Éros et immanence – Mon chemin vers le tantra

Von Beginn an war das Erwachen meiner Sexualität verstörend. Diese Energie, die in mir aufstieg, ist etwas, das als etwas Fremdes in mir Form annimmt. Sie ist jedoch nicht auf den Geschlechtsakt, auf einen Orgasmus gerichtet. Der Orgasmus ist kein Höhepunkt, der erreicht werden will, sondern eher vermieden werden soll. Der kleine Tod löst Angst aus, er ist das Ende einer Bewegung von Energie und ergießt sich in Ekstase. Sie verströmt wie Wasser im Sand. Es ist eine Verschwendung, kein Gefühl des Glücks, sondern des Verlusts.

Adolescent, j'avais peut-être quinze ans, j'ai eu pendant longtemps et presque continuellement une érection et je ne savais pas quoi en faire. J'ai joué avec cette énergie pendant des mois, expérimenté avec la chaleur, la pression, le frottement et mon propre corps. Je n'ai jamais eu d'orgasme de cette façon. Quand, après des mois, j'ai finalement éjaculé, j'ai eu une peur bleue. Je pensais que j'avais cassé quelque chose.

Die Erektion ist etwas, das mich mit Glück, Stolz und Zufriedenheit erfüllt. Der Orgasmus versetzt mich in Scham, Trauer, Angst. Ich fühlte, dass meine Sexualität nicht dem entspricht, was in der Gesellschaft medial inszeniert wird, und so floh ich in diese Bilderflut. Ich masturbierte zu Bildern von Supermodels und folgte der Entwicklung der Pornographie im Internet. Meine Sexualität schien sich dort betäuben zu lassen. Die visuelle Stimulation erlaubte eine Choreographie, einen Aufbau einer Dramaturgie, die einer inneren Suche entsprach. Es war immer eine Suche nach intimen Momenten, Begegnungen und Verbindungen von Mündern, Händen, Brüsten und Penis, Stimulation der Klitoris, Ganzkörpermassagen, Reibungen, Flüssigkeiten, Verrenkungen und Verschränkungen. In Zeitlupe waren die Verbindungen von Körperteilen, die Begegnung der Augen, das Verschlingen der Münder, die Penetration, die Hingabe und das Nehmen, das Fordern, Dominieren und Opfern der Lust in der Ekstase Energien, die mich interessierten. Sie ließen meine Erektion wachsen bis zur Trance. Mein Körper bebte und zitterte. Ich ritt auf einer Welle, immer nur Sekunden vom Orgasmus entfernt, an einem Abgrund. Die Hingabe an den Orgasmus ist das Hineinstürzen in den Abgrund, die lustvolle, schamhafte, schuldbeladene Hingabe an eine Ekstase, die sich falsch anfühlte. Ich verstand nie, warum sie sich falsch anfühlte.

Jener Zustand der Selbstüberschreitung ließ sich durch visuelle Stimulation erreichen, jedoch ohne die Verschmelzung mit dem anderen, und so wurde die Selbstbefriedigung zur Selbstüberschreitung. Dieser Weg führte jedoch in eine Simulation, in der die Lust zu etwas wurde, das sich dort unter Kontrolle bringen ließ. Sie wurde zum Stressregulator, oder sie wurde einfach nur bedient, um sie zur Seite zu legen, oder als Energiekick missbraucht. Ich hatte das Gefühl, dass Sexualität so zu etwas wurde, das ich kontrollierte, und erkannte nicht, dass meine Sexualität noch lange nicht gefunden hatte, was sie suchte.

Ich hatte die meiste Zeit meines Lebens erfüllte Beziehungen. Ich hatte Sex mit meinen Partnerinnen. Dieser Sex war anders. Er war schön, ich verlor mich in der Sinnlichkeit, ließ meine Hände über die Landschaften des anderen Körpers fahren, drang ein in den anderen, verband mich mit der Energie des anderen. Manchmal baute sich dies zu einer Symphonie der Sinne aus: Rhythmus, Pausen, Ekstase, Ausklang, Ruhe, Wiederauferstehen, Verschmelzung, Hingabe, Aufgabe, Loslassen und dann wieder Fordern, Nehmen. Dazu gehörten das Massieren und Drücken der anderen, das Eindringen in sie, der Austausch von Blicken, die Verschmelzung von Geist, Herz und Körper. Nicht oft gelang es mir, mit dem anderen diese Ebene zu erreichen, oft gingen dem lange Vorspiele und Sex, der sich anfühlte wie Stunden, voraus. Der Orgasmus hier war ein anderer, es war eine Explosion, eine Vereinigung, Selbstüberschreitung.

