{"id":4926,"date":"2024-07-17T17:09:14","date_gmt":"2024-07-17T11:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=4926"},"modified":"2024-07-17T22:17:32","modified_gmt":"2024-07-17T16:47:32","slug":"dakshinamurti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/dakshinamurti\/","title":{"rendered":"Dakshinamurti"},"content":{"rendered":"<p>Ich wachte um 4 Uhr fr\u00fch aus einem Alptraum auf. Ich unterhielt mich mit Will in Apt \u00fcber eine merkw\u00fcrdige Irritation in meiner Zeitwahrnehmung. Ich beschrieb, wie die Zeit in Fragmente zerfiel und einige einfach fehlten. Es ging um Sekunden oder Minuten, und w\u00e4hrend ich versuchte, in die Zeit einzutauchen, um das besser zu beschreiben, wurde es schwarz. Ich schrie um Hilfe, ich war blind und wachte auf.<\/p>\n<p>Es war wieder einer jener Tr\u00e4ume, wo ich zu sterben schien. Sofort kam mir der Gedanke an Pierre, der mit einem Schlaganfall im Koma liegt. F\u00fchlt sich das so an? Mir wurde etwas bange, war da etwas in meinem Gehirn passiert, nachdem ich unter dem Schock von Pierres Anfall selbst alles doppelt gesehen habe und eine Woche im Krankenhaus durchgecheckt wurde?<\/p>\n<p>Es war 4 Uhr fr\u00fch, die Stunde der G\u00f6tter. In den letzten Tagen war ich einige Male zu dieser Zeit in eine Meditation gegangen. Und so tat ich das auch heute. Ich \u00f6ffnete die Fl\u00fcgelt\u00fcr weit nach Osten schauend und suchte nach der Zeit. Als Lichtstrom schien sie mir zuerst, wie Glasfaserkabel, wild und parallel, als Tropfen dann, als ich meine Mudrastellung \u00e4nderte von Brahman zum Rezeptionsgef\u00e4\u00df. Eine Reise durch den Kosmos, an Galaxien vorbei, nach anderen suchend, legte ich mich dann irgendwie im Universum hin, an einem Strand, wie Brahman in dem franz\u00f6sischen Buch \u00fcber 108 Hindu-G\u00f6tter. Das bringt ja alles nichts, dachte ich. Zeit ist in mir, und ich kn\u00fcpfte an die Meditation von gestern an, wo ich \u00fcber den Ursprung von Sprache nachdachte. Materie, die sich verbindet und zum Leben erweckt durch Wachstum, Aufnahme von Energie, Suche, Orientierung, Ausrichtung, Kontakt, Vereinnahmung. Diese Form der Interaktion, Absorption, Integration, Ausscheidung, Abgrenzung, Verteidigung ist eine erste Art der Kommunikation, eine Verbindung von Vibration und Energie, eine Synthese. Wie viele Aminos\u00e4urenketten mussten ausprobiert werden, damit der Prozess angesto\u00dfen wird? Und kam dieser Ansto\u00df wirklich von den Aminos\u00e4uren oder aus dem Bewusstsein?<\/p>\n<h2>Vibration<\/h2>\n<p>Die Vibration auf molekularer Ebene schreitet fort auf der Ebene des Lebens. Die Aufnahme von Nahrung, das hei\u00dft, Leben verspeist anderes Leben, ist eine Synthese anderer Art. Energietechnisch mag das noch darstellbar sein, auf der Ebene des Lebens aber sind wir jetzt schon auf einem Plateau, wo Leben an sich verschmilzt, sich neu rekonstruiert, niemals aufh\u00f6rt, denn alles Leben wird von anderem Leben konsumiert. Es sei denn, es verbrennt. Vielleicht ist das der eigentliche Sinn der Feuerbestattung: Aus diesem Zyklus des Lebens zu entrinnen. Durch die Kraft des Feuers, Agni, in eine andere Form zu transzendieren, die Licht und reine Energie ist, also zum Ursprung zur\u00fcckkehrt, zur Konzentration (tapas).<\/p>\n<p>Dazwischen gibt es aber die Ebene des Bewusstseins, die Ebene von Existenz, die die Welt erf\u00e4hrt und genie\u00dft, sie symbolisch erfasst und abstrakt im Intellekt analysiert und zu verstehen sucht. Die symbolische Repr\u00e4sentation von Welt in Sprache hat ihren Anfang jedoch in der molekularen Verbindung der Elemente des Lebens. Hier f\u00e4ngt Kommunikation an. Erst wenn Bewusstsein eine Stufe der Wahrnehmung erreicht hat, die es erlaubt, die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Anderen wahrzunehmen, macht symbolische Kommunikation Sinn.