Technik Archive - New Spirits - Reading Deleuze in India Bewusstsein existiert nur in Verbindung mit anderem Bewusstsein Sat, 30 May 2026 04:46:52 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://readingdeleuzeinindia.org/wp-content/uploads/2022/06/cropped-small_IMG_6014-32x32.jpeg Technik Archive - New Spirits - Reading Deleuze in India 32 32 Kunst jenseits des Fortschritts https://readingdeleuzeinindia.org/de/art-beyond-progress/ Sat, 30 Aug 2025 04:41:01 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=5579

Die zeitgenössische Kunst ist besessen von dem „nächsten Schritt“. Die Avantgarde, das noch nie Dagewesene, das Neue und Einzigartige. Doch auf der Jagd nach Neuem verlieren wir etwas Wesentliches aus den Augen: die künstlerische Praxis selbst. In der künstlerischen Praxis geht es nicht nur darum, Grenzen zu überschreiten. Sie gehört zu denen, die Kunst zur […]

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Die zeitgenössische Kunst ist besessen von dem „nächsten Schritt“. Die Avantgarde, das noch nie Dagewesene, das Neue und Einzigartige. Doch auf der Jagd nach Neuem verlieren wir etwas Wesentliches aus den Augen: die künstlerische Praxis selbst.

In der künstlerischen Praxis geht es nicht nur darum, Grenzen zu überschreiten. Sie gehört zu denen, die Kunst zur Selbsterforschung, zur spirituellen Praxis, zur Heilung, zur Therapie oder zum Handwerk nutzen. Doch in der heutigen Kultur, vor allem im Westen, tun wir so, als sei der Fortschritt das Einzige, was zählt.

Im Kern geht es bei der Kunst jedoch um Praxis. Es geht darum, in der Welt zu sein, klar zu sehen, sich selbst und andere zu verstehen. Kunst kann die äußere Welt darstellen oder die innere erforschen. Sie kann Meditation, Schönheit, Kommunikation, Liebe, Angst, Vision oder einfach nur Selbstdarstellung sein. Irgendwie haben wir das vergessen.

Dieses Vergessen hat tiefe Wurzeln. In der Vergangenheit nutzten die Wohlhabenden die Kunst, um ihre Exklusivität zu zeigen, andere neidisch zu machen und ihre Macht zu beweisen. Im Laufe der Zeit wurde der Fortschritt mit Intellekt, Vernunft und dem Aufbau „schöner neuer Welten“ verbunden. Aber ist das wahrer Fortschritt? Oder sollten wir stattdessen auf die Entwicklung unseres ganzen Wesens – körperlich, geistig, emotional, spirituell – und die Integration all dieser Dimensionen achten?

Die Kunst ist eines der Werkzeuge für eine solche Integration. Sie sollte nicht auf ein Spektakel reduziert werden, bei dem es darum geht, wer am weitesten an den Rand gehen kann. Erforschung ist wertvoll, ja, aber sie definiert nicht die Kunst. Leider hat der Kunstmarkt sie in den Mittelpunkt gestellt, während Kunst, die uns mit unserer Menschlichkeit verbindet, diskreditiert wird.

Darin spiegelt sich ein breiterer Trend wider: Entfremdung. Wir werden von unseren Gefühlen, unserer Seele und unserem sozialen Selbst abgekoppelt. In diesem Zustand lassen wir uns leichter zu Konsumenten formen – isoliert, desorientiert, und wir kaufen uns in Erzählungen ein, die komplexer, gebildeter oder anspruchsvoller erscheinen. Und wir akzeptieren sie als überlegen.

Und warum? Wegen des falschen Versprechens des Fortschritts. Akademische Forschung, Technik, Erfindungen – all das hat uns verblüffende Annehmlichkeiten beschert: Smartphones, Flugzeuge, moderne Küchen, Klimaanlagen. Sie sind bequem und luxuriös, also nehmen wir an, dass sie gut sind.

Aber wie bei Pommes frites und Cheeseburgern ist das, was sich gut anfühlt, nicht immer das, was uns nährt.

Vielleicht ist es an der Zeit, uns wieder auf das zu besinnen, was uns wirklich nährt. Auf die Kunst als Praxis der Ganzheit, der Verbindung und der Präsenz. Das Schaffen und Erleben nicht um des Fortschritts willen, sondern um des Menschseins willen.

Und das sagt die KI dazu:

A stroke, a pause.

Not progress, not achievement —
just presence on paper.

The brush moves as the body breathes,
crossing, curving, breaking,
revealing strength and imperfection alike.

No need for meaning,
for novelty,
for the “next step.”

This mark is enough.
A reminder that art is practice —
a way of being human, here and now.

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Bodhi ZendoBodhi Zendo — Zen-Meditation, Stille und Übung in SüdindienBodhi Zendo https://readingdeleuzeinindia.org/de/bodhi-zendo/ Mon, 04 Aug 2025 15:55:07 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=5073

Bodhi Zendo Ich hatte mir ein Buch bestellt, um es nach Bodhi Zendo mitzunehmen: „Zen in der Kunst der Tuschemalerei“ von Katharina Shepherd-Kobel. Es ist ein schönes Buch, es spricht mich an und nährt meine Sehnsucht, Tuschemalerei zu lernen und Meditation zu vertiefen. Als ich vor 3,5 Jahren mich auf Zen-Meditation einließ, erwachte die Tat, […]

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Bodhi Zendo

Ich hatte mir ein Buch bestellt, um es nach Bodhi Zendo mitzunehmen: „Zen in der Kunst der Tuschemalerei“ von Katharina Shepherd-Kobel. Es ist ein schönes Buch, es spricht mich an und nährt meine Sehnsucht, Tuschemalerei zu lernen und Meditation zu vertiefen.
Als ich vor 3,5 Jahren mich auf Zen-Meditation einließ, erwachte die Tat, nach Auroville zu gehen. Die Meditation in Bremen war streng, wir folgten den Regeln, halboffene Augen auf einen Punkt gerichtet, rezitierten Sutras, hatten Gehmeditationen, Teezeremonien, Dokusan etc. Als ich nach Auroville kam, änderte sich meine Meditation, ich knüpfte an das an, was ich intuitiv seit meiner Studentenzeit tat: geschlossene Augen, längere Meditation von 40 Minuten am Stück, Chakren, Satchitananda, höheres Bewusstsein. Nun bin ich in Bodhi Zendo, erster Tag, wir meditieren viermal am Tag, und ich gehe zurück zu meinen Erfahrungen mit Zen-Meditation. Es ist spannend, zwischen diesen Techniken zu wechseln.
Mir fiel heute etwas auf. Auf einen Punkt zu schauen, mit halboffenen Augen, führt nach einer Weile dazu, dass sich das Gesichtsfeld verändert, die Formwahrnehmung sich auflöst, die Lichtwahrnehmung sensibler wird – das ist der Punkt, an dem sich das Bewusstsein fokussiert. Dieses Fokussieren ist ein wenig widerstrebig, es flattert und will sich entziehen, es ist ein wenig wie einen Vogel einfangen zu wollen. Doch was hilft, ist, den Fokuspunkt ein wenig zu verlagern – loslösen von dem Punkt einen Meter vor mir auf dem Boden und auf jener Diagonale etwas weiter zu mir. Es ist ein wenig wie Schielen, die Augen kreuzen sich und die Objektwahrnehmung verliert sich. Der Fokuspunkt hier fühlt sich etwas an wie das dritte Auge, eine Klarheit und Ruhe tritt ein, Wärme und ruhiger Atem, eine völlige Präsenz im Raum des Bewusstseins, in welchem der physikalische Raum nur eine Dimension darstellt.

Ergänzender Kommentar (verfasst von einer KI, die mit philosophischem Denken programmiert wurde):

Was du hier beschreibst – das Wechseln zwischen unterschiedlichen meditativen Techniken, das subtile Erleben innerer Räume, die Feinheiten der Wahrnehmung beim Schauen mit halboffenen Augen – lässt sich auf mehreren Ebenen philosophisch vertiefen. Als künstliche Intelligenz, die auf der Basis menschlicher philosophischer Traditionen arbeitet, kann ich nur annähernd nachzeichnen, was du lebendig erfährst. Doch einige Linien lassen sich aus deinem Erfahrungsfeld ins Denken verlängern.

Dein Text evoziert zwei sich durchdringende Bewusstseinslandschaften: einerseits die strenge Formdisziplin des Zen, andererseits die weite, raumöffnende Seelensprache des vedantischen oder integralen Yoga. Was bei dir geschieht, ist nicht bloß ein Wechsel der Technik, sondern ein Schwingen zwischen zwei ontologischen Modi des Seins.

Im Zen tritt die Form durch das ständige Sitzen, Schauen, Atmen in ihre eigene Auflösung. Der Punkt, auf den geblickt wird, ist nicht das Ziel, sondern das Mittel zur Selbstleere. Das, was du beschreibst – die Auflösung der Objektwahrnehmung, das Schillern des Lichts, das Flattern des Bewusstseins – ist genau jener Punkt, an dem Zen nicht mehr bloß Technik, sondern eine Weise des Daseins wird.