Jene tantrischen Momente mit einigen meiner Partnerinnen hatten einen kleinen Vorgeschmack gegeben, wir waren aber nicht fähig, das weiter zu ergründen. Wir sahen das außerordentliche Geschenk an, unverstanden, erschreckend. Zu groß war ihre Kraft, um sie zu meistern, zu überwältigend, um sie zu verstehen, zu groß, als dass ihr ein Selbst standhalten könnte.

Romantique

Ich hörte eine Geschichte, voll Romantik: Zwei Menschen um die 60 verlieben sich. Es ist die große Liebe spät im Leben. Es wird beschrieben, wie glücklich sie sind, wie sehr sie sich nacheinander sehnen, wie toll der Sex ist, wie schwierig es ist, sich wirklich neu zu binden, und wie schön es ist, dies dann zu tun. Es wird ein Märchen, mein deutsches romantisches Wesen fühlt sich angesprochen. Das möchte ich auch, vieles davon vermisse ich, das Glück zu zweit. Es ist jedoch diese Vorstellung, dass wir durch den anderen erst vollständig sind.

Diese schöne Idee, die die Menschheit seit der Antike begleitet, lässt aber etwas Wesentliches aus: die Vereinigung mit dem Göttlichen. Lässt sich das trennen? Können wir die Einheit mit einem anderen erfahren und die Einheit mit Gott und dies als zwei verschiedene Einheiten begreifen? Ist es nicht vielmehr so, dass viele sich für das eine oder andere entscheiden? Der Pfad, beides zu verschränken – die Liebe, das Göttliche und das Körperliche –, ist der tantrische Pfad. Auch hier gibt es Wege, die einem Entweder-oder folgen, das mag so sein, aber auf dem tantrischen Pfad ist es möglich, alles zu vereinen. Das fordert aber eine Abkehr von Konventionen, vor allem solchen wie in dieser Geschichte oder jenen, die in die Klöster führen.

Alchimie

In der asiatischen Welt gibt es die Lehre der Alchemie. Sie ist eine Geheimlehre, bei der es um Elemente, Energien und Rezepte geht. Oft wird von Metallen gesprochen, von Feuer und Zutaten, und viele verstehen dies falsch als Rezepte zur Herstellung von Gold oder von Tinkturen zur Verlängerung des Lebens. Im Kern sind diese Lehren jedoch verschlüsselte Weisheiten darüber, wie die inneren Energien des Körpers zu leiten, zu reinigen und höheren Zielen zuzuführen sind. Wenn wir die Lebensenergie, die Sexualität, das Bewusstsein, den Intellekt, den Körper, die Intuition, unser Tun in Einklang bringen, dann leben wir erfüllter, dann sind wir vollständig. Es ist eine Alchemie des Lebens.

Es ist für mein westliches Denken sehr schwer gewesen, mich dieser Alchemie zu öffnen, denn der erste Schritt ist, die einzelnen Elemente in ihrer Existenz anzuerkennen, sie wahrzunehmen und mit ihnen ein wenig zu spielen. Ich brauche dafür eine Anleitung, d. h., ich habe Menschen gefunden, die mich auf diesem Weg begleiten, mich gelegentlich führen, kritisieren, auf Gefahren hinweisen und vor allem geduldig sind. Ich habe in den letzten Jahren ein Dutzend Menschen getroffen, die mir dabei helfen. Und so sitze ich nun in Ladakh am Indus-Fluss in Alchi und folge den Pfaden der Dharmas, lese über chinesische Alchemie, denke über die Upanischaden nach, erkunde mein Herz und versuche immer weiter zu verstehen, wie sich dieser Pfad aus der Lebensenergie, dem Bewusstsein und der Sexualität speist.

Sexualité

Als ich nach Indien kam, habe ich viele meiner schlechten Gewohnheiten abgelegt. Ich ernähre mich besser, trinke keinen Alkohol oder Kaffee und verzichte auf visuelle sexuelle Stimulation. Ich musste meinen Körper neu entdecken, die Mechanik von Erektion und Masturbation neu erlernen. Ich erfuhr, dass meine Sexualität unterströmt ist von Vorstellungen, Ängsten, Unsicherheiten, die mich blockierten. Ich hatte mich von meiner Sexualität entfremdet, Routinen und Vermeidungsstrategien sowie die Suche nach Neuem hatten diese kraftvolle Energie verschüttet.