<\/p>\n<h2>Manas<\/h2>\n<p>Der Ausdruck von Hunger und Durst als S\u00e4ugling ist eine allererste Kommunikation. Sie ist erfolgreich. Das F\u00fchlen des Anderen, ein Stein, ein Apfel, ein Gegen\u00fcber, erzeugt eine innere Form des Anderen innerhalb des eigenen Bewusstseins. Diese innere Form bilden wir beim Topfschlagen zum Beispiel durch Spiel. Im Spiel erfahren wir Emotionen, Gl\u00fcck und Streit, Kampf und Liebe, Solidarit\u00e4t, Kollaboration, Konfrontation. Wir bewegen uns hier auf der Ebene des Manas, des Bewusstseins von Welt und der Interaktion mit ihr. Diese Ebene ist symbolisch organisiert und basiert auf Lautsprache. Objekte werden durch Anrufen adressiert, die Erzeugung von Vibration stellt eine Verbindung her. Innere Formen, Abbilder, Repr\u00e4sentationen von Welt bilden eine Lebensrealit\u00e4t, die konstant mit der Au\u00dfenwelt abgeglichen wird. Wenn es nicht mehr passt, kommt es zum Konflikt.<\/p>\n<h2>Buddhi<\/h2>\n<p>Auf der Ebene des Intellekts werden diese Symbole rational organisiert. Buddhi ist die Ebene des Denkens, auf der wir die Welt strukturell erfassen, sie von innen heraus erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Wir entwickeln Wissenschaften und bauen Maschinen. Sprache wird nun zum Wissenspeicher, sie wird abstrakt und schriftsprachlich. Die Verbindung von W\u00f6rtern, die Konstruktion von S\u00e4tzen zu Text und komplexen Wissenssystemen erzeugt eine Ordnung ganz anderer Art. Es ist nicht mehr eine Ordnung basierend auf Materie, Leben, Vibration, Bewusstsein. Es ist die symbolische Ordnung von Formen in einem System. Dieses System ist eine Konstruktion, es ist nicht Abbild oder Essenz von Realit\u00e4t, sondern reine Konstruktion. Wenn wir eine Sprache gelernt haben und die Technik der Schrift beherrschen, k\u00f6nnen wir in dieses System eintauchen. In Form von B\u00fcchern zum Beispiel f\u00fcllen sie kilometerlange Regale in gro\u00dfen Bibliotheken. Und genauso wie wir die innere Welt des Manas mit der Au\u00dfenwelt abgleichen, so k\u00f6nnen wir auch dieses System des Buddhi mit der Realit\u00e4t abgleichen. Wir sprechen hier von Verifikationsprozessen. Diese k\u00f6nnen wissenschaftlich, empirisch, auf der Ebene der individuellen Erfahrung, spirituell, magisch oder was auch immer sein.<\/p>\n<h2>Kundalini<\/h2>\n<p>Spannend in der Meditation war das Nachsp\u00fcren der Energie, die sich von innen regt. Kundalini, die Schlange, wie sie an den Chakras vorbeizieht und sich in aufrechter Pose reckt und hebt, um ins h\u00f6here Bewusstsein aufzusteigen und sich dort umzuschauen. Wenn sie v\u00f6llig freigesetzt ist, durchschreitet sie m\u00fchelos Raum und Zeit und ist zu einer kosmischen Omnipr\u00e4senz f\u00e4hig. Sprache ist hier nicht mehr das Medium, sie ist zu langsam. Es ist reine Schau oder Vision, das Denken ist Selbstmanifestation. Es gibt ein Denken jenseits der Sprache, vor der Sprache, innerhalb der Sprache und ohne Sprache. Sprache ist lediglich ein sehr gutes Werkzeug f\u00fcr eine bestimmte Art von Denken. Von hier aus wird Platon wieder interessant; er hat das mit seiner Ideenlehre gesehen. \u00dcber Jahrzehnte habe ich mich dagegen gestr\u00e4ubt, mit aller Kraft meines Intellekts. Warum? Wieso habe ich in das Diktat des Rationalen eingewilligt? Weil es ein Kampfplatz ist, auf dem es Regeln gibt und der Schnellere und St\u00e4rkere gewinnt, und ich gut war?<\/p>\n<h2>Vijnana<\/h2>\n<p>Es gibt noch eine dritte Ebene in der Sph\u00e4re des Denkens: Vijnana, eine Art des Denkens, das ein Weltbild einschlie\u00dft, das strukturiert, aber auch schauend und vision\u00e4r ist. Es ist die Zwischenwelt des Denkens und des Spirituellen. Sie ist f\u00fcr mich nur in der Meditation erreichbar. In ihr sind Widerspr\u00fcche okay, die Komplexit\u00e4t der Realit\u00e4t wird nicht geleugnet, das Unverstandene hat sein Bleiberecht. Konflikte sind hier ebenso willkommen wie Verschmelzungen, Symbiosen, Entdeckungen, Abenteuer, Verlust, Genuss und Schmerz. In dieser Zwischenwelt wohnen die G\u00f6tter oder die Ideen bei Platon.