga Sahay Meena, Seral Murmu & Ashwini Kumar Pankaj, moderated by Gopika Jadeja“ followed by the…
Gestern bin ich etwas in meinem Geiste gefolgt, das ich schwer beschreiben kann. Alltagssprachlich würde ich vielleicht sagen, ich bin meiner Intuition gefolgt. Es ist aber etwas komplexer. Ich bin wieder nach Tiruvannamalai gefahren. Es war der letzte Tag des Karthigai Deepam Brahmotsavam Festivals. Am 6. Dezember 2022 also wurde ein Feuer auf diesem Berg erzeugt, wie schon seit 2500 Jahren. Es gibt dazu natürlich eine Geschichte aus der Vorzeit. Brahman, das universale Selbst, hat sich in Brahma (Schöpfer), Vishnu…
Gerade komme ich von einer Andachtsmeditation zurück. Es ist der Jahrestag von Sri Aurobindo. Er hat vor 72 Jahren seinen Körper verlassen, wie man hier sagt. Ich habe die letzten Tage viel über seine Kommentare der Kena Upanischad nachgedacht und gesprochen. Ich stieß da auf das Wort ‚intermiscence‘. Es wird fast nur von Aurobindo verwendet. Ich fragte alle Menschen, die ich traf, was das Wort heißt. Ein Freund hier fand als eine Übersetzung ins Deutsch ‚ineinanderfließen‘ (es beschreibt im Deutschen…
“the eye thinks even more than it listens” (Deleuze) Ich erinnere mich nun, dass ich, bevor ich anfing, Deleuze zu lesen, mich an einer Prozessästhetik abgearbeitet hatte. Ich habe ein 100-Seiten-Manuskript gebastelt, mit Notizen, Zitaten, Strukturskizzen. Ich wollte weg von der Idee, dass Kunst aus Objekten besteht, die in einer besonderen Form wahrgenommen werden, denn daraus ergeben sich zwei wesentliche Stränge von Überlegungen: 1.) Was macht ein Objekt aus, das wir als Kunst bezeichnen, und 2.) wieso ist die Wahrnehmung…
Ich nähere mich ganz langsam Sanskrit. Donnerstags hält Nishtha ein Seminar zum Rigveda. Das gemeinsame Rezitieren in Sanskrit, die detaillierte Analyse der Übersetzung, die philologischen Überlegungen Nishthas sowie die Ausführungen zur Psychologie der Götter eröffnen einen Zugang zu diesen ‚heiligen‘ Texten. Ich erinnere mich an mein Lateinstudium, die indogermanischen Wurzeln, die Klänge, die in den Ragas widerhallen, die Phonetik als Existenzbekundung, die Sprache als Klang und Vibration, die Kommunikation als Rhythmus. Der Atem des Lebens, Yoga, Vitalität, das Denken in…
Das letzte Mal, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, was ich tun soll, war während meines Studiums. Ich habe Philosophie studiert und ich wurde oft gefragt, was ich damit tun möchte. Was für eine bescheuerte Frage, dachte ich immer. Es ist ein innerer Drang, fast ein Zwang, dem man sich nicht entgegenstellen kann. Jeder solcher Versuch muss scheitern, es gibt nur ein Vorwärtsdenken. Es war also gar nicht wirklich die Frage, was ich tun soll, oder was zu tun sei,…
Gestern bin ich eingeschlafen, mit der Erwartung früh aufzustehen und zu meditieren. Ich stellte den Wecker auf 6 Uhr. Am Abend erzählt mir eine französische Yogalehrerin und Bergführerin von den frühen Morgenstunden in Indien, dass sie die besten seien für die Meditation – dass sie gut für Ryas sein wusste ich ja schon. Sie erzählte auch von den morgendlichen Gesängen in den Städten, ich erinnerte mich an die Mantragesänge in den Tempeln. Ich wachte um 5:30 Uhr auf, Tempelgesänge waren…