{"id":2622,"date":"2022-12-05T06:36:23","date_gmt":"2022-12-05T02:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=2622"},"modified":"2025-08-10T16:31:19","modified_gmt":"2025-08-10T11:01:19","slug":"intermiscence-kena-upanischade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/intermiscence-kena-upanischade\/","title":{"rendered":"Intermiscence &#8211; Kena Upanischad"},"content":{"rendered":"<p>Gerade komme ich von einer Andachtsmeditation zur\u00fcck. Es ist der Jahrestag von Sri Aurobindo. Er hat vor 72 Jahren seinen K\u00f6rper verlassen, wie man hier sagt.<\/p>\n<p>Ich habe die letzten Tage viel \u00fcber seine Kommentare der Kena Upanischad nachgedacht und gesprochen. Ich stie\u00df da auf das Wort &#8218;intermiscence&#8216;. Es wird fast nur von Aurobindo verwendet. Ich fragte alle Menschen, die ich traf, was das Wort hei\u00dft. Ein Freund hier fand als eine \u00dcbersetzung ins Deutsch \u201aineinanderflie\u00dfen\u2018 (es beschreibt im Deutschen das Mischen von Fl\u00fcssigkeiten).<\/p>\n<p>Dieses Wort erscheint an einer so zentralen Stelle bei Aurobindo, und es so einzigartig, dass mein akademischer Geist neugierig geworden ist. Warum ein solch ungew\u00f6hnliches Wort an so einer wichtigen Stelle?<\/p>\n<h2>Kena Upanischade<\/h2>\n<p>Um was geht es? In der Kena Upanischad steht die Frage im Zentrum, wer beim Denken denkt, wer beim H\u00f6ren h\u00f6rt, wer beim Sehen sieht&#8230; Aurobindo&#8217;s Kommentar ist eine philosophische Analyse. Er beschreibt dort ein ganzes philosophisches System, eine Skizze von Epistemologie, Metaphysik, Empirismus, Sprachphilosophie, Bewusstseinstheorie.<\/p>\n<p>In den Upanischaden geht es immer wieder um die Frage, wer oder was wir sind. Unser Geist, unsere Individualit\u00e4t, unsere Seele, was ist die Welt, wer hat sie erschaffen, wie funktioniert der Kreislauf des Lebens. Vieles f\u00e4ngt \u2013 \u00e4hnlich wie bei Deleuze \u2013 mit der Vibration an, dann kommt der Rhythmus und dann eine Gruppierung, Ausdifferenzierung und Bewegung. In der Verstetigung entstehen Kraft und schlie\u00dflich Form. Dies ist das Geheimnis der Sch\u00f6pfung, die Vibration, die Urkraft.<\/p>\n<p>In der rationalen Welt wird diese Vibration wissenschaftlich aufgefasst. In der spirituellen Welt als Bewusstsein, ein Ur-Bewusstsein \u2013 Brahman \u2013 das sich ausdifferenziert, um sich selbst zu erkennen. Die Welt existiert als Manifestation dieses Ur-Bewusstseins und alles ist letztlich eins. Aurobindo&#8217;s Philosophie k\u00f6nnte man beschreiben als einen Versuch, die verschiedenen Ebenen dieser Ausdifferenzierung in den unterschiedlichen Bewusstseinsebenen zu identifizieren: Lebenskraft, die wir schon bei Kleinstlebewesen finden, verschiedene Formen von Wahrnehmungsbewusstsein und deren Synthese, reflektierendes und sprachliches Bewusstsein, Intuition, Erkenntnis. Sie bilden verschiedene Verh\u00e4ltnisse zur Welt (Aurobindo verweist hier auf vij\u00f1\u0101na, praj\u00f1\u0101na, sa\u1e41j\u00f1\u0101na und \u0101j\u00f1\u0101na).<\/p>\n<h2>Wie verbindet sich das, das beim Denken denkt, mit dem Gedachten?<\/h2>\n<p>Eine zentrale Frage ist doch, wer oder was &#8218;mein&#8216; Bewusstsein hat, wie es synthetisiert wird und in welchem Verh\u00e4ltnis es zu dem Ur-Bewusstsein Brahman steht.<\/p>\n<p>Der Absatz, in dem das Wort &#8218;intermiscence&#8216; auftaucht, beschreibt eine Vertiefung des Kontakts. Kontakt kann hier maximal breit verstanden werden: Kontakt zwischen Energie (Rhythmus), Materie, Bewusstsein, Sinneswahrnehmung etc&#8230; Die Erg\u00e4nzung von Kontakt durch &#8218;intermiscence&#8216; (ineinanderflie\u00dfen) beschreibt das, was wir eigentlich nicht verstehen k\u00f6nnen, d. h. die Verbindung zwischen Bewusstsein und Materie. Und es ist einsichtig, ein Wort zu verwenden, das theoretisch nicht vorbelastet ist, ein frisches Wort sozusagen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;But this vibration of conscious being is presented to itself by various forms of sense which answer to the successive operations of movement in its assumption of form. For first we have intensity of vibration creating regular rhythm which is the basis or constituent of all creative formation; secondly, contact or intermiscence of the movements of conscious being which constitute the rhythm; thirdly, definition of the grouping of movements which are in contact, their shape; fourthly, the constant welling up of the essential force to support in its continuity the movement that has been thus defined; fifthly, the actual enforcement and compression of the force in its own movement which maintains the form that has been assumed. In Matter these five constituent operations are said by the Sankhyas to represent themselves as five elemental conditions of substance, the etheric, atmospheric, igneous, liquid and solid; and the rhythm of vibration is seen by them as \u015babda, sound, the basis of hearing, the intermiscence as contact, the basis of touch, the definition as shape, the basis of sight, the upflow of force as rasa, sap, the basis of taste, and the discharge of the atomic compression as gandha, odour, the basis of smell.&#8220;<\/p>\n<p>Mir wurde das heute bei meiner Andachtsmeditation klarer.<\/p>\n<p>OM, Friede, Friede, Friede<\/p>\n<p>Wer ein bisschen tiefer in die Kena Upanischad einsteigen m\u00f6chte, sei hierauf verwiesen: <a href=\"https:\/\/www.sriaurobindoashram.org\/sriaurobindo\/writings.php\">Sri Aurobindo Vol 18<\/a> , p. 58<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade komme ich von einer Andachtsmeditation zur\u00fcck. Es ist der Jahrestag von Sri Aurobindo. 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