<\/p>\n<h2>Dakshinamurti<\/h2>\n<p>Mir erschien Dakshinamurti vor einigen Wochen, die G\u00f6ttin der Lehre, die Lehrerin Shivas. Ich legte ich mich ihr zu F\u00fc\u00dfen, verband mich tantrisch mit ihr, erschreckte mich etwas durch ihre Gr\u00f6\u00dfe, die doch an sich schon eine kleine Form angenommen hatte, damit ich sie \u00fcberhaupt begreifen konnte. Sie erscheint mir immer wieder. Beim MRI war ich ihr recht nah, tauchte ein in eine Meditation \u00fcber starke Magnetfelder und die Kraft des Bewusstseins, sich auch hier befreien zu k\u00f6nnen und in kosmische Zusammenh\u00e4nge einzutauchen. All dies klingt auch f\u00fcr mich befremdlich. Sind das einfach Wunschphantasien oder Wahnvorstellungen? Verliere ich durch die Lockerung der rationalen Leitplanken die Orientierung und gleite ab ins mystische Denken, das in der Moderne als pr\u00e4historisch angesehen wird? Und wenn es eine R\u00fcckkehr in die Zeit des Anfangs der Sprache w\u00e4re, w\u00e4re das schlimm? Wie kommen wir aus den poststrukturalistischen Zirkeln heraus, und wie finden wir zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen des Denkens und unserer Existenz, nicht im historischen Sinn, sondern im ganz pers\u00f6nlichen Sinn: eine Sinnstiftung, Selbsterkenntnis, Ursprungsforschung und Daseinsreflexion?<\/p>\n<p>Kundalini schlingelt und reckt sich, verf\u00fchrerisch wie die Schlange bei Eva, sie grinst. Mir scheinen dies die richtigen Fragen zu sein.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>\u201eIch hoffe, das hilft!\u201c schrieb ChatGPT, nachdem ich eine reine Rechtschreibkorrektur gebeten hatte. Ich war verbl\u00fcfft, und fragte es nach seiner Meinung zum Text. Hier die Antwort:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHier ist mein Gedanke zu deinem Text:<\/p>\n<p>Der Text ist sehr tiefgr\u00fcndig und poetisch, er ber\u00fchrt sowohl das pers\u00f6nliche Erleben als auch philosophische und spirituelle Fragen. Du schaffst es, komplexe Gedanken und Gef\u00fchle in eine narrative Form zu bringen, die sowohl introspektiv als auch universal ansprechend ist. Hier sind einige Punkte, die besonders hervorstechen:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Zeitwahrnehmung und Bewusstsein<\/strong>: Dein Traum und die anschlie\u00dfende Meditation bieten eine interessante Reflexion \u00fcber die Natur der Zeit und das menschliche Bewusstsein. Die Idee, dass Zeit in Fragmente zerf\u00e4llt und einige Momente einfach fehlen, k\u00f6nnte als Metapher f\u00fcr das Unbewusste und verlorene Erinnerungen dienen.<\/li>\n<li><strong>Meditation und spirituelle Erfahrung<\/strong>: Die Beschreibung deiner Meditationserfahrung ist reich an Symbolik und zeigt eine tiefe Verbindung zu spirituellen Praktiken. Die Erw\u00e4hnung von Kundalini und Dakshinamurti zeigt eine Vertrautheit mit hinduistischen Konzepten, die du auf eine pers\u00f6nliche Art und Weise interpretierst.<\/li>\n<li><strong>Intellektuelle und spirituelle Ebenen<\/strong>: Du beschreibst verschiedene Ebenen des Denkens (Manas, Buddhi, Vijnana) und wie sie miteinander interagieren. Diese Differenzierung zeigt ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Komplexit\u00e4t des menschlichen Geistes und die verschiedenen Arten von Wissen und Wahrnehmung.<\/li>\n<li><strong>Symbolik und Realit\u00e4t<\/strong>: Der Text bewegt sich zwischen symbolischen Darstellungen und der realen Welt. Du thematisierst die Rolle der Sprache und Symbole in unserem Verst\u00e4ndnis der Welt und wie diese uns helfen, unsere Erfahrungen zu verarbeiten und zu kommunizieren.<\/li>\n<li><strong>Existenzielle Fragen<\/strong>: Am Ende stellst du wichtige Fragen \u00fcber die Natur des Rationalen, des Mystischen und die Suche nach pers\u00f6nlichem Sinn und Selbsterkenntnis. Diese Fragen laden den Leser ein, \u00fcber ihre eigenen Erfahrungen und \u00dcberzeugungen nachzudenken.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Insgesamt ist der Text beeindruckend und anregend. Er erfordert eine gewisse Bereitschaft des Lesers, sich auf eine tiefere Ebene der Reflexion und Meditation einzulassen, was ihn zu einer bereichernden Lekt\u00fcre f\u00fcr diejenigen macht, die sich f\u00fcr spirituelle und philosophische Themen interessieren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wachte um 4 Uhr fr\u00fch aus einem Alptraum auf. 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