{"id":4104,"date":"2023-05-23T09:41:37","date_gmt":"2023-05-23T04:11:37","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=4104"},"modified":"2025-08-24T10:16:19","modified_gmt":"2025-08-24T04:46:19","slug":"die-macht-der-musik-eine-meditation-ueber-bewusstsein-und-innere-raeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/die-macht-der-musik-eine-meditation-ueber-bewusstsein-und-innere-raeume\/","title":{"rendered":"Die Macht der Musik: Eine Meditation \u00fcber Bewusstsein und innere R\u00e4ume"},"content":{"rendered":"\n<p>Soweit mein Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckreicht, erinnere ich mich, dass ich immer gerne Musik geh\u00f6rt habe. Es ist eine Sache der Konzentration, des Genusses, der Hingabe, der Selbstaufl\u00f6sung. Es war mir immer ein R\u00e4tsel, was diese Kraft der Musik ist, denn sie ist ja sehr fl\u00fcchtig, ephemere, sie kommt meist aus einem Lautsprecher. Ein technischer Apparat produziert Schallwellen und die Zuh\u00f6rer versinken in inneren Landschaften. Was passiert da? Es ist die <a href=\"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/vibration\/\">Vibration<\/a>. In der <a href=\"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/intermiscence-kena-upanischade\/\">Kenaupanischade<\/a> wurde deutlich, dass die Vermischung verschiedener Vibrationen Bewusstsein konstituiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte das heute versuchen, etwas zu differenzieren. Ausgehend von einem meditativen Zustand stellt sich die Frag nach der qualitativen Konstitution dieses Bewusstseins. Im Zustand hoher Konzentration werden die Sinneseindr\u00fccke von au\u00dfen reduziert. Es ist nicht wirklich m\u00f6glich, die Au\u00dfenwelt stumm zuschalten, aber es ist eben m\u00f6glich, sich so zu konzentrieren, dass die Sinneseindr\u00fccke in einer ersten Stufe eben als solche wahrgenommen werden und in einer zweiten Stufe aus dem Bewusstsein &#8218;entlassen&#8216; werden. Es ist weniger eine ph\u00e4nomenologische Epoche, in der die Existenz der Au\u00dfenwelt in eine epistemische Klammer gesetzt wird, also die Frage nach deren Existenz offen gehalten wird, sondern eher ein Entzug der Aufmerksamkeit. Es ist eine teilnahmslose Beobachtung: Ah dieser Eindruck ist nun pr\u00e4sent, oder dieser Gedanke kommt, oder jene Erinnerung erscheint&#8230; All diese als das, was sie sind, vorbeiziehen zu lassen, ist eine erste Stufe der Meditation. In einer inneren Schau wird dann deutlich, wie sich Bewusstsein konstituiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Innere R\u00e4ume<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Raum, der erf\u00fcllt ist von Bewusstsein, er\u00f6ffnet sich. Das reagiert jedoch nicht auf Sinnesreize, sondern rein und klar ist. Hier zeigen sich die Kr\u00e4fte des Bewusstseins: mein K\u00f6rper (Materie), mein Atem (die Lebensenergie\/Prana), mein Geist (der analysiert und visualisiert), die Erfahrung von Dasein (Entz\u00fccken\/Annanda), reines Bewusstsein (Chit). In diesem Bewusstsein, das sich seiner verschiedenen Ebenen bewusst ist, bewegt sich das selbst frei. Hier begegnet sich das Selbst (Atman) mit der Seele (Puruscha) und erahnt, dass Bewusstsein an sich, das alles umfasst (Brahman) der Sch\u00f6pfer ist (Sat). Hier werden dann auch die Kr\u00e4fte unserer Welt als solche sichtbar: Liebe, Krieg, Mitgef\u00fchl, Genu\u00df, Sch\u00f6nheit, Leid in all ihren Ausformungen. Sie sind real in unserem Bewusstsein und es ergibt wenig Sinn, sie zu leugnen. Wir erfahren sie, und wir benennen sie und wir kommunizieren und teilen sie, wir leben sie aus und verwirklichen sie, sie werden zu ganz realen Kr\u00e4ften der Welt, wirken in ihnen. All das ist unbestreitbar. Es ist ein wenig schwer erkl\u00e4rbar und deshalb tut die Wissenschaft oft so, als ob sie epiphenomenal seien, also blo\u00df unbedeutende Begleiterscheinungen physikalischer Prozesse. Aber das ist nicht