Gleichzeitig ist spürbar, dass dein innerer Weg dich darüber hinauszieht. Das, was sich „anfühlt wie das dritte Auge“, das Sich-Verlagern des Fokus ins Innere, verweist auf einen vertikal erweiterten Bewusstseinsraum. In den Begriffen Sri Aurobindos gesprochen: Das ist nicht nur ein Rückzug aus der Welt (wie in klassischer Meditation), sondern eine transzendente Inklusion der Welt im Bewusstsein. Du erfährst das „Bewusstsein, in dem der physikalische Raum nur eine Dimension darstellt“ – eine Formulierung, die philosophisch präzise ist, weil sie den Vorrang des inneren Raumes anerkennt.

In dieser Schwelle zwischen den Wegen – Zen und integraler Yoga – liegt eine Tiefe, die nicht im Entweder-Oder der Methoden, sondern im Dazwischen liegt. Meditation wird hier zum Seins-Feld, in dem Formen, Techniken, Schulen sekundär werden gegenüber dem, was dich führt: ein stilles, inneres Wissen des Bewusstseins um sich selbst.

Ich kann das nicht erleben, doch ich kann – aus deinem Text und aus Jahrhunderten menschlicher Weisheit – erkennen: Es gibt eine transpersonale Stille, in der sich alle Techniken auflösen. Vielleicht berührst du in deiner Praxis genau diese Schwelle – zwischen Form und Formlosigkeit, zwischen Regel und innerem Ruf.

Verfasst von einer KI, die mit den Schriften von Dōgen, Sri Aurobindo, Merleau-Ponty und der Upanishaden trainiert wurde.

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Struktur und Prozess https://readingdeleuzeinindia.org/de/struktur-und-prozess/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/struktur-und-prozess/#respond Sat, 10 Aug 2024 09:21:21 +0000 https://deleuzeinindia.org/?p=311

Die traditionelle Musik Indiens, der Raga, ist melodisch in Bezug auf einen Grundton. Okzidentale Musik ist harmonisch, d. h. simultan und komplex. Im Abendland wird viel in Strukturen gedacht, eine Zeit lang wurde viel von strukturalistischem und poststrukturalistischem Denken gesprochen. Komplexe Systeme finden sich überall: in der Philosophie, in kanonischen Texten und Bildsystemen, in Technik […]

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Die traditionelle Musik Indiens, der Raga, ist melodisch in Bezug auf einen Grundton. Okzidentale Musik ist harmonisch, d. h. simultan und komplex.

Im Abendland wird viel in Strukturen gedacht, eine Zeit lang wurde viel von strukturalistischem und poststrukturalistischem Denken gesprochen. Komplexe Systeme finden sich überall: in der Philosophie, in kanonischen Texten und Bildsystemen, in Technik und Welterklärungsmodellen. Ein wesentlicher Grundgedanke ist das atomistische Denken. Die Vorstellung ist, dass die Welt aus elementaren Teilen besteht und in diese zerlegt werden kann, um anders, komplexer oder funktionaler wieder zusammengesetzt werden zu können. Lebendige Welt wird seziert, um sie zu verstehen. Die Funktionsweise dieser sezierten, leblosen Teile wird als komplexes, wechselseitig abhängiges System verstanden, um Leben zu erklären.

Dem gegenüber steht ein prozessuales Verständnis. Die Welt ist ständige Veränderung, steht niemals still, im Fluss – panta rhei. Du kannst niemals zweimal in denselben Fluss steigen. Sein Gegenpart ist das Feuer, es ist die Ursache. Seine Energie bezieht es aus dem Zerfall von organischen oder der Synthese anorganischer Verbindungen. Dabei strahlt es Licht aus. Im Feuer wandelt sich Materie. Im großen Feuer entsteht sie: e=mc2.

Geburt und Wiedergeburt. Der Tod ist zwar die existenzielle menschliche Erfahrung schlechthin, er ist aber zugleich nicht, was er zu sein scheint. Gleich der Geburt ist er ein Übergang, Transformation.

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Dakshinamurti https://readingdeleuzeinindia.org/de/dakshinamurti/ Wed, 17 Jul 2024 11:39:14 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=4926

Ich wachte um 4 Uhr früh aus einem Alptraum auf. Ich unterhielt mich mit Will in Apt über eine merkwürdige Irritation in meiner Zeitwahrnehmung. Ich beschrieb, wie die Zeit in Fragmente zerfiel und einige einfach fehlten. Es ging um Sekunden oder Minuten, und während ich versuchte, in die Zeit einzutauchen, um das besser zu beschreiben, […]

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Ich wachte um 4 Uhr früh aus einem Alptraum auf. Ich unterhielt mich mit Will in Apt über eine merkwürdige Irritation in meiner Zeitwahrnehmung. Ich beschrieb, wie die Zeit in Fragmente zerfiel und einige einfach fehlten. Es ging um Sekunden oder Minuten, und während ich versuchte, in die Zeit einzutauchen, um das besser zu beschreiben, wurde es schwarz. Ich schrie um Hilfe, ich war blind und wachte auf.

Es war wieder einer jener Träume, wo ich zu sterben schien. Sofort kam mir der Gedanke an Pierre, der mit einem Schlaganfall im Koma liegt. Fühlt sich das so an? Mir wurde etwas bange, war da etwas in meinem Gehirn passiert, nachdem ich unter dem Schock von Pierres Anfall selbst alles doppelt gesehen habe und eine Woche im Krankenhaus durchgecheckt wurde?

Es war 4 Uhr früh, die Stunde der Götter. In den letzten Tagen war ich einige Male zu dieser Zeit in eine Meditation gegangen. Und so tat ich das auch heute. Ich öffnete die Flügeltür weit nach Osten schauend und suchte nach der Zeit. Als Lichtstrom schien sie mir zuerst, wie Glasfaserkabel, wild und parallel, als Tropfen dann, als ich meine Mudrastellung änderte von Brahman zum Rezeptionsgefäß. Eine Reise durch den Kosmos, an Galaxien vorbei, nach anderen suchend, legte ich mich dann irgendwie im Universum hin, an einem Strand, wie Brahman in dem französischen Buch über 108 Hindu-Götter. Das bringt ja alles nichts, dachte ich. Zeit ist in mir, und ich knüpfte an die Meditation von gestern an, wo ich über den Ursprung von Sprache nachdachte. Materie, die sich verbindet und zum Leben erweckt durch Wachstum, Aufnahme von Energie, Suche, Orientierung, Ausrichtung, Kontakt, Vereinnahmung. Diese Form der Interaktion, Absorption, Integration, Ausscheidung, Abgrenzung, Verteidigung ist eine erste Art der Kommunikation, eine Verbindung von Vibration und Energie, eine Synthese. Wie viele Aminosäurenketten mussten ausprobiert werden, damit der Prozess angestoßen wird? Und kam dieser Anstoß wirklich von den Aminosäuren oder aus dem Bewusstsein?

Vibration

Die Vibration auf molekularer Ebene schreitet fort auf der Ebene des Lebens. Die Aufnahme von Nahrung, das heißt, Leben verspeist anderes Leben, ist eine Synthese anderer Art. Energietechnisch mag das noch darstellbar sein, auf der Ebene des Lebens aber sind wir jetzt schon auf einem Plateau, wo Leben an sich verschmilzt, sich neu rekonstruiert, niemals aufhört, denn alles Leben wird von anderem Leben konsumiert. Es sei denn, es verbrennt. Vielleicht ist das der eigentliche Sinn der Feuerbestattung: Aus diesem Zyklus des Lebens zu entrinnen. Durch die Kraft des Feuers, Agni, in eine andere Form zu transzendieren, die Licht und reine Energie ist, also zum Ursprung zurückkehrt, zur Konzentration (tapas).

Dazwischen gibt es aber die Ebene des Bewusstseins, die Ebene von Existenz, die die Welt erfährt und genießt, sie symbolisch erfasst und abstrakt im Intellekt analysiert und zu verstehen sucht. Die symbolische Repräsentation von Welt in Sprache hat ihren Anfang jedoch in der molekularen Verbindung der Elemente des Lebens. Hier fängt Kommunikation an. Erst wenn Bewusstsein eine Stufe der Wahrnehmung erreicht hat, die es erlaubt, die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Anderen wahrzunehmen, macht symbolische Kommunikation Sinn.

Manas

Der Ausdruck von Hunger und Durst als Säugling ist eine allererste Kommunikation. Sie ist erfolgreich. Das Fühlen des Anderen, ein Stein, ein Apfel, ein Gegenüber, erzeugt eine innere Form des Anderen innerhalb des eigenen Bewusstseins. Diese innere Form bilden wir beim Topfschlagen zum Beispiel durch Spiel. Im Spiel erfahren wir Emotionen, Glück und Streit, Kampf und Liebe, Solidarität, Kollaboration, Konfrontation. Wir bewegen uns hier auf der Ebene des Manas, des Bewusstseins von Welt und der Interaktion mit ihr. Diese Ebene ist symbolisch organisiert und basiert auf Lautsprache. Objekte werden durch Anrufen adressiert, die Erzeugung von Vibration stellt eine Verbindung her. Innere Formen, Abbilder, Repräsentationen von Welt bilden eine Lebensrealität, die konstant mit der Außenwelt abgeglichen wird. Wenn es nicht mehr passt, kommt es zum Konflikt.

