Gestern habe ich zwei Tausendfüßler bei der Paarung gesehen. Das war so ziemlich das Faszinierendste, das ich seit sehr langer Zeit gesehen habe. Die Kreaturen haben sich in sich verschlungen, sich gerieben und umgarnt, da war Rhythmus, Hingabe, Verschlingen. Die beiden sind sich zufällig begegnet, und nach ein paar Minuten in unterschiedliche Richtungen weitergezogen. Eine Begegnung. Es waren zwei Lebensformen, die sich vereint haben, um weiteres Leben zu zeugen. A Life – Ein Leben Ich habe heute dann Deleuze’ letzten…
Neulich habe ich einen Podcast zum Thema Traum gehört und mich mal wieder sehr gewundert. Der Leiter des Schlaflabors in Mannheim, sagt, jeder könne trainieren, Träume zu erinnern. Ich jedenfalls kann das, das stimmt also. Was mich aber doch sehr verwundert, ist die Reduktion des Traums auf das Unterbewusstsein. Träume würden sich nur stärkerer Bilder bedienen, um uns darauf aufmerksam zu machen, an etwas zu arbeiten, das wir im Wachbewusstsein vernachlässigen. Schade und traurig, und bezeichnend zugleich, wie armselig diese…
Heute war ich nun zum ersten Mal im Matrimandir. Vor 6 Jahren hatte ich mal eine Führung, das ist eine Voraussetzung später allein hinzugehen. Es ist auch sinnvoll eine grobe Orientierung zu haben, was für ein Ort das ist, wie man sich dort verhält, was andere stören würde. Während meiner Montagsmeditationen im Zen-Kreis Bremen wurde ich oft hierhin getragen. Es war ein Ort der Ruhe und Kraft. Manchmal schien es, als wollte dies mir etwas sagen. Nun, es hat mich…
Ich habe mich immer gegen das Wort Meditation gewehrt. Vieles daran war mir suspekt. Ich habe aber zugleich seit jeher meine Formen der Meditation praktiziert, ohne diese so genannt zu haben, oder ohne sie gelernt zu haben. Für mich gehören in den Bereich der Meditation: a.) die Kontemplation, d. h. das Versinken in einen Gedanken und das gezielte Nachspüren von Gedankenimpulsen zu einem Thema, ein Umkreisen, bis das mentale Bild klarer wird und vor dem inneren Auge erscheint. b.) auf…
Ich habe im letzten Jahr an einem Zen-Meditationskreis teilgenommen. Weniger, weil ich mich als Zen-Buddhist verstehe, sondern weil ich die stille Gemeinschaft gesucht habe, um meiner Praxis nachzugehen. Während des Dokusan habe ich mich darauf eingelassen, meinen Fragen aktiv nachzuspüren. Ich habe viel aufgegeben und hinter mir gelassen. Das war überraschend leicht. Der ‚Lehrer‘ machte mich darauf aufmerksam, dass die Heimatlosigkeit, die ich praktisch aktiv einleite, auch ein spiritueller Zustand sei. Das war befreiend. Anstatt sein Selbst an eine Identität…
In der Kena Upanischade wird beschrieben, wie das Selbst als solches nicht existiert. Wer sieht im Sehen, wer hört im Hören? Dies ist nicht beantwortbar. In der christlichen Tradition ist hierzu ein Selbst konstruiert worden. Ich sehe, ich höre, cogito ergo sum, imago ergo sum…. Was soll das sein, dieses cogito (Ich denke), das imago (ich stelle mir vor)? Jenes Ich, das Identität stiftet, Verantwortung besitzt, handelt und interagiert. Dass sich das Denken, wenn es sich seiner bewusst ist, einen…
Über so viele Jahre habe ich über Marx nachgedacht. Wer hat das nicht? Die Idee einer gleichen und solidarischen Gemeinschaft, frei von ideologischem Überbau, oder irrationalen Irrlichtern. Eine Welt, die nur die Materie kennt, und in dieser eine wissenschaftliche, fortschrittliche Bewegung sieht. Ihr Ziel? Eine Welt, in der die Menschheit vollkommen ist, d. h. harmonisch, ohne Neid und Missgunst, solidarisch und gleichberechtigt, ohne Entfremdung und Fremdbestimmung, die alleine die Entfaltung des Individuums innerhalb eines Kollektives ermöglicht. Dieser Traum einer besseren…
Als das Internet der Öffentlichkeit zugänglich wurde, d. h. Mitte der 90er-Jahre, gab es das Phänomen, dass Menschen ihre tiefsten Geheimnisse ins Internet stellten. Die Anonymität, die Einfachheit und die Schnelligkeit waren verführerisch. Die Beichte schnell abgelegt, die Anonymität weitestgehend gewahrt und vielleicht gab es sogar diesen kleinen Nervenkitzel, dass vielleicht jemand, den man kennt, die Geheimnisse liest, ohne zu wissen, wer dahintersteckt. Diese Tele-Beichten waren kathartisch. Heute hat sich das umgekehrt: Alle sollen sehen, was man tut, ohne mitzubekommen,…