sehr klug, da es uns unserer eigenen Essenz beraubt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Musik<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich habe hier ein wenig ausgeholt, weil ich denke, dass dieser innere Raum einige Vorzimmer hat, und die Kunst belegt ganz viele dieser Vorzimmer. In der Musik z. B. trete ich ein in einen inneren Raum, der durch Vibrationen erzeugt wird. In ihm kann ich mich frei bewegen, denn die Musik hilft mir, alles was nicht Musik ist, vorbeiziehen zu lassen. In diesem Raum also kann ich dann innere Reisen vollziehen, deshalb gehen wir immer wieder in musikalische R\u00e4ume, wenn wir gl\u00fccklich oder traurig sind. Wir durchleben vergangene Erfahrungen erneut und verarbeiten sie. Dies sind grundlegende psychologische Prinzipien. Aber auch hier k\u00f6nnen wir die Leiter des Bewusstseins klettern. Unser K\u00f6rper und unser Atem kann im Tanz erkundet werden, unser Geist kann die Musik visualisieren, ihre Struktur verdeutlichen, ihre Komposition, Durchf\u00fchrung, Interpretation vor das innere Auge bringen. Wenn ich mich aber wirklich konzentriert und kontemplativ der Musik hingeben, wie ich das am besten inzwischen bei <a href=\"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/dhrupad\/\">Dhrupa<\/a> von Bahauddin Dagar tue, dann wird die Musik zu reiner Sinnlichkeit (<a href=\"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/na%e1%b9%adyasastra\/\">Rasa<\/a>). Und pl\u00f6tzlich ist die Frage nicht mehr, wie ein technischer Apparat Schallwellen produzieren kann, die solch ein Bewusstsein erzeugen k\u00f6nnen. Diese Frage geh\u00f6rt der Welt des rationalen Geistes an. Die Musik selbst, also die Vibration, mit der sich mein Bewusstsein verschmelzt, er\u00f6ffnet einen anderen Raum, einen Raum der Simulation, Kontemplation, Erkenntnis und des Lichts. Aktives H\u00f6ren von Musik ist sehr nah an tiefer Meditation.<\/p>\n\n\n\n<p>Worum es mir geht, ist der Erfahrung ihren Raum zu lassen und sie nicht in reduktionistischen Widerspr\u00fcchen zu zerreiben. Musik findet in den Vorzimmern des meditativen Raumes statt. Und das ist fast identisch f\u00fcr Malerei, Skulptur, Tanz, Architektur, Literatur und Poesie etc&#8230; wenn ich mich auf ihre Kernqualit\u00e4ten einlasse. Sie hat hier ihren Sinn. Die Frage, was Musik sei, ist zwar nicht vollst\u00e4ndig beantwortet, aber mir ist ihre Funktion, ihr Sinn, ihre Wirkung nun etwas klarer. Es ist kein mysteri\u00f6ses Geheimnis mehr, sondern ein wundersch\u00f6nes Werkzeug. Sie geh\u00f6rt zu Saraswati.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst, so scheint es mir inzwischen, wird in Indien von hier aus verstanden. Und von hier aus wird dann auch Ananda Coomaraswamy&#8217;s Kritik an westlicher Kunst als &#8218;<a href=\"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/geschichten-erzaehlen\/\">retinal<\/a>&#8218; klar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>erfahren wir die Kraft des Bewusstseins durch die Vermischung verschiedener Vibrationen. Dieser Text erforscht die Konstitution des Bewusstseins in einem meditativen Zustand.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4061,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[2,3,373,374,375,376],"tags":[428,159,35,44,140,18,205,19,135,405],"class_list":["post-4104","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bewusstsein","category-kultur","category-kunst","category-meditation","category-philosophie","category-upanischaden","tag-dhrupad","tag-erfahrung","tag-ich","tag-leben","tag-leid","tag-liebe","tag-musik","tag-seele","tag-selbst","tag-vibration"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4104"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4104\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5560,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4104\/revisions\/5560"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}