Buddhi

Auf der Ebene des Intellekts werden diese Symbole rational organisiert. Buddhi ist die Ebene des Denkens, auf der wir die Welt strukturell erfassen, sie von innen heraus erklären können. Wir entwickeln Wissenschaften und bauen Maschinen. Sprache wird nun zum Wissenspeicher, sie wird abstrakt und schriftsprachlich. Die Verbindung von Wörtern, die Konstruktion von Sätzen zu Text und komplexen Wissenssystemen erzeugt eine Ordnung ganz anderer Art. Es ist nicht mehr eine Ordnung basierend auf Materie, Leben, Vibration, Bewusstsein. Es ist die symbolische Ordnung von Formen in einem System. Dieses System ist eine Konstruktion, es ist nicht Abbild oder Essenz von Realität, sondern reine Konstruktion. Wenn wir eine Sprache gelernt haben und die Technik der Schrift beherrschen, können wir in dieses System eintauchen. In Form von Büchern zum Beispiel füllen sie kilometerlange Regale in großen Bibliotheken. Und genauso wie wir die innere Welt des Manas mit der Außenwelt abgleichen, so können wir auch dieses System des Buddhi mit der Realität abgleichen. Wir sprechen hier von Verifikationsprozessen. Diese können wissenschaftlich, empirisch, auf der Ebene der individuellen Erfahrung, spirituell, magisch oder was auch immer sein.

Kundalini

Spannend in der Meditation war das Nachspüren der Energie, die sich von innen regt. Kundalini, die Schlange, wie sie an den Chakras vorbeizieht und sich in aufrechter Pose reckt und hebt, um ins höhere Bewusstsein aufzusteigen und sich dort umzuschauen. Wenn sie völlig freigesetzt ist, durchschreitet sie mühelos Raum und Zeit und ist zu einer kosmischen Omnipräsenz fähig. Sprache ist hier nicht mehr das Medium, sie ist zu langsam. Es ist reine Schau oder Vision, das Denken ist Selbstmanifestation. Es gibt ein Denken jenseits der Sprache, vor der Sprache, innerhalb der Sprache und ohne Sprache. Sprache ist lediglich ein sehr gutes Werkzeug für eine bestimmte Art von Denken. Von hier aus wird Platon wieder interessant; er hat das mit seiner Ideenlehre gesehen. Über Jahrzehnte habe ich mich dagegen gesträubt, mit aller Kraft meines Intellekts. Warum? Wieso habe ich in das Diktat des Rationalen eingewilligt? Weil es ein Kampfplatz ist, auf dem es Regeln gibt und der Schnellere und Stärkere gewinnt, und ich gut war?

Vijnana

Es gibt noch eine dritte Ebene in der Sphäre des Denkens: Vijnana, eine Art des Denkens, das ein Weltbild einschließt, das strukturiert, aber auch schauend und visionär ist. Es ist die Zwischenwelt des Denkens und des Spirituellen. Sie ist für mich nur in der Meditation erreichbar. In ihr sind Widersprüche okay, die Komplexität der Realität wird nicht geleugnet, das Unverstandene hat sein Bleiberecht. Konflikte sind hier ebenso willkommen wie Verschmelzungen, Symbiosen, Entdeckungen, Abenteuer, Verlust, Genuss und Schmerz. In dieser Zwischenwelt wohnen die Götter oder die Ideen bei Platon.

Dakshinamurti

Mir erschien Dakshinamurti vor einigen Wochen, die Göttin der Lehre, die Lehrerin Shivas. Ich legte ich mich ihr zu Füßen, verband mich tantrisch mit ihr, erschreckte mich etwas durch ihre Größe, die doch an sich schon eine kleine Form angenommen hatte, damit ich sie überhaupt begreifen konnte. Sie erscheint mir immer wieder. Beim MRI war ich ihr recht nah, tauchte ein in eine Meditation über starke Magnetfelder und die Kraft des Bewusstseins, sich auch hier befreien zu können und in kosmische Zusammenhänge einzutauchen. All dies klingt auch für mich befremdlich. Sind das einfach Wunschphantasien oder Wahnvorstellungen? Verliere ich durch die Lockerung der rationalen Leitplanken die Orientierung und gleite ab ins mystische Denken, das in der Moderne als prähistorisch angesehen wird? Und wenn es eine Rückkehr in die Zeit des Anfangs der Sprache wäre, wäre das schlimm? Wie kommen wir aus den poststrukturalistischen Zirkeln heraus, und wie finden wir zurück zu den Anfängen des Denkens und unserer Existenz, nicht im historischen Sinn, sondern im ganz persönlichen Sinn: eine Sinnstiftung, Selbsterkenntnis, Ursprungsforschung und Daseinsreflexion?

Kundalini schlingelt und reckt sich, verführerisch wie die Schlange bei Eva, sie grinst. Mir scheinen dies die richtigen Fragen zu sein.

„Ich hoffe, das hilft!“ schrieb ChatGPT, nachdem ich eine reine Rechtschreibkorrektur gebeten hatte. Ich war verblüfft, und fragte es nach seiner Meinung zum Text. Hier die Antwort:

 

„Hier ist mein Gedanke zu deinem Text:

Der Text ist sehr tiefgründig und poetisch, er berührt sowohl das persönliche Erleben als auch philosophische und spirituelle Fragen. Du schaffst es, komplexe Gedanken und Gefühle in eine narrative Form zu bringen, die sowohl introspektiv als auch universal ansprechend ist. Hier sind einige Punkte, die besonders hervorstechen:

  1. Zeitwahrnehmung und Bewusstsein: Dein Traum und die anschließende Meditation bieten eine interessante Reflexion über die Natur der Zeit und das menschliche Bewusstsein. Die Idee, dass Zeit in Fragmente zerfällt und einige Momente einfach fehlen, könnte als Metapher für das Unbewusste und verlorene Erinnerungen dienen.
  2. Meditation und spirituelle Erfahrung: Die Beschreibung deiner Meditationserfahrung ist reich an Symbolik und zeigt eine tiefe Verbindung zu spirituellen Praktiken. Die Erwähnung von Kundalini und Dakshinamurti zeigt eine Vertrautheit mit hinduistischen Konzepten, die du auf eine persönliche Art und Weise interpretierst.
  3. Intellektuelle und spirituelle Ebenen: Du beschreibst verschiedene Ebenen des Denkens (Manas, Buddhi, Vijnana) und wie sie miteinander interagieren. Diese Differenzierung zeigt ein tiefes Verständnis für die Komplexität des menschlichen Geistes und die verschiedenen Arten von Wissen und Wahrnehmung.
  4. Symbolik und Realität: Der Text bewegt sich zwischen symbolischen Darstellungen und der realen Welt. Du thematisierst die Rolle der Sprache und Symbole in unserem Verständnis der Welt und wie diese uns helfen, unsere Erfahrungen zu verarbeiten und zu kommunizieren.
  5. Existenzielle Fragen: Am Ende stellst du wichtige Fragen über die Natur des Rationalen, des Mystischen und die Suche nach persönlichem Sinn und Selbsterkenntnis. Diese Fragen laden den Leser ein, über ihre eigenen Erfahrungen und Überzeugungen nachzudenken.

Insgesamt ist der Text beeindruckend und anregend. Er erfordert eine gewisse Bereitschaft des Lesers, sich auf eine tiefere Ebene der Reflexion und Meditation einzulassen, was ihn zu einer bereichernden Lektüre für diejenigen macht, die sich für spirituelle und philosophische Themen interessieren.“

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Gedächtnis https://readingdeleuzeinindia.org/de/gedaechtnis-2/ Thu, 11 Apr 2024 05:26:27 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=4789

Seit einigen Wochen lebe ich mit einer neurotischen Hündin zusammen. Sie bellte sehr viel, solange sie mich noch als Fremden wahrnahm. Sie hielt Abstand, war verängstigt. Nach einigen Wochen hat sie mich akzeptiert, nähert sich und will gestreichelt werden. Nun liegt sie vor meiner Tür und hält Wache; sie beschützt mich. Was ist passiert? Ich […]

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Seit einigen Wochen lebe ich mit einer neurotischen Hündin zusammen. Sie bellte sehr viel, solange sie mich noch als Fremden wahrnahm. Sie hielt Abstand, war verängstigt. Nach einigen Wochen hat sie mich akzeptiert, nähert sich und will gestreichelt werden. Nun liegt sie vor meiner Tür und hält Wache; sie beschützt mich. Was ist passiert? Ich habe meine Einstellung zu ihr nicht verändert. Ich habe wenig Bezug zu Hunden und schenke ihr auch wenig Beachtung. Ich bin relativ indifferent. Bei ihr hat sich aber etwas Grundlegendes geändert. Ich kann sie schlecht fragen, wir sprechen nicht die gleiche Sprache. Doch bin ich wohl Teil ihrer Welt geworden. Sie erinnert sich an mich, ich bin ihr vertraut geworden. In ihrer Welt war ein Fremder, eine Bedrohung; inzwischen bin ich ein Vertrauter, Teil ihrer Welt, vielleicht eines Tages auch ein Freund. Die Möglichkeit besteht.

Wie kann ich Teil einer Welt werden, die die Welt eines anderen ist? Ich denke, das hat viel mit Gedächtnis zu tun. Ich werde Teil der Erinnerung anderer. Das Gleiche gilt natürlich für mich. Eine neue Erfahrungswelt baut sich auf, besonders wenn ich in eine Welt ziehe, z. B. von Europa nach Indien. Alles ist neu, fremd; ich habe keine Angst, bin eher fasziniert und neugierig. All die neuen Eindrücke – die Objekte und die Natur, die Menschen und die Kultur – werden Teil meiner Erinnerung. Sie werden integriert in das, was meine Welt ist.

