{"id":3088,"date":"2023-02-11T11:38:14","date_gmt":"2023-02-11T06:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=3088"},"modified":"2025-08-24T08:02:33","modified_gmt":"2025-08-24T02:32:33","slug":"leibniz-moegliche-welten-leben-wir-in-der-besten-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/leibniz-moegliche-welten-leben-wir-in-der-besten-welt\/","title":{"rendered":"M\u00f6gliche Welten"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich m\u00f6chte gerne an den \u00dcberlegungen zu <a href=\"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/diagramme-philosophisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Diagrammen<\/a> anschlie\u00dfen. Ich erw\u00e4hnte da einige Probleme der Logik. Nun wurde ich auf eine Stelle bei Aurobindo aufmerksam:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\" style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Logic, by its very nature, is intolerant even of apparent contradiction; its method is verbal, ideative; it accepts words and thoughts as rigid and iron facts instead of what they really are, imperfect symbols and separate sidelights on truth.<cite>&#8220; (Aurobindo Isha Upansiad p. 570)<\/cite><\/p>\r\n<p>Eine Zeit lang war ich angetan von der Logik m\u00f6glicher Welten. David Lewis ist ein Philosoph, den wir im Oberseminar diskutierten. 1986 erschien <em><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/On_the_Plurality_of_Worlds\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">On the Plurality of Worlds<\/a><\/em>. Die Grundidee ist eine radikale Antwort auf ein gro\u00dfes Problem der Logik in der Epistemologie. Wenn sich wahre S\u00e4tze auf Fakten in der Welt beziehen, worauf beziehen sich falsche S\u00e4tze? Davis Lewis antwortet darauf etwas verk\u00fcrzt, dass es eigentlich keine falschen S\u00e4tze gibt. S\u00e4tze k\u00f6nnen nur relativ zu einer Welt falsch sein. Ein Satz wie z. B. \u201eVor meinem Fenster steht ein Baum&#8220; ist genau dann wahr, wenn vor meinem Fenster ein Baum steht. Sagt ein anderer Mensch diesen Satz an einem Ort, an dem es keine B\u00e4ume gibt, ist der Satz falsch. Es h\u00e4ngt also vom Kontext ab. Sehr wenige S\u00e4tze sind allgemeing\u00fcltig wahr. Zu ihnen geh\u00f6ren z. B. S\u00e4tze der Mathematik.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontrafaktische S\u00e4tze<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn S\u00e4tze im \u201arichtigen\u2018 Kontext verwendet werden, wenn sie sich also auf Fakten beziehen, sind sie wahr. Sie bedeuten das, was der Fall ist. Es ist nat\u00fcrlich etwas komplizierter. Alfred Tarski hatte da 1936 ein sch\u00f6nes R\u00e4tsel gefunden: die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tarskis_Undefinierbarkeitssatz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Undefinierbarkeitss\u00e4tze<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\" style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Informell sagt der Satz, dass der Begriff der Wahrheit in einer Sprache nicht mit den Ausdrucksmitteln der Sprache selbst definiert werden kann. Die Beweisf\u00fchrung erfolgt \u00fcber die sogenannten Tarski-S\u00e4tze, selbstreferenzielle S\u00e4tze der Form: <em>ich bin ein Element von M<\/em> f\u00fcr eine Menge M. W\u00e4hlt man f\u00fcr M die Menge aller falschen S\u00e4tze eines Systems, f\u00fchrt die Konstruktion eines Tarski-Satzes zu einem Widerspruch: Ein wahrer Satz, der im System unbeweisbar ist. Daraus l\u00e4sst sich folgern, dass die Menge aller wahren S\u00e4tze eines Systems nicht innerhalb dieses Systems definierbar ist.