Das Göttliche und die Leere

Der Kontrast könnte stärker kaum sein: Auroville ist flach, heiß an der Küste, eine Stadt möchte es sein, basierend auf den Lehren von Mirra Alfassa und Sri Aurobindo. Ihre Visionen haben als Kern die Vorstellung, ein göttliches Bewusstsein auf die Erde zu bringen, ein „Download“ des Supramentalen. Zugang dazu scheinen einige von sich behaupten zu können. Und manchmal habe ich das Gefühl zu verstehen, wovon sie sprechen. Die Erfahrung einer tiefen Spiritualität in der Meditation, in der Arbeit, im Sein, ein Aufwachen aller 7 Ebenen unserer Existenz: die materielle, die Lebensenergie, der Geist, die den Kosmos verstehende Sicht, Bliss oder Entrückung vom Selbst zur Seele, reines Bewusstsein und pure Existenz. Kräfte gibt es da viele, Götter und Dämonen, Geschichten und Welten, die der Geist bereisen kann, in denen er sich entfalten, verwirklichen und spiegeln kann.

Und dann ist da Bodhi Zendo. Viele Aurovillianer verbringen den Sommer dort. Es ist ein Meditationszentrum in den Bergen auf 1700 Metern Höhe, kühl und grün, die Vögel sind fröhlich, die Wolken temperamentvoll, die Sterne klar. Es wird Zen praktiziert: die Konzentration auf die Leere, d. h. den Grund aller Existenz, den wir nicht erkennen können, von dem wir nicht sprechen können, wo alle Begriffe abprallen, d. h. eine Ebene des Seins, die wir ein wenig erahnen können, die wir in unseren leeren Geist eindringen lassen können, die sich aber uns dadurch zeigt, dass sie der Sprache gegenüber leer ist, nicht gefasst werden kann. Wir können sagen, dass es da etwas gibt, das uns vorausgeht, das alles enthält, das unbegreifbar ist und sich nur so zeigt, als das, was ist und nicht beschrieben werden kann. Die Leere, ein Wort, das versucht, etwas zu beschreiben, das dadurch existiert, dass es kein Sein enthält, ein Paradox, ein Widerspruch, ein Wort, das die Kraft der Sprache an ihre Grenzen führt.

Sri Aurobindo versucht, das Göttliche in Sprache zu fassen, sein Savitri durchwandert die Welten und macht sie so erfahrbar und bringt sie in unsere Existenz. Buddha sitzt auf einer Lotusblüte, deren Stängel in den Wurzeln des Schlamms am Boden des klaren Wassers verankert sind. Wir können die Gewässer des Bewusstseins klar durchblicken, aber den Schlick und die treibende Kraft des Lebens können wir nicht erkennen.

Ich oszilliere zwischen Auroville und Bodhi Zendo, der Vermessung des Göttlichen und dem Schweigen vor der Leere, jener Leere, die verschieden ist von dem Nichts. Die Leere kann das Sein und das Nichts, beides fassen, umschließen, tragen. Leere ist zwischen dem Sein, es ist das, worin das Nichts gehalten ist, Leere ist im Sein, wenn es sich seiner selbst bewusst wird.

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