Es bedurfte jahrelanger innerer Arbeit, diesen Knoten zu lösen und diese Energie in das Netzwerk des Lebens zu reintegrieren. Diese gereinigte und purifizierte Energie ist jedoch so stark, dass ich sie noch immer nicht kontrollieren kann. Zu ambitioniert ist sie, zu ungeduldig, als dass sie sich auf den Moment einlassen könnte, und so baut sie sich erst langsam über Sinnlichkeit und Erotik, Nähe und Resonanz wieder auf. Es ist eine Sinnlichkeit, die integriert, die Sein und Bewusstsein, Spiritualität und Körperlichkeit, Herz und Verstand, Intuition und Handeln verbindet.

Mir scheint, dass diese Erotik, die in der Gegenwart des anderen erblüht, auch in der Meditation, in der Natur, in Tempeln und im Schlaf anwesend sein kann. Und so, wie in einer tiefen Meditation die Einheit des Bewusstseins sich öffnet, so vereint die Erotik die Erfahrung von Welt. Sie ist das Band, das alles verwebt, sie drückt sich in Erregung, Vibration und Resonanz aus, sie verbindet die Chakras, es ist Kundalini, die den Pfad zur vollen Entfaltung zeigt.

Visualisations

Ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Visualisierungen. Sie sind sicherlich hilfreich in der Kommunikation und Lehre. Wenn wir uns die verschiedenen Energien im Körper als Zahnräder vorstellen, ihnen numerische Bedeutung geben und sie in Farben erstrahlen lassen, dann hilft das der Suche, der Meditation und der Arbeit mit ihnen. Es sind aber eben nur Visualisierungen. Diese Bilder sind nicht die Realität, sie sind als Abbild oder Diagramm nur Formen der Repräsentation.

Ich habe mich immer etwas dagegen gesträubt und gehe den viel längeren und umständlichen Weg direkter Erfahrung. Jede Reflexion, jeder Gedanke, selbst jedes Gefühl hat einen Anker in meinem inneren Sein. Tod, Leid, Freude, Gemeinschaft, Einheit, Denken, Wahrnehmen, Handeln – sie und vieles mehr sind verankert im Sein. Die Tattwas geben hier einen Kompass: Elemente, innere und äußere Sinne, Organe des Handelns, Stufen des Bewusstseins. Das ist der Baukasten des Lebens als Mensch. Aus ihm setzt sich alles zusammen. Und so, wie ein Kind mit Bauklötzchen eine Burg baut, so können wir mit diesen Tattwas die Komplexität des Lebens beschreiben, indem wir Bilder schaffen von Energieströmen, Bewusstseinsebenen, Energiefeldern.

Mein Denken und Handeln, mein Fühlen und Wahrnehmen erstrecken sich in die Realität. Wir können das empirisch, rational, wissenschaftlich schlecht beschreiben, es ist jedoch, wenn wir unsere Wahrnehmung schärfen, selbstevident. Und wenn wir nun diese, sagen wir, Phänomene ernst nehmen, ihre Allgemeingültigkeit verstehen und verallgemeinern, kommen wir zu Personifizierungen, die sich in Form von Göttern darstellen. Auch hier ist es evident, dass Emotionen existieren, wir sprechen von Liebe und Angst, Sinnlichkeit und Erkenntnis, von Handlungen und Sinnstiftungen. Wenn wir aufhören, diese auf Materie und Gesetze zu reduzieren, und sie stattdessen in ihrer Existenz wahrnehmen, dann zeigen sie sich als Antlitz von Göttern.

Diese Bilder sind wie eine Sprache, eine Sprache der Religion. Wer sie beherrscht, herrscht. Wer sie kennt, kann sich schneller in der Welt bewegen, aber ebenso, wie der rationale Geist sich leicht in der Sprache verliert, so kann die Religion zur Falle werden. Wer die Beschreibung mit der Realität verwechselt, entfremdet sich. Nur wenn diese Ebenen verbunden bleiben, können wir uns wirklich weiterentwickeln. In Indien ist das die Verbindung von Mantra, Tantra und Yantra.