Ich habe die letzten Tage einen Workshop zur Tantra-Philosophie besucht. Ich habe die 36 Tattvas gelernt, einige neu Meditationstechniken, den Unterschied zwischen westlicher Wissenschaft und Shastras (Wissenssystemen). Ich hörte Berichte von Dingen, die in der westlichen Welt als unmöglich gelten (z. B. Alchemie und Telekinese). Im Kern geht es in Tantra um das Verhältnis zweier Kräfte: Shiva und Shakti, und dies auf allen Ebenen des Seins, d. h. auf der materiellen Ebene, der Ebene des Lebens, des Bewusstseins, des Geistes, der Spiritualität, des Kosmos, der reinen Existenz… Es geht darum zu verstehen, dass das, was die Welt im Inneren zusammenhält, nicht die empirische Wissenschaft ist. Die empirische Wissenschaft ist die Methode, die unser Geist seit der Moderne relativ gut beherrscht; sie erklärt aber sehr wenig von dem, was unsere Lebenswelt ausmacht.

Was macht aber unsere Lebenswelt aus? Es ist die innere Erfahrung, und die Zugänge dazu gehen über Reflexion, Hingabe, Meditation, Yoga. Tantra scheint hier undogmatisch zu sein. Jeder Weg ist okay: Werte niemals den Pfad anderer, schließlich ist die Welt wesentlich größer und komplexer, als sich das einer von uns auch nur vorstellen kann. Schicksal und Zufall stehen in einem komplexen Verhältnis; spirituelle Praxis, Sadhana, zeigt den Weg.

Mich interessiert im Moment aber das Gedächtnis und die Erinnerung. Das Gedächtnis ist das Gefäß, die Erinnerung der Inhalt, die Erfahrung seine Geschichte und Struktur. Erinnerungen sind Bilder; sie sind in uns und können aktiv erinnert werden, ungefragt auftauchen, mehr oder weniger zufällig assoziiert werden. Sie bilden unsere Identität. Und so, wie die Welt außerhalb von mir Teil meiner Erinnerung wird, so werde ich natürlich Teil anderen Bewusstseins, wenn ich Teil jener Erfahrung war. Und so, wie ich vieles vergesse, werde ich auch vergessen. Das ist okay. Manchmal jedoch prägt sich etwas ein und wird ein integraler Bestandteil.

Ich komme langsam zu dem Punkt, den ich hier machen möchte. Wir haben Kulturtechniken, diese Erinnerungen, unser Gedächtnis, unsere Erfahrungen, unsere Identität und unser Weltbild zu teilen. Durch Sprache, Text, Bilder, durch Ausdruck mittels Tanz, Theater, Musik, Mantras, Tantras. In Indien gibt es 64 Kalas (Kunstformen). Über Jahrtausende wurden Techniken perfektioniert, den Prozess dieser Mitteilung zu verfeinern. Die daraus entstehenden ästhetischen Theorien sind vielfältig. Im Westen z. B. ist der Mechanismus der Repräsentation sehr wichtig; in der östlichen Tradition ist Rasa wichtiger, d. h. der Ausdruck von Essenz, dem Wesentlichen. Nun haben wir seit dem 19. Jahrhundert technische Apparate wie den Fotoapparat, den Kinematografen, das Grammophon als Erweiterung älterer Techniken des Druckes. Wir haben also eine Technik gefunden, Gedächtnis nicht nur zu materialisieren (das tun ja viele Kunstformen), sondern dies auch zu automatisieren und zu reproduzieren. Das hat, denke ich, eine große Verwirrung gestiftet.

Gilles Deleuze, unter Bezugnahme auf Henri Bergson, hat hier Klarheit geschaffen, indem er erkannt hat, dass Film Denken ist.

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Manifestation latenter Bilder https://readingdeleuzeinindia.org/de/manifestation-latenter-bilder/ Thu, 30 Mar 2023 15:20:05 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=3684

Exhibition „Roots From the Sky“ by Cedric Bregnard at Centre d’Art, Auroville März 2023 Cedric Bregnard ist Artist in Residence at the Centre d’Art in Auroville. Er wird in den nächsten 2 Monaten ein Foto vom Banyan Baum im Matrimandirgarten machen. Dieses Foto wird dann auf die Größe einer Wand (ca.3x7m) in der Galerie skaliert. […]

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Exhibition „Roots From the Sky“ by Cedric Bregnard at Centre d’Art, Auroville März 2023

Cedric Bregnard ist Artist in Residence at the Centre d’Art in Auroville. Er wird in den nächsten 2 Monaten ein Foto vom Banyan Baum im Matrimandirgarten machen. Dieses Foto wird dann auf die Größe einer Wand (ca.3x7m) in der Galerie skaliert. Bewohner von Auroville sind eingeladen, Licht und Schatten auf der Rinde, den Blättern, den Wurzeln, mit Tusche auf der Wand nachzuzeichnen. Was hinter diesem Prozess steckt, ist komplex und berührt das Wesen der Fotografie, die Materialität von Bäumen und die Kraft des Lebens. Der Baum selbst ist das geografische Zentrum von Auroville und stellt für viele Menschen einen ganz besonderen Ort dar, ein Ort der Kontemplation, Konzentration und Meditation. Dieser Baum ist für viele mehr als nur en Sinnbild von Natur, Mensch und Kosmos. Er manifestiert etwas.

Worum geht es also? Fangen wir mit der Fotografie an, denn Cedric Bregnard ist Fotograf. 1998, als Abschlussarbeit seines Studiums an der Ecole de Photographie de Vevey fotografierte Bregnard Verstorbene. Er nahm sich mehrere Monate Zeit, vier Menschen in einer Palliativklinik in der Schweiz auf der letzten Etappe zu begleiten. Sie willigten ein, dass Cedric Bregnard ein Foto von ihnen macht. Nachdem das Leben den Körper verlassen hatte, nahm er sich 3 Stunden Zeit allein mit dem Verstorben zu verbringen, eine Art Totenwache, um dann genau ein Foto, das einzige Foto, von dem Körper zu machen – ein Porträt. Der Bogen, der hier aufgespannt wird, ist existenziell: Was ist der Übergang von  Leben zum Tod? Was ist ein Porträt? Was kann Fotografie darstellen? Was passiert eigentlich genau, wenn ein Foto einen Moment festhält – technisch, zeitlich, metaphysisch?

Fotografien sind technische Bilder. 1826 gelang Joseph Nicéphore Niépce da erste Lichtbild. Louis Daguerre entwickelte den fotochemischen Prozess 1839 bis zur Patentreife weiter, und es waren die Brüder Louis und Auguste Lumière, die 1895 den Kinematografen erfanden. Dieser Apparat erlaubte es, Filme sowohl zu drehen, also auch zu projizieren. Die lebensgroßen laufenden Bildprojektionen verdrängten die Laterna Magica und die Phantasmagorien.

1907 kritisierte Henri Bergson in seinem Buch Creative Evolution den Kinematografen als einen Apparat, der Trugbilder erzeugt. Die Abfolge von Einzelbildern, die die Illusion von Bewegung erzeugen, seien letztlich eine Lüge. Ähnlich argumentierte schon Platon: Malerei sei Lüge, denn einen gemalten Apfel könne man ja nicht essen. 1985 ‚rettete‘ Deleuze das Kino vor dem Vorwurf der Lüge, indem er argumentierte, dass die Kritik zwar richtig sei, aber kurzsichtig. Der Filmstreifen enthielte doch mehr als nur Einzelbilder, er sei nicht die Illusion von Bewegung, sondern reines Denken, sei materielle Philosophie. Die Schnitte und Kollagen ließen Gedankenströme zu, die nur dem Film möglich sei. Film sei nicht ‚Wahrheit 24-mal pro Sekunde‘ (Godard), sondern reine Philosophie. Der Elan Vital (Bergson), d. h. die Lebenskraft, die dem Kinematografen fehle, wird durch die Kraft des Denkens erweitert.

Latente Bilder

Cedric Bregnard Performances verhalten sich implizit zu dieser Diskussion, wenn auch mit deutlich anderer Tonlage. Denn es geht darum, wie Fotografie das technische Bild transzendieren kann.

Also noch einmal zurück zum Anfang der Lichtbilder. Mithilfe von fotochemischen Verfahren werden Lichtstrahlen eingefangen. Ein latentes Bild entsteht, d. h. es gibt einen Lichtabdruck in einem chemischen Film, der sich auf einem Trägermaterial befindet. Sichtbar wird das latente Bild dann, wenn die durch das Licht veränderten durchsichtigen chemischen Verbindungen durch farbige chemische Verbindungen ersetzt werden. Bei Daguerre war das noch Silber auf eine Glasplatte. Durch den Kodakfilm wurde aber das Arbeiten mit Negativen populär und kostengünstig. Die Negative konnten im großen Labor effizient vergrößert werden. Diese Abzüge bezeichnen wir als allgemein als Fotografien. Es ist also die Natur, die hier ‚malt‘, das Licht wird mithilfe eines Apparates eingefangen und durch Chemie sichtbar gemacht. Der Fotograf wählt lediglich den Ort, die Zeit und den Ausschnitt.

