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Gelegentlich nur, Reflexionen aufs Sein …

Ideengeschichte

Ich liebe die Komplexität, manchmal aber auch die radikale Vereinfachung – um etwas Klarheit zu bekommen. Z. B. die Ideengeschichte in der bildenden Kunst. In Europa, nach der großen Völkerwanderung, lässt sich die Kunstgeschichte als Ideengeschichte holzschnittartig skizzieren: In der mittelalterlichen Kunst wurden Geschichten visuell erzählt – hauptsächlich die Geschichten der Bibel. Die meisten Menschen konnten ja nicht lesen, schon gar nicht Latein, oder Griechisch. Die Holztafelmalerei der Altäre ist also eine Art Comic, und ebenso frei in der räumlichen…

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Ereignishorizont

Schwarze Löcher geben uns Rätsel auf. Ich bin kein Kosmologe und beschäftige mich mit einem philosophischen Interesse populärwissenschaftlich mit schwarzen Löchern. Sie markieren eine Grenze unserer Vorstellungskraft. Die Gravitationskraft beeinflusst Raum und Zeit, sagt die Wissenschaft. Konzentriert auf einen Punkt verdichtet sie Materie auf ihre reine Substanz, quetscht Atomkerne und Elektronen zusammen zu einer Masse (Atome bestehen ja zum Wesentlichen aus Leere). Diese Masse zieht mit ihrer unglaublichen Gravitationskraft alles an und biegt und verzerrt Raum und Zeit. Das schwarze…

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Teilhaben

Heute, nach vielen Jahren, bin ich vielleicht zum ersten Mal auf dem Markt hier angekommen. Es gibt so viele Ökonomien hier. Einkaufen – natürlich – Routinen ablaufen auch… Effizienz – das Schönste für den besten Preis. Menschen treffen, Ausschau halten nach Bekannten. Was ich nie gesehen habe, ist das Soziale. Menschen kennen sich und spielen Musik füreinander. Teilen Kaffee und Quiche, Geschichten, und singen gemeinsam. Wie nimmt man einen Markt wahr, wie hat man Teil daran? Ein Mensch, der sich…

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An einer Utopie arbeiten

Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns zu konzentrieren, nur so kämen wir gemeinsam voran. Dies mag gelegentlich auch richtig sein, lenkt aber vom Wesentlichen ab. Wo wollen wir eigentlich hin? Macht…

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Platons Höhle

In Platons Höhlengleichnis sitzen die Menschen vor einer Wand, auf der die Schatten der realen Objekte der Welt zu sehen sind. Da sie in ihrem ganzen Leben nur die Schatten gesehen haben, denken sie, diese seien die Realität. Die Aufgabe des Philosophen ist es, den Menschen zu erklären, dass sie sich umdrehen sollten, um zu sehen, wie die Apparatur des Lichtes, das als Projektionsmechanismus dient, eine Illusion erzeugt. Sobald die Menschen dies erkannt hätten, würden sie sich aus den Ketten,…

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Wald

Der Wald ist ein wundervolles Habitat. Neulich hörte ich eine kleine Geschichte von einem Mann, der, immer wenn er den Wald betrat, eine Melodie pfiff. Die Tiere erkannten ihn nach einiger Zeit daran und akzeptierten seine Anwesenheit. Sie liefen nicht mehr weg, grüßten manchmal sogar. Wir sehen den Wald meist gar nicht wie er ist, weil wir ihn oft stören. Heute war ich im Wald. Statt wie sonst spazieren zu gehen, habe ich ein wenig meditiert, und dann einen kleinen…

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It takes a village

Ich sitze in einem Café in Frankreich. Um mich herum ein reges Geplapper. Heute Morgen war ich ‚im Internet‘. Wie unterschiedlich diese Erfahrungen sind.  Nun lassen sich Birnen schlecht mit Äpfeln vergleichen, und doch tun wir dies oft. Arbeiten im Büro und Homeoffice z. B. sind sich ähnlich, Gemeinschaft suchen auf sozialen Netzen oder im Café z. B., Lesen in der Bibliothek oder Recherchieren im Internet. Das sind Äpfel und Birnen, ähnlich und doch kategorial verschieden. Im Internet sind wir…

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Heimat

Ich habe im letzten Jahr an einem Zen-Meditationskreis teilgenommen. Weniger, weil ich mich als Zen-Buddhist verstehe, sondern weil ich die stille Gemeinschaft gesucht habe, um meiner Praxis nachzugehen. Während des Dokusan habe ich mich darauf eingelassen, meinen Fragen aktiv nachzuspüren. Ich habe viel aufgegeben und hinter mir gelassen. Das war überraschend leicht. Der ‚Lehrer‘ machte mich darauf aufmerksam, dass die Heimatlosigkeit, die ich praktisch aktiv einleite, auch ein spiritueller Zustand sei. Das war befreiend. Anstatt sein Selbst an eine Identität…

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Wachstumsschmerzen

Ein intensiver Monat endet. Umzug, räumliche Trennung, Freunde, die sich trennen, die Liebe von Patenkindern, neue Freundschaften, Sehnsüchte, Warten… Ich könnte ein Drehbuch schreiben über die letzten Wochen in der Provence. Jeder Tag gefüllt von Schmerz, Mitgefühl und Liebe – kollektiv in verschiedenen Konstellationen. Ich möchte aber nicht diese kleinen Geschichten erzählen, obgleich Marcel Pagnol vielleicht seine Freude daran gehabt hätte. Was mich beschäftigt, ist die Frage nach dem Schmerz. Leben ist Leiden, sagen Buddhisten – sehr verkürzt. Das Wollen…

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Imagination

In der Kena Upanischade wird beschrieben, wie das Selbst als solches nicht existiert. Wer sieht im Sehen, wer hört im Hören? Dies ist nicht beantwortbar. In der christlichen Tradition ist hierzu ein Selbst konstruiert worden. Ich sehe, ich höre, cogito ergo sum, imago ergo sum…. Was soll das sein, dieses cogito (Ich denke), das imago (ich stelle mir vor)? Jenes Ich, das Identität stiftet, Verantwortung besitzt, handelt und interagiert. Dass sich das Denken, wenn es sich seiner bewusst ist, einen…

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Marx

Über so viele Jahre habe ich über Marx nachgedacht. Wer hat das nicht? Die Idee einer gleichen und solidarischen Gemeinschaft, frei von ideologischem Überbau, oder irrationalen Irrlichtern. Eine Welt, die nur die Materie kennt, und in dieser eine wissenschaftliche, fortschrittliche Bewegung sieht. Ihr Ziel? Eine Welt, in der die Menschheit vollkommen ist, d. h. harmonisch, ohne Neid und Missgunst, solidarisch und gleichberechtigt, ohne Entfremdung und Fremdbestimmung, die alleine die Entfaltung des Individuums innerhalb eines Kollektives ermöglicht. Dieser Traum einer besseren…

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Zeit

Cézanne zeichnete und malte den Mont St. Victoire über 80-mal. Zwar aus verschiedenen Perspektiven, jedoch im Wesentlichen einfach den Berg. Dieser Berg ist schon sehr lange dort, er existiert in einer anderen Zeit. Die Fruchtfliege hat einen Tag zu leben, dann ist alles vorbei. Wir denken, wenn wir unseren Zeithorizont erweitern, in Generationen. Ein paar Hundert Jahre erscheint uns viel, vor 5000 Jahren fing unsere Kulturgeschichte an. Für einen Berg ist das quasi gestern. Was sehen wir, wenn wir dasselbe…

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