&#8220; <cite>(Wikipedia)<\/cite><\/p>\n\n\n\n<p><p>Das Problem ist nicht trivial. Was bedeuten S\u00e4tze, die nicht beweisbar sind? Wir haben jetzt also schon mit zwei Sorten von Problemen zu tun. Zuerst die Frage danach, was S\u00e4tze im falschen Kontext bedeuten, und dann die Frage, was S\u00e4tze bedeuten, die nicht beweisbar sind. David Lewis sagt, dass solche und \u00e4hnliche Probleme ganz einfach zu l\u00f6sen sind. Es gibt eine unendliche Anzahl von Welten. Alle S\u00e4tze sind wahr, nur eben nicht unbedingt in unserer Welt. Wenn ein Satz hier nicht wahr ist, dann gibt es eine Welt, in der der Satz wahr ist, es ist eben nur nicht meine Welt. Ich habe mit dieser Welt keine Beziehung, wir teilen nicht den gemeinsamen Raum oder die Zeit, es gibt keine kausalen Verbindungen oder andere Wirkmechanismen, die diese Welten verbinden. Sie m\u00fcssen aber existieren, weil sie sagbar sind. Alles, was sagbar ist, ist also wahr, d. h., es ist der Fall, d. h. es ist real \u2013 in einer von unendlich vielen m\u00f6glichen Welten. Sind das nun aber wiederum abz\u00e4hlbar unendlich viele Welten oder unabz\u00e4hlbar unendlich viele Welten (d. h. unendlich viele Welten in der Klasse der nat\u00fcrlichen Zahlen, oder mehr, d. h. in der Klasse der rationalen Zahlen, oder sogar irrationalen Zahlen)? Die R\u00e4tsel gehen weiter&#8230;<\/p><br><h3>Ein sich selbst transzendierender Materialismus<\/h3><br><p>Mich fasziniert das, weil David Lewis das ernst meint. Die Logik f\u00fchrt hier gewisserma\u00dfen \u00fcber sich selbst hinaus. Das ist gro\u00dfartig. Mir kam das wie ein Gottesbeweis vor. Die Physik hat \u00e4hnliche Ideen vom Multiversum, Dark Matter, Theory of everything oder was sonst noch so w\u00e4chst im bunten Garten der Suchenden nach der grand unifyed theory. Der Kosmos ist viel komplexer, als wir ihn wahrnehmen oder denken k\u00f6nnen. Das wirklich Allermeiste kennen wir nicht. Edwin A. Abbott hat da eigentlich sehr lustig mit seinem Klassiker von 1884 &#8222;<i>Flatland: A Romance of Many Dimensions<\/i>&#8220; darauf hingewiesen.<\/p><br><p>Die Universen sind wohl viel verr\u00fcckter, als wir uns das tr\u00e4umen k\u00f6nnen. Und mich beeindruckt immer wieder, dass die Vedas das schon wussten:<\/p><br><div class=\"page\" title=\"Page 19\"><br><div class=\"layoutArea\"><br><div class=\"column\"><br><p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;He who knows That as both in one, the Birth and the dissolution of Birth, by the dissolution crosses beyond death and by the Birth enjoys Immortality.&#8220; (Isha Upanishad, 14. \u00dcbersetzt von Aurobino )<\/p><br><\/div><br><\/div><br><\/div><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entdecken Sie in diesem Text die Probleme der Logik und die radikale Antwort von David Lewis auf diese Probleme. Erfahren Sie mehr \u00fcber die Bedeutung von S\u00e4tzen in verschiedenen Kontexten und die Undefinierbarkeit von Wahrheit.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3102,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[371,2,912,375,376],"tags":[41,28,354,35,57,31,135,40],"class_list":["post-3088","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aurobindo","category-bewusstsein","category-kosmos","category-philosophie","category-upanischaden","tag-beziehung","tag-denken","tag-grand-unified-theory","tag-ich","tag-jetzt","tag-moegliche-welten","tag-selbst","tag-zeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3088"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3088\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5521,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3088\/revisions\/5521"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}