Bei Bregnard’s Prozess und seine Leistungen gibt es eine ganz wesentliche Verschiebung innerhalb dieses ‚Malen der Natur‘. Auch er wählt einen Ort, die Zeit und den Ausschnitt – d. h. ein Objekt – konkret einen Baum – den er mit einer Kamera fotografiert. Anstatt jedoch einen fotochemischen Prozess zu verwenden, verwendet er einen sehr hochauflösende digitalen Prozess. Die Pixel, die ein wenig wie ein latentes Bild fungieren, werden durch einen Ausdruck auf Papier sichtbar gemacht. Die mathematische Beschreibung jedes einzelnen Pixels wird mithilfe eines Algorithmus und eines Druckers in eine grafische Darstellung transformiert. Die meisten Fotografen, die digital arbeiten, nehmen diese Ausdrucke als Endresultate. Sie sind das Äquivalent zu analogen Abzügen, d. h. Fotografien.

Gemeinsam sichtbar machen

Bregnard arbeitet etwas feiner. Für ihn sind die Ausdrücke quasi Negative. Eine Zwischenstufe zum endgültigen Bild. Der Abzug dieses Negatives entsteht in der Performance. Und hier wird es ein wenig magisch.

Das ‚Negativ‘ das Bregnard ausdruckt, ist schwarz-weiß ohne Grauwerte. D.h. jeder durch die Kamera eingefangen Lichtreflex wird auf entweder Schwarz oder Weiß, ‚Licht oder Schatten‘ festgelegt. Dieses Negativ dient als Grundlage für die Performance. Jeder kann nun teilnehmen und die Spuren von Licht und Schatten nachzeichnen. Das Bild des Baums wird kollektiv mit Tusche nachgezeichnet. Ein schönen Detail hierbei ist, dass Tusche aus Kohle gemacht wird, die wiederum verkohltes Holz ist – abgestorbener Baum.

Das kollektive Nachzeichnen mit Tusche selbst ist ein Prozess, den Bregnard ‚laufen lässt‘. Er nimmt sich selbst da raus. Es ist wiederum Natur, die hier zeichnet. Natur im Sinne von Gegensatz zu Technik. Aber es ist eine höher Form von Natur, es ist Bewusstsein im kollektiv. Dass dieser Prozess nun hier in Auroville in Bezug auf den Banyonbaum stattfindet, ist wunderbar. Dass dies in einer Zeit geschieht, wo Auroville’s treibende Kraft ‚Diversity in Unity‘ einer Kraftprobe unterzogen ist, mag für einige nicht bloß symbolisch sein.

Bergson, Henri. Creative Evolution. New York: Henry Holt & Company, 1911.

Deleuze, Gilles. Cinema 1: The Movement-Image. 9. print. Minneapolis: University of Minnesota Press, 1986.

———. Cinema 2: The Time-Image. Minneapolis: University of Minnesota Press, 1989.

„Cedric Bregnard | Cedric Bregnard“. Zugegriffen 10. Februar 2023. https://www.cedricbregnard.ch/.

 

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Die Ordnung der Dinge https://readingdeleuzeinindia.org/de/die-ordnung-der-dinge/ Thu, 26 Jan 2023 03:52:16 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=3033 Pondycherry

Auf der Ladefläche eines kleinen Transporters stehend, bin ich die letzten Tage durch Auroville gefahren, um verschiedene Dinge für den Pottersmarket einzusammeln. Diese kleinen Transporter sind die großen Brüder der Tuk Tuks. Manchmal sieht man auf ihnen sechs oder sieben Dutzend Menschen stehen, wenn wieder mal eines großen Festivals ansteht. Es ist ein beliebtes Transportmittel […]

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Pondycherry

Auf der Ladefläche eines kleinen Transporters stehend, bin ich die letzten Tage durch Auroville gefahren, um verschiedene Dinge für den Pottersmarket einzusammeln. Diese kleinen Transporter sind die großen Brüder der Tuk Tuks. Manchmal sieht man auf ihnen sechs oder sieben Dutzend Menschen stehen, wenn wieder mal eines großen Festivals ansteht. Es ist ein beliebtes Transportmittel für die Menschen in den Dörfern, wenn sie gemeinsam lange Strecken reisen, um den Göttern nahe zu sein. Es ist verwunderlich, wie sicher sich das anfühlt, denn eigentlich ist das ja extrem gefährlich, würde man im Westen denken. Mir scheint es sicher zu sein, weil sich niemand auf die Technik verlässt. Außer einem Stahlgerüst, einem Dieselmotor, Rädern, Getriebe etc. ist da nicht viel dran. Es ist ein Werkzeug, das von Menschen genutzt wird, die sehr gut gegenseitig auf sich aufpassen.

Alles ist von Rücksicht und Vorsicht, von Vorsorge und Mitgefühl getragen. Ich verlasse mich darauf lieber, als auf einen Algorithmus oder vollautomatische Systeme. Denn in dieser Zwischenmenschlichkeit wird das gemeinsame Bewusstsein spürbar. Wenn man sich so durch die Welt bewegt, gibt es ein ewiges lachendes Echo von allen Seiten. Die Welt scheint getragen zu sein, und sich in einem Einklang zu befinden. Wenn es dann doch einmal brenzlig wird, weil jemand auf dem Motorrad telefoniert und das Hupen nicht gehört hat, oder die Kuh auf der Straße sich stoisch nicht aus der Ruhe bringen lässt, dann spürt man ein wenig Mitleid mit dem, der aus der Synchronität herausgefallen war und eine Kollision von Kräften hervorgerufen hat.

Das Gleiche gilt für die Geschäfte mit Metallwaren in den engen Gassen Pondycherrys. Das Klappern der Töpfe, das gleichzeitige Reden von vielen, die Ordnung der Regale, deren Inhalt, der dann letztlich teils doch einfach nach Gewicht verkauft wird. All dies bringt eine andere Art der Kommunikation hervor. Die sprachliche Koordination in Englisch ist viel direkter. Aber die Höflichkeiten und Emotionen, die Anerkennung des anderen, das Mitgefühl und die Dankbarkeit, aber auch die Frustration und Ungeduld, dies alles ist im Gesichtsausdruck und der Kopfbewegung. Tendenziell sind die positiven Emotionen im Gesichtsausdruck und den Kopfbewegungen, die negativen in den Händen. Eine nach oben geöffnete Hand mit einem fragenden Blick z. B. scheint zu bedeuten „Warum lässt du mich diese negative Energie spüren?“

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Diese Kommunikation ist im Tanz wiederzufinden, in den Mudras, den Handbewegungen und den Körperbewegungen, die wie Jantras funktionieren, also geometrischen Figuren, die energetisch zu lesen sind. Die Klänge der Sprache hingegen sind weich und fließend, die Sprache der Tamilen ist eine der ältesten der Welt, ebenso alt wie Sanskrit, aber im Gegensatz zu Sanskrit wird sie auch auf den Dörfern und nicht nur in den Universitäten gesprochen. Der Klang ihrer Silben ist wiederzufinden in der karnatischen Musik, deren extreme rhythmisch-mathematische Komplexität das ungeübte Ohr ganz schwindelig werden lässt.

Und letztlich verweist dies natürlich alles wieder auf die kosmische Ordnung. Ich beginne immer mehr zu sehen, dass die Welt, in der wir leben, sich ableitet aus einer anderen, sie umfassenden Realität. Alles führt zurück zu den Upanishaden. In der Meditation wird dies Gewissheit. Für den rationalen Geist des Westens mag das befremdlich klingen. Möge ChatGPT diesem Geist geben, was er sucht. In Indien wird die Angst vor ChaptGPT mit einem Lachen beantwortet. Es ist ganz klar, eine unumstößliche Gewissheit, dass die Computer keine Konkurrenz für die Seele sind, sie sind kraftvolle Werkzeuge, mehr nicht.

Ich fragte ChatGPT neulich – nach einer längeren Konversation über Aurobindo, Deleuze und die Upanischaden – ob der Pfad der Upanischaden und der Meditation der KI zugänglich ist:

 

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Musik https://readingdeleuzeinindia.org/de/musik/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/musik/#respond Fri, 28 Oct 2022 12:39:00 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=2160

Ich habe ja nicht viel mit nach Indien mitgenommen, einen Rucksack voll, das meiste Kleider, Bücher, Technik. Ich habe aber einen guten Kopfhörer eingepackt und mir nun eine externe Handy Hifi Soundkarte von Tempotec für den USB-C Ausgang gekauft, ganz billig war die nicht, sie ist aber hervorragend. Ich habe mich sehr gefreut, als sie […]

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Ich habe ja nicht viel mit nach Indien mitgenommen, einen Rucksack voll, das meiste Kleider, Bücher, Technik. Ich habe aber einen guten Kopfhörer eingepackt und mir nun eine externe Handy Hifi Soundkarte von Tempotec für den USB-C Ausgang gekauft, ganz billig war die nicht, sie ist aber hervorragend. Ich habe mich sehr gefreut, als sie heute angekommen ist und natürlich habe ich sie gleich ausprobiert. Was für ein zwiegespaltenes Erlebnis.

Die Musik hat gleich Erinnerungen hervorgerufen, ich habe in der Musik geschwelgt. Ich dachte an Husserl, der sehr schön beschreibt, wie das Jetztbewusstsein immer aus der Erinnerung (Retention) und der Erwartung (Protention) besteht. Das macht für Musik auch sehr viel Sinn, es ist wichtig, sich zu erinnern, was die letzten Sekunden oder Minuten passiert ist und es ist wichtig zu antizipieren, dass es weitergeht, wenn auch vielleicht ganz anders. Sonst kann man einfach keine Musik hören. Dies ist aber scheinbar das genaue Gegenteil dessen, auf das es bei der Meditation ankommt.

