{"id":4870,"date":"2024-06-16T11:58:45","date_gmt":"2024-06-16T06:28:45","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=4870"},"modified":"2024-06-16T12:23:11","modified_gmt":"2024-06-16T06:53:11","slug":"die-ertraegliche-leichtigkeit-des-seins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/die-ertraegliche-leichtigkeit-des-seins\/","title":{"rendered":"Die ertr\u00e4gliche Leichtigkeit des Seins"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal ist Meditation ganz einfach und nat\u00fcrlich. Ich setze mich hin, gehe in meinen K\u00f6rper, werde meines Sinnesapparates bewusst und wie mein Bewusstsein und Verstand damit umgeht, bringe alles zur Ruhe und h\u00f6heres Bewusstsein zeigt sich, eine andere Art von Wissen, Raum und Zeit, eine andere Erfahrungswelt&#8230;<\/p>\n<p>Manchmal ist es aber auch schwer, und dann lerne ich, wie Meditation wirklich geht. Ich setze mich hin, ein Chaos an Gedanken und Gef\u00fchlen macht sich breit. Es dauert lange, bis ich das \u00fcberhaupt bemerke, so gefangen bin ich in meinem Kopf. Wenn ich das merke, fokussiere ich meinen Atem, versuche, mir meinen K\u00f6rper bewusst zu machen. Da gibt es ein Au\u00dfen, einen K\u00f6rper, ein Innen. Das ist durch den Atem verbunden. Ich werde gewahr, dass ich lebe, dass mein K\u00f6rper und Geist lebendig sind und ich frage mich, was das hei\u00dft. Lebendig sein, bewusst sein, denken, f\u00fchlen. Dies ist ein guter Zeitpunkt, sich auf die Chakren zu konzentrieren. Verschiedene Ebenen des Seins. Kundalini, die Schlange, ist eine gute F\u00fchrerin. Sie rollt und reckt sich, kriecht empor durch die verschiedenen Ebenen des Seins, durch die Materie, die Sexualit\u00e4t, die Gef\u00fchlswelt, durch das Herz und die Sprache, den Verstand und das Bewusstsein, dann durch die Erfahrung von Satchitananda, des h\u00f6heren Bewusstseins. Dieser Weg kann schnell gehen, ein paar kleine Minuten, oder sich Zeit lassen, pausieren und genau schauen, was auf den Ebenen los ist. Dabei merke ich, dass sich meine Sitzposition \u00e4u\u00dferlich wahrscheinlich unmerklich, innerlich jedoch radikal \u00e4ndert. Eine kleine, klitzekleine Korrektur der Wirbels\u00e4ulenhaltung \u00f6ffnet eine neue Ebene, ein neues Plateau und setzt Energien frei. Es ist ein bisschen wie mit Holzkl\u00f6tzchen einen Turm zu bauen. Wenn die Basis stimmt, kann ich sehr hoch bauen. Wenn die ersten Stockwerke total krumm und chaotisch sind, dann wird es nach oben sehr wackelig und instabil.<\/p>\n<p>Das ist eine feine Gratwanderung, denn die stille Position ist in der Meditation sehr wichtig. Ich tendiere auch dazu, eine relativ strenge Position einzunehmen im halben Lotussitz, manchmal im vollen Lotussitz. Es hilft bei dem, was ich beschrieben habe. Die stille Position, von au\u00dfen betrachtet fast starr, ist von innen aber hoch agil. Ich brauche eigentlich wenigstens 20-30 Minuten, um die Grundelemente zu aktivieren und in eine energetische Linie zu bringen. Der K\u00f6rper ist ja so komplex, er lebt, f\u00fchlt, atmet, denkt, riecht und h\u00f6rt, schmerzt und erf\u00e4hrt Gl\u00fcck. Zu denken, dass es nur darauf ank\u00e4me, ruhig zu werden, ist ein ganz gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis. Der K\u00f6rper ist das komplexeste Instrument, das wir haben, und zugleich so wenig genutzt. Die verschiedenen Praktiken des Yoga dienen genau dieser Erkundung. Mit \u00dcbung kann man richtig virtuos werden, und dann erschlie\u00dfen sich R\u00e4ume, die man zuvor nicht kannte und verspottete, wenn andere dar\u00fcber sprachen.<\/p>\n<p>Diese inneren Welten sind Welten des Spirituellen. Die Meditation er\u00f6ffnet den Raum, in dem fast alles m\u00f6glich zu sein scheint. Mir gef\u00e4llt die Meditation, weil sie es erlaubt, langsam und behutsam diese Welten zu erkunden. Das geht nat\u00fcrlich auch durch Trance, Substanzen, Rituale, kollektive Erfahrungen. Unz\u00e4hlige Kulturen haben einen enormen Schatz an Praktiken \u00fcber die letzten Jahrtausende zusammengetragen. Mir sind die aber ein bisschen unheimlich. Das ist ein wenig so, wie wenn jemand mich zu einer Party mitnimmt, und pl\u00f6tzlich steht man in einem hoch energetischen Raum, taucht ein und wird Teil von ihm, verliert sich und verbindet sich, macht neue Erfahrungen, hat einen Rausch der Sinne. Diese Erfahrungen sind toll, geben mir aber nicht die Basis, meine Existenz zu erkunden. Ich bin diesen Erfahrungen ein St\u00fcck weit ausgeliefert. In der Meditation hingegen sind alle Pfade offen. Es ist nicht mein Selbst, das da navigiert, es ist vielmehr ein h\u00f6heres Selbst, aber ich bin in Kontakt mit meinem Selbst, kann das Steuern, wenn ich das m\u00f6chte, obgleich ein solcher Eingriff innerhalb einer tiefen Meditation kritisch ist; es kann sie leicht auf untere Ebenen zur\u00fcckwerfen.