{"id":5596,"date":"2025-10-01T15:02:12","date_gmt":"2025-10-01T09:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=5596"},"modified":"2025-10-01T15:02:15","modified_gmt":"2025-10-01T09:32:15","slug":"musik-nada-brahman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/musik-nada-brahman\/","title":{"rendered":"Musik \u2013 N\u0101da-Brahman"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erste Begegnungen mit Ragas<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Jugendlicher h\u00f6rte ich stundenlang Ragas. Ich wusste gar nichts \u00fcber sie. Ich schlug ein wenig nach: Mikrotonalit\u00e4t, Meditation, Tonfolge. Mehr verstand ich nicht. Es waren aber die tiefsten Musikerfahrungen \u2013 eine Meditation zur Musik. Bis heute f\u00fchren mich Ragas in mein Inneres oder in tiefe Erkenntniszust\u00e4nde, die jedoch nicht rational sind. Eher ist es eine Art und Weise, in der Welt zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Musik als gemeinsamer Raum und reine Energie<\/h2>\n\n\n\n<p>Das H\u00f6ren von Musik zieht uns alle in die Gefilde der emotionalen Landschaften, des Tagtr\u00e4umens, der \u00e4sthetischen Erfahrung. Es ist emotional, abstrakt, zeitlich; es erlaubt, die anderen Sinne ein- oder auszublenden, Erinnerungen abzurufen oder etwas zu vergessen. Wir k\u00f6nnen eine Zukunft ertr\u00e4umen, uns sehnen oder Emotionen ausdr\u00fccken \u2013 sie herauslassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir gemeinsam musizieren, praktizieren, tanzen, gemeinsam h\u00f6ren oder auch nur Musik empfehlen, so betreten wir einen gemeinsamen Raum. Dieser Raum ist eine andere Dimension. Er hat keine materielle Referenz wie die anderen Sinne sie haben (z. B. in der darstellenden Kunst oder beim Kochen). Die Musik entspricht dem \u00c4ther, dem Raum an sich. Die Vibration bedarf eines physikalischen Tr\u00e4gers, ist aber selbst blo\u00df reine Energie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Musik, Bewusstsein und die vierte Realit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn meine Sinne sich vermischen \u2013 der Geruch, die Ber\u00fchrung, der Klang, der Geschmack und das Sehen \u2013 so vereinen sich die Botenstoffe meines Nervensystems irgendwo in mir, vielleicht in meinem Kopf oder meinem Herz, und bilden dort eine Grundlage f\u00fcr Bewusstsein. Dieser Ozean des Bewusstseins, der sich aus den Sinnen speist, kann durch sie auf eine Realit\u00e4t zugreifen: Das nennen wir Wachzustand.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Traumzustand greifen wir auf eine andere Realit\u00e4t zu, eine Realit\u00e4t aus Erinnerungen, Gef\u00fchlen, Phantasien. Oder wir gehen in den Tiefschlaf, wo die Sinne kein Bewusstsein erreichen. Da ich jedoch weiter existiere, wie ich jeden Morgen erfahre, war mein Selbst anscheinend ganz woanders. Wahrscheinlich war es dort, wo die materielle Welt, wie wir sie verstehen, unwichtig ist. Wir waren im dunklen Ozean reiner Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p>In der M\u0101\u1e47\u1e0d\u016bkya-Upanishad wird aber noch von einem vierten Zustand gesprochen \u2013 jener Zustand, der vielleicht als \u201eerleuchtet\u201c bezeichnet werden kann. In diesem Zustand sind wir wach, aber nicht an unsere Sinne gebunden. Wir nehmen nicht wahr, tr\u00e4umen aber auch nicht, wir schlafen nicht und erfassen doch eine h\u00f6here Realit\u00e4t. Wir wissen um die Welt in einem tieferen Sinn. Ich sehe mein Inneres und die Welt als solche, ich verstehe, dass mein Alltagsbewusstsein funktional, aber beschr\u00e4nkt ist. Ich werde mir meiner Ignoranz bewusst. Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df. Ich bin eins mit der Welt, obgleich ich au\u00dferhalb ihrer zu sein scheine. Man k\u00f6nnte hier \u00fcber die Ideen des Transzendentalen, der Advaita oder der Immanenz spekulieren. Das lasse ich aber lieber, da sich das in intellektuellen Spielereien verliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Musik, und f\u00fcr mich pers\u00f6nlich Ragas, haben etwas von dieser vierten Realit\u00e4t. Ich m\u00f6chte hier ausdr\u00fccklich nicht sagen, dass Musikh\u00f6ren einem erleuchteten Zustand gleicht, und doch lege ich diese Parallele nahe. Ich schlafe nicht und nehme nicht wahr, ich tr\u00e4ume nicht und bin hellwach. Ich f\u00fchle mich in einer Welt, die oftmals intensiver ist als die Realit\u00e4t. Manchmal fl\u00fcchte ich mich in sie. Wenn ich aber hochkonzentriert h\u00f6re, eins werde mit der Musik, dann leuchtet etwas in mir \u2013 in einer Reinheit und Klarheit, die ich sonst nur aus der Meditation kenne.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Musik identifizieren wir uns mit etwas. Die Musik ist ein Tr\u00e4ger von etwas, zu dem ich werden kann. In der Meditation kann ich auch zu etwas werden; wenn es gut l\u00e4uft, werde ich eins.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erste Begegnungen mit Ragas Als Jugendlicher h\u00f6rte ich stundenlang Ragas. Ich wusste gar nichts \u00fcber sie. Ich schlug ein wenig nach: Mikrotonalit\u00e4t, Meditation, Tonfolge. Mehr verstand ich nicht. Es waren aber die tiefsten Musikerfahrungen \u2013 eine Meditation zur Musik. 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