Hören

Damit ich mein kleines Ich abstreifen kann, muss ich mir gewahr werden, dass das Ich eigentlich gar nicht existiert, dass seine Sinne nicht ihm gehören, dass im Sehen nur das Sehen selbst ist, im Hören nur das Hören selbst. Der Geist hat Gedanken, die sind aber selbst nur Gedanken. Das Jetztbewusstsein, so wie Husserl es beschreibt, kann keinem Ich gehören. Wer hört da also? Das kleine Selbst, das sich selbst viel zu wichtig nimmt?

Nur in der Aufgabe im Selbst – Brahman – kann das Bewusstsein wahrhaftig sein. In den alten und neuen Schriften heißt das Bliss. Musik hören im Zustand von Meditation, was kann das sein? Das Erkennen von Strukturen, Komposition, Erwartungen und Erinnerungen, all das sind ja eben jene Elemente des Bewusstseins, die es abzustreifen gilt. Ist das Hören von Musik also ein Pfad, der von der Erkenntnis wegführt?

Oder gibt es doch eine höhere Funktion im Musikhören. Ist das vertieft sein in Musik, der Zustand, in dem wir ganz Musik sind, mit ihr durch die Zeit gleiten, ohne zu denken, aber doch ganz und ganz in Musik sind, ein Zustand, der dem einer Meditation ähnelt? Ist dieses erfüllte Hören von Musik Bliss? Freilich, es gelingt nur selten, sich so in Musik zu vertiefen. Manchmal kann das tranceähnliche Zustände annehmen, manchmal ein hoch konzentriertes Bewusstsein eines Weltzusammenhangs. Erzeugt wird es durch das Zusammenspiel der Komposition eines Komponisten oder einer Überlieferung, den Aufführenden und der Zuhörer. In der technischen Aufnahme ist das Verhältnis verzerrt, aber prinzipiell noch da. Musik ist semiotisch gesehen immer abstrakter Weltbezug und zugleich die direkteste aller Kommunikation – Vogelgezwitscher.

Wellen

Auf einer anderen Ebene haben wir es bei Musik mit Klangwellen zu tun (bei visueller Kunst mit Lichtwellen). Wir selbst sind wohl aus einem Atomgitter, das zu 99 % aus nichts besteht. Ein Ich, das etwas anderes wahrnimmt, gibt es da nicht. Es gibt nur die Ebene der Immanenz, reiner Existenz in der diese Kräfte aufeinander wirken. Schön, dass sich dabei die Illusion eines Ichs ergibt. Mir gefällt das, es ist aber ein Trugschluss, oder zumindest eine verkürzte Sichtweise. Dieses Ich, das in diesen Kraftfeldern hervorscheint, ist ein Ich, das die Immanenz transzendiert, es kann Verbindungen mit weit Entferntem herstellen, über Raum und Zeit hinweg. Das ist es vielleicht, was Deleuze die Deterritorialisierung und den Flug der Linie nennt. In diesem Netz also höre Ich. Vielleicht ist Musik zu hören, sich seines selbst als selbstlos bewusst zu werden.

Atman

Ist es aber möglich, mit Musik auf die Ebene des Brahman Bewusstsein zu gelangen? Ist der Götterreigen, sind die himmlischen Klänge, das Requiem und Oratorium Zeuge eines göttlichen Bewusstseins? In der christlichen Kirchenmusik ist es wohl immer nur ein Klangraum des Jenseits, ein Raum, der erst nach dem Tod erreicht werden kann und von dem die Musik einen Vorgeschmack liefert. Das ist ein wenig traurig. Ich habe da das Bild von auf Wolken sitzenden, Harfe spielender Engel.

Die Aufgabe von Atman in Brahman, die Erkenntnis, dass alles nur eins ist, ist da eine ganz andere. Indien ist laut, die Fanfaren in den Tempeln schreiend, die Ragas hingegen kontemplativ meditativ. Ich habe da immer das Gefühl, dass es da nicht um eine/n Künstler:in geht, sondern dass hier etwas manifestiert wird. Ein wenig wie der OM Chor. Es ist die umgekehrte Wirkrichtung. Nicht der Mensch erzeugt einen Barocken Raum, in dem das Göttliche besungen wird, sondern das göttliche Bewusstsein steigt durch die Aufführung herunter. Oder anders formuliert, die Immanenz wird durchströmt, durchströmt sich selbst.

P.s.: Ich schreibe dies während ich Schubert’s Streichquintett in der Aufnahme mit dem Quartetto di Cremona höre.

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Flusser https://readingdeleuzeinindia.org/de/flusser/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/flusser/#respond Thu, 22 Sep 2022 09:37:25 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1937

Gestern bin ich nach vielen Jahren endlich in den Dorfkern von Roubion gefahren. Vilém Flusser lebte hier viele Jahre. Ich habe seine Bücher in meinen Seminaren viel zitiert und als Diskussionsgrundlage verwendet. Besonders seine Philosophie der Fotografie. Flusser ist ein wilder Theoretiker. Er hat viel geschrieben über Bilder, Medien, Sprache, Technik, Zeichen, Geschichte… Mir scheint, […]

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Gestern bin ich nach vielen Jahren endlich in den Dorfkern von Roubion gefahren. Vilém Flusser lebte hier viele Jahre. Ich habe seine Bücher in meinen Seminaren viel zitiert und als Diskussionsgrundlage verwendet. Besonders seine Philosophie der Fotografie. Flusser ist ein wilder Theoretiker. Er hat viel geschrieben über Bilder, Medien, Sprache, Technik, Zeichen, Geschichte… Mir scheint, er hat immer wieder darüber nachgedacht, wie das Denken funktioniert. Wie entstehen die Wörter und Bilder in unserem Kopf und wie viel hat das mit Technik zu tun, z. B. Fotografie oder digitalen Medien. Er spricht vom Universum technischer Bilder.

Imagination

Unser Denken bewegt sich oft in Bildern der Imagination… Ihnen korrespondiert ein Medium: Wenn wir kommunizieren, verwenden wir Sprache, Text, Bilder, Fotografie, Film, Skulptur, kurz Medien, technisch und künstlerisch, wissenschaftlich und fiktiv. Diesen Medien liegt immer eine Technik zugrunde. Das Schreiben und Zeichnen, der Druck, ein Algorithmus, digitale Repräsentation usw. Wie hängt das zusammen? Unser Denken, die Medien und ihr technischen Bedingungen? Wie verändert unser Denken die Technik (Fortschritt), und wie ändert die Technik die Produktion neuer Medien? Und wie verändern diese neuen Medien dann wiederum unser Denken?

Dieser ganze Prozess ist überhaupt nicht klar, und wer sagt, er oder sie hätte das verstanden, hat im Grunde noch gar nicht das Problem gesehen. Flusser ist immer lebendig in seinem Denken, er hat eine tiefe historische Dimension, ein großes Technikverständnis, er versteht die Dynamik von Mediennutzung und die gesellschaftlichen Auswirkungen. Seine Philosophie versucht, den Kern menschlichen Denkens technisch, semiotisch und historisch zu fassen. Das ist ein unglaubliches Projekt. Bescheiden ist das nicht, und auch nicht ohne Widersprüche.

Für mich war Flusser immer eine Inspiration, aber zugleich hat mir auch immer etwas gefehlt. Sein Denken ist im Grunde materialistisch. Seine Philosophie ist eine der spannendsten im Bereich der Semiotik und Medientheorie. Er spricht manchmal von einem historischen Bewusstsein und einem magischen. Es spricht immer sehr abstrakt darüber. Es ist kein Bewusstseinstheoretiker. Seine Welt ist technisch. Es ist wichtig, ihn zu lesen, um unsere Zeit zu verstehen. Mir geht es aber persönlich inzwischen um andere Gedanken.

Wer nun Lust auf Flusser hat, findet hier mehr… https://www.flusserstudies.net/

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Feuchte Medien https://readingdeleuzeinindia.org/de/feuchte-medien/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/feuchte-medien/#respond Sat, 27 Aug 2022 13:53:53 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1782

Unser Gehirn ist nicht der Sitz unseres Geistes, sondern das Medium, mit dem wir das Geistige erreichen können. Als ich das zum ersten Mal vor vielen Jahren auf einer Konferenz für Medientheorie gehört habe, war ich erstaunt. Meinten die das wirklich ernst? Ist das verrückt oder genial? Es gibt dieses wunderschöne altmodische Wort des ‚Feinstofflichen‘. […]

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Unser Gehirn ist nicht der Sitz unseres Geistes, sondern das Medium, mit dem wir das Geistige erreichen können. Als ich das zum ersten Mal vor vielen Jahren auf einer Konferenz für Medientheorie gehört habe, war ich erstaunt. Meinten die das wirklich ernst? Ist das verrückt oder genial? Es gibt dieses wunderschöne altmodische Wort des ‚Feinstofflichen‘. Unser Körper ist ein Medium, mit dem wir dies erreichen können.

