Kategorie: Indische Philosophie und Praxis

Texte zu Upanischaden, Meditation, Yoga, Mantras, Brahman, Aurobindo und spiritueller Praxis in Indien.

An einer Utopie arbeiten

Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns zu konzentrieren, nur so kämen wir gemeinsam voran. Dies mag gelegentlich auch richtig sein, lenkt aber vom Wesentlichen ab. Wo wollen wir eigentlich hin? Macht…

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Heimat

Ich habe im letzten Jahr an einem Zen-Meditationskreis teilgenommen. Weniger, weil ich mich als Zen-Buddhist verstehe, sondern weil ich die stille Gemeinschaft gesucht habe, um meiner Praxis nachzugehen. Während des Dokusan habe ich mich darauf eingelassen, meinen Fragen aktiv nachzuspüren. Ich habe viel aufgegeben und hinter mir gelassen. Das war überraschend leicht. Der ‚Lehrer‘ machte mich darauf aufmerksam, dass die Heimatlosigkeit, die ich praktisch aktiv einleite, auch ein spiritueller Zustand sei. Das war befreiend. Anstatt sein Selbst an eine Identität…

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Wachstumsschmerzen

Ein intensiver Monat endet. Umzug, räumliche Trennung, Freunde, die sich trennen, die Liebe von Patenkindern, neue Freundschaften, Sehnsüchte, Warten… Ich könnte ein Drehbuch schreiben über die letzten Wochen in der Provence. Jeder Tag gefüllt von Schmerz, Mitgefühl und Liebe – kollektiv in verschiedenen Konstellationen. Ich möchte aber nicht diese kleinen Geschichten erzählen, obgleich Marcel Pagnol vielleicht seine Freude daran gehabt hätte. Was mich beschäftigt, ist die Frage nach dem Schmerz. Leben ist Leiden, sagen Buddhisten – sehr verkürzt. Das Wollen…

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Imagination

In der Kena Upanischade wird beschrieben, wie das Selbst als solches nicht existiert. Wer sieht im Sehen, wer hört im Hören? Dies ist nicht beantwortbar. In der christlichen Tradition ist hierzu ein Selbst konstruiert worden. Ich sehe, ich höre, cogito ergo sum, imago ergo sum…. Was soll das sein, dieses cogito (Ich denke), das imago (ich stelle mir vor)? Jenes Ich, das Identität stiftet, Verantwortung besitzt, handelt und interagiert. Dass sich das Denken, wenn es sich seiner bewusst ist, einen…

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Marx

Über so viele Jahre habe ich über Marx nachgedacht. Wer hat das nicht? Die Idee einer gleichen und solidarischen Gemeinschaft, frei von ideologischem Überbau, oder irrationalen Irrlichtern. Eine Welt, die nur die Materie kennt, und in dieser eine wissenschaftliche, fortschrittliche Bewegung sieht. Ihr Ziel? Eine Welt, in der die Menschheit vollkommen ist, d. h. harmonisch, ohne Neid und Missgunst, solidarisch und gleichberechtigt, ohne Entfremdung und Fremdbestimmung, die alleine die Entfaltung des Individuums innerhalb eines Kollektives ermöglicht. Dieser Traum einer besseren…

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Beichten

Als das Internet der Öffentlichkeit zugänglich wurde, d. h. Mitte der 90er-Jahre, gab es das Phänomen, dass Menschen ihre tiefsten Geheimnisse ins Internet stellten. Die Anonymität, die Einfachheit und die Schnelligkeit waren verführerisch. Die Beichte schnell abgelegt, die Anonymität weitestgehend gewahrt und vielleicht gab es sogar diesen kleinen Nervenkitzel, dass vielleicht jemand, den man kennt, die Geheimnisse liest, ohne zu wissen, wer dahintersteckt. Diese Tele-Beichten waren kathartisch. Heute hat sich das umgekehrt: Alle sollen sehen, was man tut, ohne mitzubekommen,…

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Viele ichs

Heute habe ich ein Zitat von Sri Aurobindo gehört. Er sagte sinngemäß, dass jeder von uns mehrere Ichs hat. Das war mir klar. Seit Jahrzehnten ist das meine Erfahrung, dass die unterschiedlichen Aspekte einer Persönlichkeit viele sind und die Vorstellung einer subjektiven Identität eine Konstruktion ist. Ich sah die Konstruktionsprinzipien immer als ideologisch an, die der Logik von Reisepässen, individueller Verantwortung und Rechtsprechung, aber auch von Schuld und Sühne, der Idee einer Seele im christlichen Kontext etc. dient. Meine Reaktion…

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Foucault sagte, die Seele sei das Gefängnis des Körpers

Sich großen Themen mit kleinen Texten nähern, geht das? Der Mittelmeerraum ist die Geburtsstätte des Monotheismus – Judentum, Christentum, Islam. In Indien ist die Geburtsstätte des Hinduismus. Unzählige Götter werden hier gedacht oder aber die Abwesenheit von Gott, bzw. die Universalität des Göttlichen, je nachdem, welchem der zahlreichen Stränge man folgt. Zwei Prinzipien sind hier jedoch sichtbar: die Maxime der Individualität, die sich auch jenseits des Todes fortsetzt, und der Gedanke, Teil eines viel Größeren zu sein, innerhalb dessen das…

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