Sprache
Ich habe nie wirklich über Begriffe (concepts) nachgedacht. Das klingt merkwürdig, denn ich habe Sprache analysiert (Frege, Saussure, Derrida etc.), ich habe mich mit dem Gehalt von Sprache beschäftigt (Husserl, H.N. Castaneda, Quine, N. Goodman etc.), ich habe die Ästhetik von Zeichen analysiert (Pierce, Danto, Welsh, Bense, etc.). Sprache ist in meiner Lesart immer Teil von Bewusstsein, nur als bewusstes Sprechen, Lesen, Hören, macht Sprache ‚Sinn‘. Letztlich geht es also um Bewusstseinstheorien. Kurz, ich habe über die Funktion von Sprache, ihre Referenz, die Kommunikationsfähigkeit, ihre gesellschaftlichen, politischen, soziologischen Implikationen nachgedacht, ohne wirklich über das Wesen von Begriffen nachzudenken. Was meine ich damit? Sprache ist idealtypisch in grammatisch ‚korrekten‘ Sätzen strukturiert. Diese Sätze haben eine Struktur (in der einfachsten Form Subjekt – Prädikat – Objekt). Ihnen korrespondiert ein Sinn, das ist der Gehalt des Satzes, den wir versuchen, zu kommunizieren, oder von dem wir denken, dass wir ihn verstehen. Die dominierende ‚westliche‘ sprachanalytische Philosophie beschäftigt sich nun vornehmlich mit der Frage, welche Sätze wahr und welche falsch sind. Dazu muss natürlich zuerst bestimmt werden, unter welchen Umständen Sätze allgemein wahr oder falsch sein können. Es geht also um die Frage, wie die Beziehung von Sätzen zu der Welt ist und wie die Beziehung von Sätzen zu ihrem Sinn ist, und wie ist die Beziehung von Sinn und Welt. Das ist keine leichte Aufgabe, und um da nicht den Faden zu verlieren, richtet sich die Philosophie an der Logik aus. In der Propädeutik liegt dann die gemeinsame Wurzel von Logik und Sprache. Auf diesem Fundament können dann alle anderen Wissenschaften auf ihren Gültigkeitsanspruch überprüft werden. Was ist daran falsch?Diagramme und Begriff (concepts) in der Lehre
Ich habe in der Zeit, als ich in den USA gelehrt habe, viel über Diagramme nachgedacht, und sie in meinen Seminaren eingesetzt. Ich war ihnen gegenüber während meines Studiums skeptisch. Mir schien es faul zu sein, eine mangelnde Begriffsschärfe durch Diagramme auszudrücken. Diagramme – so dachte ich – werden immer dann gezeigt, wenn etwas Kompliziertes nicht klar ausgedrückt werden kann. Ich war so geschult worden, dass diese begriffliche Klarheit als Fernziel erreichbar sei – ein Kerngedanke der Aufklärung. Der Begriff ‚Begriff‚ wird dabei sehr technisch gedacht. (Siehe Frege Funktion und Begriff von 1891). Für Frege sind Begriffe wahrheitsfähige Prädikate, oder so ähnlich… da gibt es unsägliche Grabenkämpfe.






© Christoph Klütsch
Deleuze sagt dagegen sehr klar, dass Begriffe (concepts) nicht eindeutig sind, dass sie sich überlagern und alles andere als klare Abgrenzungen haben. Sie existieren auf einer bzw. vielen verschiedenen Ebenen (planes):„Philosophical concept are fragmentary wholes that are not aligned with one another so that they fit tgether, because their edges do not match up. (…) They resonate nonetheless, and the philosophy that creates them always introduces a powerful Whole that, while remaining open, is not fragmented: an unlimited One-All, an ‚Omnitudo‘ that includes all the concepts on one and the same plane.“ (p.35)
„Concepts are like multiple waves, raising and falling, but the plane of immanence is the single wave that rolls them up and unrolls them“ (p.36)
„Concepts are the archipelago or skeletal frame, a spinal column rather than a skull, whereas the plane is the breath that suffuses the separate parts.“ (p.36)
Jeder große Philosoph, jede Epoche hat ihre eigene Ebene (plane). Es gibt viele Ebenen (planes). Die Renaissance ist anders als die Romantik, Kant anders als Nietzsche. Es wäre absurd zu denken, dass die gleichen Begriffe in anderen Kontexten das Gleiche meinen. Deleuze geht es in seinem späten Werk um die verschiedenen Ebenen (planes). Die 1000 Plateaus waren dafür vielleicht der Experimentierkasten.
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