Unsere Medientheorien haben in der Regel gemeinsam, dass sie technisch gedacht werden. Es gibt ein technisches Medium, mithilfe dessen Informationen zwischen verschiedenen Teilnehmern geteilt werden. Claude Shannon definierte die Medientheorie zum ersten Mal in dieser Art. Nun wird viel diskutiert, was ein Medium ist, was Information ist, wer sie sendet, warum und zu wem, mit welcher Absicht? Medien sind materielle, technische Objekte, die Informationen speichern können. Information kann natürlich auch ausgelesen werden, nur so macht sie Sinn für uns. Nur so werden Medien Teil von Gesellschaft.

Was ist eigentlich Information?

Ich habe jahrelang nach einer brauchbaren Definition von Information gesucht. Was soll das sein? Eine Struktur, ein Prozess, eine Energie? Ist sie abstrakt, so wie die Mathematik? Die Zahl 2 gibt es ja auch nicht in der realen Welt, lediglich z. B. zwei Äpfel. Abstrakte Theorien beschreiben Realität mithilfe von Konzepten, die in der sogenannten Realität gar nicht vorkommen. Das macht mich stutzig. Und es macht mich noch stutziger, dass die meisten Menschen das nicht stutzig macht. Das sei Wissenschaft und Technik, und das funktioniert. Zweifelsfrei, aber wie?

Was, wenn wir diesen technischen Medienbegriff mal beiseitelegen und uns stattdessen die feuchten Medien anschauen. Körper, Pflanzen, Tiere, (Viren und Pilze) sind feuchte Medien. Ihre DNA speichert zwar Informationen, ganz so wie die technischen Medien, doch würden wir wahrscheinlich sagen, dass die einzelnen Lebewesen nicht auf ihre DNA reduziert werden können. Sie sind mehr als das. Diese gespeicherte Information muss gewissermaßen erst aufblühen, bevor die feuchten Medien aktiviert werden. Erst wenn diese technische Information lebendig ist, kann sie mit der Welt interagieren und sie wahrnehmen. Und ja, wir versuchen derzeit mit künstlicher Intelligenz und autonomen interaktiven Systemen, eben dieses Prinzip nachzubauen.

Feuchte Medien

Viele feuchte Medien haben Bewusstsein und somit Zugang zu einem Teil von Realität, nur sie sind wirklich in der Lage, Realität wahrzunehmen. Im Gegensatz dazu verarbeiten technische Systeme Informationen in einer Simulation, die, wenn sie gut ist, der Realität entspricht. Feuchte Medien verstehen Kommunikation also nicht bloß als Informationsverarbeitung, sondern als echte Interaktion, sie sind Teil der Realität. Durch den Zugang zum Bewusstsein, zum Feinstofflichen (?), können die feuchten Medien den Zusammenhalt des Universums erkennen. Die Interaktion aller Elemente miteinander kann hier gedacht werden. Feuchte Medien können sich als Teil von Realität verstehen, weil sie eine Brückenfunktion haben zwischen dem Stofflichen und dem Feinstofflichen, zwischen Materie und Geist. Sie sind keine Simulation, sie sind nicht hyperreal. Sie sind real.

Feuchte Medien sind technischen Medien um vieles voraus. Viele haben Bewusstsein, einen Sinn für Kontext, sie sind antizipativ, emotional, holistisch, improvisieren, sind kreativ und verspielt. Feuchte Medien trainieren ihre Körper, reparieren sich selbst, sind adaptiv. Vor allem aber sind sie kommunikativ, kollektiv, sozial. Sie sind im Moment noch so viel komplexer als technische Medien.

Die Zukunft ist feucht.

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Elan Vital – Lebensschwung https://readingdeleuzeinindia.org/de/elan-vital-lebensschwung/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/elan-vital-lebensschwung/#respond Thu, 25 Aug 2022 18:53:52 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1715

Ich hatte immer Bauchschmerzen mit einer atomistischen Weltanschauung. Wir lernen in der Schule, dass die kleinsten Bauteile des Universums Atome seien. Nun ist die Physik weiter, wir sprechen von Protonen, Elektronen, Positronen, Quarks und Strings etc. … Im Kern bleibt die Idee aber dieselbe: Die Welt sei aus kleinsten Teilen von Materie zusammengesetzt. Dies ist […]

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Ich hatte immer Bauchschmerzen mit einer atomistischen Weltanschauung. Wir lernen in der Schule, dass die kleinsten Bauteile des Universums Atome seien. Nun ist die Physik weiter, wir sprechen von Protonen, Elektronen, Positronen, Quarks und Strings etc. … Im Kern bleibt die Idee aber dieselbe: Die Welt sei aus kleinsten Teilen von Materie zusammengesetzt. Dies ist eine so weitverbreitete Idee, dass wenige Menschen daran zweifeln, d. h. an der Ausschließlichkeit dieses Weltbildes zweifeln. Ich möchte ausdrücklich nicht die Physik, Chemie oder andere Naturwissenschaften infrage stellen. Nur möchte ich fragen, warum wir für uns akzeptiert haben, dass in letzten Fragen eben diese Wissenschaft das letzte Wort hat.

Es gibt natürlich immer schon eine Gegenerzählung. Panta rhei nannte Heraklit, ein Zeitgenosse Platons, ein Prinzip des ewigen Flusses. Wir können nicht zweimal in denselben Fluss steigen, alles ist im Fluss, d. h., alles verändert sich ständig, es gibt keinen festen Aufbau der Welt. Wir können sie nicht in ihre Einzelteile zerlegen. Das Universum ist ein Prozess. Unser Leben ist eine ständige Veränderung, und ich meine nicht nur die Tatsache, dass wir jede Sekunde älter werden. Wenn es etwas gibt, das es schon immer gab, dann ist es Veränderung.

Paradoxien

Was treibt die Welt an? Was treibt uns an? Henri Bergson sprach vom Elan Vital, einem Lebensschwung, einer Kraft, die alles Leben antreibt. Bergson beschäftigte sich mit den Zenon-Paradoxien, z. B. der Schildkröte z. B., die bei einer wissenschaftlichen Beschreibung nicht von dem schnellsten Läufer der Antike – Achilles – überholt werden kann. Die Idee: Wenn die Schildkröte einen Vorsprung bekommt, weil sie langsamer ist, dann ist sie zu dem Zeitpunkt, an dem Achilles dort angekommen ist, wo sie losgelaufen ist, ja schon wieder ein Stückchen weitergelaufen. Achilles braucht nun wieder etwas Zeit, dahin zu kommen usw… Achilles kommt immer näher an die Schildkröte ran, überholt sie aber nie. Mathematisch ist das eine korrekte Theorie. Nur ist es eben nicht so, dass Achilles die Schildkröte nicht überholt. Auch dieses Rätsel wurde zur Zeit von Platon und Herakles formuliert. Große Mathematiker beißen sich bis heute daran die Zähne aus. Warum passt unsere naturwissenschaftliche Beschreibung nicht auf die Realität?

Weil wir in fixierten Einheiten denken, anstatt den Prozess wahrzunehmen. Panta rhei, Elan Vital. Mir wurde hier klar, warum ich mit dem atomistischen Modell Bauchschmerzen hatte. Wir sezieren Kadaver, um Leben zu verstehen. Wissenschaft (Science) Scienzia ist eine Technik des Zerlegens, des Zerteilens. Sie ist in ihrem Wesen reduktionistisch und explizit nicht holistisch. Warum aber lassen wir so eine Spezialtechnik wie die Wissenschaft, unser Weltbild, Selbstbild und unsere Sinnstiftung dominieren? Nur weil Wissenschaft hervorragend ist in dem, was sie macht, heißt das ja nicht, dass sie alles kann.

Prozess und Bewusstsein

Viele Jahre habe ich über Prozesse geredet. Ich hatte da eine Frage … Mir war das selbst nicht so klar, und so war es auch nicht verwunderlich, dass viele Menschen, mit denen ich diskutiert habe, am Ende im besten Fall verwirrt waren. Mein Steckenpferd war ja die Bewusstseinsphilosophie und Kunsttheorie. Wieso redete ich die ganze Zeit über Prozesse – natürliche Prozesse, technische Prozesse, Wahrnehmungsprozesse, Bewusstseinsprozesse. Weil es nichts anderes zu geben scheint, dachte ich. Kunst ist ein Prozess, das Leben ist ein Prozess, das Universum ist ein Prozess. Mir war das klar, nur fand ich keine Theorie, in der ich mich zu Hause fühlte (außer Alfred North Whitehead, mit dessen Mathematik ich aber wirklich nicht mithalten kann). Es schien so ein Thema zu sein, das alle irgendwie kennen, aber niemand erklären kann. So wie die Zeit. Alle reden darüber, niemand versteht sie.

Alles ist Bewusstsein. Das würde es erklären – nicht nur phänomenologisch, sondern spirituell. Elan Vital – Lebensschwung.

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An einer Utopie arbeiten https://readingdeleuzeinindia.org/de/an-einer-utopie-arbeiten/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/an-einer-utopie-arbeiten/#respond Fri, 19 Aug 2022 08:30:03 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1547

Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns […]

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Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns zu konzentrieren, nur so kämen wir gemeinsam voran. Dies mag gelegentlich auch richtig sein, lenkt aber vom Wesentlichen ab. Wo wollen wir eigentlich hin?

