{"id":4394,"date":"2023-08-13T16:19:53","date_gmt":"2023-08-13T10:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=4394"},"modified":"2024-07-17T22:17:38","modified_gmt":"2024-07-17T16:47:38","slug":"heilige-raeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/heilige-raeume\/","title":{"rendered":"Heilige R\u00e4ume: Kirchen und Tempel &#8211; Eine Reise durch spirituelle Orte"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Was ist ein heiliger Raum und was ist keiner? Inzwischen finde es viel leichter zu sagen, was ein heiliger Raum ist, als zu sagen, was keiner ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ich hatte mich in Europa immer zu Kirchen hingezogen gef\u00fchlt. Nicht zu ihrer Ikonografie, denn die Bildsprache der Bibel, ein toter Mann am Kreuz, das fand ich immer irritierend. Die \u201aheiligen R\u00e4ume\u2018 im christlichen Raum sind vornehmlich katholische Kirchen, denn die evangelischen Kirchen sind ja definitionsgem\u00e4\u00df keine heiligen R\u00e4ume, sie sind eher Versammlungsr\u00e4ume, wo sich eine Gemeinschaft trifft. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die katholischen Kirchen also, oder die von Katholiken gebauten, haben eine besondere Aura der Kontemplation und Stille. Das sp\u00e4rliche Licht, die Gew\u00f6lbe, die Seitenschiffe, die Perspektiven, die sich in diesen R\u00e4umen auftun, die Abgeschiedenheit von der zivilen Gesellschaft drau\u00dfen, also das Drinnen und Drau\u00dfen, das Innerliche und \u00c4u\u00dferliche\u2026 all diese Elemente haben mich immer angezogen. Immer wieder bin ich in Kirchen hineingegangen, habe mich ein paar Minuten hingesetzt, bin zur Ruhe gekommen. Aber da war immer dieses Kreuz, die Schuld und Vergebung, Tod und Verzweiflung, die mich nie haben lange dort verweilen lassen. Kirchen waren f\u00fcr mich immer Zufluchtsr\u00e4ume einer inneren Einkehr, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Am liebsten war in Kirchen, wenn Orgel gespielt wurde, dann war da nur noch der Raum und die Vibration, das Licht, die Perspektive, das Innen, also kein materieller Raum und auch keine Ideologie oder Religion.<\/span><\/span><\/p>\n<h2 class=\"western\">Tempel im Mittelmeerraum<\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ganz anders war meine Erfahrung mit Tempeln in Italien, Frankreich, Griechenland, \u00c4gypten. In Griechenland und \u00c4gypten habe ich nur Ruinen gesehen, nationale Denkm\u00e4ler, Touristenattraktionen. Aber dennoch war die Art und Weise, wie sie in der Landschaft stehen, beeindruckend. Sie sind offen f\u00fcr die Elemente, durch Verw\u00fcstung und Vernachl\u00e4ssigung weitestgehend befreit von ikonografischer Ideologie, diese St\u00e4tten sind Zufluchtsorte einer Verbindung mit der Natur, der Geschichte, dem Kosmos, sie zeugen von einer vergangenen Zeit und setzen die Fantasie frei. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ich denke an Winkelmann und die Renaissance, die Dramen der griechischen Antike, die Pharaonengr\u00e4ber und Hieroglyphen. In diesen Ruinen weht ein Geist, wie man im Deutschen so sch\u00f6n sagt. Dieser Geist des Pantheons der G\u00f6tter des Olymp, der sich mit denen der \u00c4gypter und R\u00f6mer \u00fcberschneidet, beschreibt eine andere Welt. Eine Welt, die durch Polytheismus gepr\u00e4gt ist, durch mythologische Geschichten, Widerspr\u00fcche und allzu menschliche Konflikte. Es ist ein Spiegel des sozialen Menschen, zu mindestens habe ich das immer so verstanden, und bin da wohl auch nicht allein mit. Es ergab Sinn f\u00fcr mich, dass sich der menschliche Geist in gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen spiegelt, um sich selbst zu erkunden und die Erfahrungen zu teilen. Diese Geschichten wurden dann zu Geschichten von Macht und Politik.