<\/p>\n<p>Diese Welten, in denen mein h\u00f6heres Selbst sich mit einem h\u00f6heren Bewusstsein verbindet, sind Zust\u00e4nde von Gl\u00fcckseligkeit. Es ist, was die Upanishaden den Tiefschlaf nennen, denn der K\u00f6rper ist vollst\u00e4ndig im Tiefschlaf, das Bewusstsein wird nicht durch die Sinne des K\u00f6rpers stimuliert. Der K\u00f6rper existiert nicht f\u00fcr die Meditation als Tiefschlaf. Das Bewusstsein, in das meines eintaucht, ist eine spirituelle Erfahrung. Sie ist jedoch ganz real. Es ist mein Bewusstsein, das sich verbindet. Es ist hier und jetzt, es ist diese Welt, nicht eine andere. Es ist Immanenz. Nur eben eine vollere Realit\u00e4t. Ein Schlaf, der eigentlich der h\u00f6chste Wachzustand ist, denn er l\u00e4sst sich nicht von \u00e4u\u00dferen Sinneseindr\u00fccken ablenken. Vielleicht hat die Schlange, die das Haupt von manchen G\u00f6ttern mit 7 K\u00f6pfen beschattet und vor Regen sch\u00fctzt, diese Symbolik, dass vieles gleichzeitig gesehen werden kann, dass als Ebenen unseres K\u00f6rpers in bewusster Klarheit pr\u00e4sent sein k\u00f6nnen. Die 7 Fl\u00fcsse, des Rigveda die 7 Ebenen der Existenz.. Diese Bilder sind hier in Indien ja immer so unendlich komplex.<\/p>\n<p>Zugleich sind viele Plateaus, die Kundalini durchstr\u00f6mt, f\u00fcr mich seit langem im Alltagsbewusstsein angekommen. Kontemplation und Reflexion, Sinnlichkeit und Genuss, das Durchleben von Emotionen und das Sortieren von Gedanken, das Abw\u00e4gen und Entscheiden, all dies sind Ebenen meiner Existenz, die ich als solche akzeptieren kann. Es geht nicht darum, hier die von der Gesellschaft erwarteten \u201arichtigen\u2018 Dinge zu tun, sondern sie als Ph\u00e4nomen ernstzunehmen, sie als Manifestation von Welt zur Geltung zu bringen und sie so gut es geht bewusst zu machen und zu navigieren. So werde ich zu einem Zeugen von Realit\u00e4t, die &#8211; an sich und f\u00fcr sich selbst &#8211; mir wenig antun kann. Es ist ein Geschenk des Lebens, diese Erfahrungen machen zu k\u00f6nnen. Darin scheint ein Teil des Sinns des Lebens zu bestehen. Dieses Durchleben&#8230;<\/p>\n<p>Manchmal ist Meditation einfach und manchmal schwierig. Manchmal kommt sie einfach so, und einiges muss man \u00fcben. Es gibt ein paar Hilfen und unz\u00e4hlige Pfade zu ihr hin. Einen richtigen Weg gibt es nicht. Alles ist okay, denn alles ist Realit\u00e4t, es gibt nichts anderes als Realit\u00e4t. Manche Pfade sind schwieriger, und manche haben Konsequenzen, that&#8217;s it.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Weiterlesen:\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Aurobindo: Life Devine, Book II, Chapter VI, Reality and the Cosmic Illusion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal ist Meditation ganz einfach und nat\u00fcrlich. Ich setze mich hin, gehe in meinen K\u00f6rper, werde meines Sinnesapparates bewusst und wie mein Bewusstsein und Verstand damit umgeht, bringe alles zur Ruhe und h\u00f6heres Bewusstsein zeigt sich, eine andere Art von Wissen, Raum und Zeit, eine andere Erfahrungswelt&#8230; Manchmal ist es aber auch schwer, und dann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4871,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[2,374,376],"tags":[28,17,35,57,40],"class_list":["post-4870","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bewusstsein","category-meditation","category-upanischaden","tag-denken","tag-herz","tag-ich","tag-jetzt","tag-zeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4870"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4870\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4874,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4870\/revisions\/4874"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4871"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}