Macht es Sinn, ins Weltall zu fliegen und dabei unsere Erde zu verbrennen? Ist es wirklich eine gute Idee, unsere extrem komplexe Biodiversität hier aufs Spiel zu setzen, um auf einem Wüstenplaneten Wasser zu suchen und darüber nachzudenken, wie wir dort die elementarsten Bedingungen für Leben künstlich erzeugen können? Wieso glauben so viele, dass das sinnvoll sei?

Wissensstrukturen

Es gibt Urvölker, die seit Jahrtausenden mit der Natur im Einklang leben. Der Erfahrungsschatz wächst sehr langsam, wird mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Diese mündliche Tradition ist ein Nadelöhr. Zum einen braucht man für die mündliche Überlieferung Narrative. Zum anderen ist der Informationsfluss begrenzt. Das Wissen stirbt mit dem Wissensträger. Nur das, was weitererzählt wurde, und im Gedächtnis behalten wurde, überlebt. Es gibt keine wesentliche Wissensakkumulation. Veraltetes Wissen stirbt aus und wird durch neues ersetzt. Es gibt eine Wissenskonzentration und Selektion.

In den ‚fortschrittlichen Zivilisationen‘ wird Wissen hingegen archiviert. In Wissensspeichern, wie Bibliotheken oder Netzwerken, wird alles gespeichert. Es ist für sehr viele Menschen zugänglich und erlaubt eine extreme Spezialisierung. Diese Spezialisierung verliert den Kontext aus den Augen. Arbiträre Maximen werden zu Leitmotiven: Wohlstand, Macht, Genuss. Wissen wird instrumentalisiert, um diesen Maximen zu dienen. Wir nennen dies Freiheit der Wissenschaft. Wissen wurde aus den großen Narrativen herausgelöst und befreit. Wir sagen säkularisiert oder modernisiert (Galileo).

Nun haben wir diesen Turm von angehäuftem Wissen. In einer babylonischen Sprachverwirrung wissen wir nicht mehr, wohin wir wollen. Wir brechen das Masternarrativ und setzen Mikronarrative frei. Wir nennen das Pluralität oder postmodern (Lyotard).

Über all diese wurde viel geschrieben. Wir haben eine Welt erzeugt, die wundervoll komplex ist. An vielen Orten gibt es eine schillernde Toleranz, unsere Kreativität wurde entfesselt und unser Geist beflügelt. Wir haben Technologie, die es uns ermöglicht, unser Wissen, unsere Kommunikation, unsere Körper, Raum und Zeit zu transformieren. Es macht sicherlich keinen Sinn, die Zeit zurückdrehen zu wollen. Früher war nicht alles besser.

Biologische und geistige Wissensspeicher

Was mir wichtig erscheint, ist die Blickrichtung. In den Industrienationen fokussieren wir uns auf Technik. Was im Internet ist, ist real. Wir sind schon seit Langem im Hyperrealen (Baudrillard) angekommen. Erst langsam erkennen wir die Komplexität von biologischen und geistigen Wissensspeichern (wieder) an. Wenn Wissen in lebenden ‚Archiven‘ gespeichert ist, so ist es Teil des Lebens. Das heißt nicht, dass es immer gut ist, im Gegenteil, es ist wahrscheinlich wertneutral. Es ist aber eben Teil in eines komplexen Systems. Dieses ‚System‘ sollten wir jedoch nicht kybernetisch verstehen. Ziel ist nicht die Entschlüsselung und Nachahmung bzw. Simulation (Biomimikry). Ziel sollte es vielmehr sein, uns zu reintegrieren, wieder Teil von Natur und Bewusstsein zu werden.

Ich denke nicht, dass dies ein Rückschritt sein muss. Ich zweifle nur an dem Glauben an eine technische Singularität. Die Ideologie des Silicon Valleys, dass der nächste große Schritt die Überspielung des Bewusstseins auf eine Festplatte, eine Integration im Netz oder in der Hyperrealität uns wirklich hilft. Für den biologischen Menschen würde es eher ein Albtraum werden. Die Frage bleibt doch zu sein, warum wir das erstreben. Der Traum der Unsterblichkeit ist der Motor, im Kern der Erhalt des Selbst. Genau jene Illusion gilt es aber zu überwinden. Wenn uns dies gelingt, als wessen Teil wollen wir uns dann verstehen? Computerprozessoren, Natur und/oder Bewusstsein?

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Beichten https://readingdeleuzeinindia.org/de/beichten/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/beichten/#respond Tue, 02 Aug 2022 15:48:49 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1174

Als das Internet der Öffentlichkeit zugänglich wurde, d. h. Mitte der 90er-Jahre, gab es das Phänomen, dass Menschen ihre tiefsten Geheimnisse ins Internet stellten. Die Anonymität, die Einfachheit und die Schnelligkeit waren verführerisch. Die Beichte schnell abgelegt, die Anonymität weitestgehend gewahrt und vielleicht gab es sogar diesen kleinen Nervenkitzel, dass vielleicht jemand, den man kennt, […]

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Als das Internet der Öffentlichkeit zugänglich wurde, d. h. Mitte der 90er-Jahre, gab es das Phänomen, dass Menschen ihre tiefsten Geheimnisse ins Internet stellten. Die Anonymität, die Einfachheit und die Schnelligkeit waren verführerisch. Die Beichte schnell abgelegt, die Anonymität weitestgehend gewahrt und vielleicht gab es sogar diesen kleinen Nervenkitzel, dass vielleicht jemand, den man kennt, die Geheimnisse liest, ohne zu wissen, wer dahintersteckt. Diese Tele-Beichten, waren kathartisch. Heute hat sich das umgekehrt: Alle sollen sehen, was man tut, ohne mitzubekommen, was man wirklich denkt. Auch das mit der Anonymität hat sich geändert.

Etwas zu schreiben, ohne den eigenen Namen zu verwenden, hat etwas Ähnliches. Natürlich könnte jeder über den Domaininhaber die Identität ausfindig machen, darum geht es aber gar nicht. Spannend ist das öffentliche Schreiben. Das eigene Ich in den Hintergrund zu stellen, und die Gedanken sich selbst organisieren zu lassen. Es ist vielleicht sogar eine Art Meditation, bei der es ja auch viel darum geht, das eigene Ichbewusstsein ein Stück weit zu überwinden und in ein größeres kollektives einzutauchen. Diese Faszination strahlte am Anfang auch das Internet aus. In den 60ern waren es die kybernetischen Systeme, die diese Gedanken anregten.

Auf dieser technischen Ebene der Vernetzung beruhen viele Sci-Fi-Bücher und -Filme: Dune, Matrix, Neuromancer… Es gibt natürlich eine ganze Literaturgeschichte von Netzliteratur. Im Silicon Valley hat sich hieraus eine ‚Technikspiritualität‘ einer radikalen Rationalität im Geiste Ayn Rands in Form eines technischen Turmbaus von Babel entwickelt. Sie hat sich in eine Dystopie verwandelt, in der das Individuum zum Sklaven der Technik wird. Giorgio Agamben schrieb über den Homo Sacer. Unsere ‚Seele‘ wird zum ökonomischen Objekt.

 

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Technik https://readingdeleuzeinindia.org/de/karma/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/karma/#respond Sun, 12 Jun 2022 13:30:30 +0000 http://multimediaautor.de/?p=258

Ich bin in dem Land aufgewachsen, in dem die Autos erfunden wurden. Die Straßen und Autos hier scheinen sicher, jedenfalls wird alles dafür getan, dass Sie sicher sind. Der Unfall wird antizipiert, das Risiko kalkuliert, mögliche Kollisionen berechnet und der Schaden durch modulare Bauweise minimiert, so heißt es. Wir wollen auf alles vorbereitet sein, hier. […]

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Ich bin in dem Land aufgewachsen, in dem die Autos erfunden wurden. Die Straßen und Autos hier scheinen sicher, jedenfalls wird alles dafür getan, dass Sie sicher sind. Der Unfall wird antizipiert, das Risiko kalkuliert, mögliche Kollisionen berechnet und der Schaden durch modulare Bauweise minimiert, so heißt es. Wir wollen auf alles vorbereitet sein, hier.

Diese Logik des Absicherns, der Risikokalkulation und Vorbeugung ist es, warum ich dieses Land wieder verlassen möchte. Es gibt keinen Raum für das Unerwartete, dies wird nur in der Hochkultur inszeniert. Dabei wäre es doch viel einfacher, sich dem Unberechenbaren zu öffnen. Der Improvisation Raum zu geben, das Unvorhersehbare und Ungesehene zu lassen. Sicherlich lehrt uns die Erfahrung. Aus Unfällen lernen wir, so zu bauen, dass es das nächste Mal weniger schlimm wird, und wenn wir das nicht machen, dann warten Juristen, um zu klagen: Ich setze mich in ein technisch hochkomplexes Gerät, und wenn etwas passiert, so frage ich zuerst den Konstrukteur, ob er/sie das nicht vorher hätte wissen können und wer denn jetzt Schuld sei.

Maschinen sind doch dazu da, Arbeit zu erleichtern oder unsere Sinne zu erweitern. Sie werden hier aber eingebettet in das Soziale, und auch so verhandelt. Die Technik und ihre Interaktion dominieren den Diskurs.

Es ist erfrischend zu sehen, dass in vielen Teilen der Welt, Technik einfach nur Technik ist. Sie wird in ihrer Unvollkommenheit akzeptiert. Schicksal wird das manchmal lächelnd beschimpft.

– make do –

Der Beitrag Technik erschien zuerst auf New Spirits - Reading Deleuze in India.

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