<\/span><\/span><\/p>\n<h2 class=\"western\">Tempel in Indien<\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wie anders sind die Tempel in Indien. Sie sind lebendig, die Tradition ist im Jetzt verankert. Die G\u00f6tter werden verehrt seit der Zeit der Veden oder noch l\u00e4nger. Das Pantheon der G\u00f6tter ist nicht ein Spiegel der Menschen, er ist der Ursprung. Die G\u00f6tter stehen f\u00fcr die Kr\u00e4fte des Universums: physikalische Kr\u00e4fte, psychologische und emotionale Kr\u00e4fte, Lebenskr\u00e4fte und Kr\u00e4fte, die wir noch nicht benennen k\u00f6nnen, denn es w\u00e4re albern zu denken wir w\u00fcssten schon alles. Wenn ich also in einen indischen Tempel gehe, so ist das eine Verbindung der Erfahrungen aus Europa, erweitert durch die Erfahrung einer lebendigen Tradition, die verschiedene Arten der Yoga integrierte. Die <u>Sutras<\/u> sind eine Sache, eine andere ist die Vibration. Vibration ist das Zentrum indischer Spiritualit\u00e4t. In dem Laut <u>OM<\/u> kommt das zum Ausdruck. Materie und Energie, Bewusstsein, Leben sind lediglich verschieden Formen von Vibration. In der indischen Philosophie in der Interpretation von Sri Aurobindo gibt es daher 7 Ebenen der Existenz: Materie, Leben, rationaler Geist, ideales Wissen, Seligkeit, Bewusstsein und reine Existenz. Es ist nicht sinnvoll, die Kultur Indiens verstehen zu wollen, ohne diese Unterscheidung wahrzunehmen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Beim Eintreten in einen Tempel habe ich das Gef\u00fchl, dass alle diese Ebenen aktiviert werden. Diese Aktivierung des holistischen Selbst bildet sich in den alten Tempeln in Form des <u>Vastupurusamandalas<\/u> ab. Vastu ist die Kunst der Architektur, Purusa die Urseele, Mandala die heilige geometrische Form. Diese drei Elemente bilden die Matrix der meisten alten gro\u00dfen Tempel Indiens. Beim Eintreten in einen Tempel trete ich also ein in einen spirituellen Raum. Die Tempel sind nicht Abbild von Gesellschaft und Selbstbild des Menschen, sie sind f\u00fcr viele Gesellschaft an sich und Kern menschlicher Existenz. Sie beruhen auf einem holistischen Wissen, dass nicht nur unsere 7 Formen der Existenz anerkennt, sondern auch die verschiedenen Wissensformen synthetisiert. Denn schon zur Zeit der Veda gab es das Wissen der Kunst und Musik, des Ayurvedas, der Sutras, verschiedener Formen des Yoga: Karma (Aktion), Hatha (Kraft), Tantra (Energie), Bhakti (Gebet), Jnana (Wissen), Raja (Meditation).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Tempel sind f\u00fcr ganz pers\u00f6nlich Universit\u00e4ten des Lebens. <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heilige R\u00e4ume wie katholische Kirchen bieten Kontemplation und Stille. Tempel in Italien, Frankreich, Griechenland und \u00c4gypten sind beeindruckende Ruinen, die eine Verbindung zur Natur und Geschichte erm\u00f6glichen. Der Geist des Polytheismus pr\u00e4gt diese Orte. OM dr\u00fcckt dies aus.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3808,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[371,2,912,3,373,4,911],"tags":[28,35,21,20,40],"class_list":["post-4394","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aurobindo","category-bewusstsein","category-kosmos","category-kultur","category-kunst","category-reisen","category-tantra","tag-denken","tag-ich","tag-karma","tag-religion","tag-zeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4394"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4394\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4532,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4394\/revisions\/4532"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}