{"id":4594,"date":"2023-09-19T22:58:50","date_gmt":"2023-09-19T17:28:50","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=4594"},"modified":"2023-09-19T23:02:58","modified_gmt":"2023-09-19T17:32:58","slug":"der-westen-als-fremde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/der-westen-als-fremde\/","title":{"rendered":"Der Westen als Fremde"},"content":{"rendered":"<p>Es ist so wundersch\u00f6n und auch so traurig in einer Welt zu leben, die den Westen als fremd versteht. Ich nehme diese Perspektive immer mehr ein und verstehe vieles nicht mehr. Die Obsession mit Karriere, Bequemlichkeit, Sicherheit, Wohlstand, Genauigkeit, Richtigkeit, Besserwisserei und \u00dcberheblichkeit, Ignoranz und Intoleranz. All das wird mit deutlicher, es wird geradezu evident.<\/p>\n<p>Ich war ein paar Tage krank, und wie viele das dann eben so machen, habe auch ich Filme geschaut, nichts Inspirierendes. Serienm\u00fcll. Ich habe das seit einem Jahr nicht gemacht und mir war hinterher ganz \u00fcbel. Mein Gehirn war \u00fcberladen, die Synapsen funkten, die Ideologie einer heilen-Welt, die vor den B\u00f6sen gesch\u00fctzt werden muss, um die Gemeinschaft zu st\u00e4rken und dem Individuum zum &#8218;Recht&#8216; zu verhelfen, ist ja eigentlich unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Aber ich wollte dann doch ein paar sch\u00f6ne Erinnerungen an die Kultur, die ich so weit hinter mir gelassen habe. Das ist dann immer die Musik f\u00fcr mich. Und so stie\u00df ich auf Purcell. Das ist nicht sonderlich originell, aber trotzdem sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Eine Freundin erz\u00e4hlte mir von ihrer Vorstellung von Liebe. Die so unterschieden von allem, was ich kenne, dass ich das hier gar nicht umrei\u00dfen mag. Keuschheit w\u00e4re ein Wort, das ist aber komplett verfehlt. Ich h\u00f6rte also Purcell Solitude&#8230; und mich \u00fcberkam wieder dieses Gef\u00fchl des Selbstmitleids, das in solcher Musik zum Ausdruck kommt. Der Schmerz der Einsamkeit, die Todessehnsucht, Trost und Angst, Suche nach Halt, die nur in der Melancholie Ruhe findet. Dieses gro\u00dfe Gef\u00fchl Europas, die Melancholie, was w\u00e4re Europa ohne Melancholie? Ein Witz?<\/p>\n<p>Nun, da ich schon dabei war Purcell zu h\u00f6ren, gab ich mich dem hin und fand Jessie Norman. Ich war es leid sch\u00f6ne junge wei\u00dfe Frauen zu sehen. Und da erschien sie majest\u00e4tisch, in einem Universum von Spiegeln, nach Erinnerung flehend. Und so wurde dieses Bild ein Sinnbild f\u00fcr die sch\u00f6ne Traurigkeit des Subjekts, das sich selbst erforscht, weitestgehend ohne R\u00fccksicht auf andere und anderes. Eine narzisstische St\u00f6rung. Selbstmitleid, Melancholie und Selbstgerechtigkeit und so wundersch\u00f6n. Das Haupt der Medusa. Diese ganze Kultur baut auf Missverst\u00e4ndnissen.<\/p>\n<p>Und bevor der Muskalgorithmus zu franz\u00f6sischem Pop wechselt, beende ich das hier.<\/p>\n<p>Om<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe title=\"Jessye Norman - A Portrait - When I Am Laid In Earth (Purcel\" width=\"770\" height=\"578\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jOIAi2XwuWo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist so wundersch\u00f6n und auch so traurig in einer Welt zu leben, die den Westen als fremd versteht. Ich nehme diese Perspektive immer mehr ein und verstehe vieles nicht mehr. Die Obsession mit Karriere, Bequemlichkeit, Sicherheit, Wohlstand, Genauigkeit, Richtigkeit, Besserwisserei und \u00dcberheblichkeit, Ignoranz und Intoleranz. All das wird mit deutlicher, es wird geradezu evident. 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