{"id":2434,"date":"2022-11-19T07:23:05","date_gmt":"2022-11-19T03:23:05","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=2434"},"modified":"2025-08-10T16:17:18","modified_gmt":"2025-08-10T10:47:18","slug":"elemente-feuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/elemente-feuer\/","title":{"rendered":"Elemente &#8211; Feuer"},"content":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich, dass ich seit meiner Kindheit immer ins Kaminfeuer gestarrt habe. Viele tun das, denke ich. Feuer hat etwas Faszinierendes. In den Veden ist Agni der Gott des Feuers, eines der 5 Elemente neben Wasser, Luft, Erde und \u00c4ther. Bei den Griechen gibt es diese Elemente ebenfalls. Ich habe das sehr lange nicht verstanden und fand das &#8218;unwissenschaftlich&#8216;. Ich dachte die Elemente von der Physik und Chemie her, und da macht das nur begrenzt Sinn.<\/p>\n<h2>Mythologie<\/h2>\n<p>Innerhalb der Mythologie und der spirituellen Erkenntnis aber ist das eigentlich vollkommen plausibel. In den Upanischaden werden verschiedene Seinsstufen des Bewusstseins unterschieden. Das allgemeine, ewige Bewusstsein, d. h. Bewusstsein an sich, formlos, allumfassend, unbestimmt \u2013 das Brahman. Dann gibt es die einzelnen Kr\u00e4fte, Energie, den Willen, Liebe, Wissen etc.. Diese sind als Seinsformen gedacht, als G\u00f6tter, als ein G\u00f6tterhimmel. Aus ihnen tritt Atman, das einzelne Selbst, heraus. Es wohnt in uns.<\/p>\n<p>Das klingt sehr befremdlich, alt, verkl\u00e4rt, unwissenschaftlich&#8230; aber eigentlich ist das doch ph\u00e4nomenal, gar nicht abzustreiten. Wir haben einen Willen, wir lieben und hassen, wir wissen und lassen uns t\u00e4uschen&#8230;. Wissenschaftlich erkl\u00e4ren k\u00f6nnen wir das nicht. Wir versuchen das \u00fcber funktionale Modelle (z. B. Darwinismus) oder reduktionistische Modelle (Neurowissenschaften), bzw. systematisch beobachtend (Sozialwissenschaften). Diese Modelle versuchen aber letztlich das, was uns ausmacht, auf eine materielle, systemische bzw. strukturelle Ebene zu reduzieren. Unsere Annahme ist: Wenn wir es wegerkl\u00e4rt haben, haben wir das \u201aProblem\u2018 gel\u00f6st. Was ist das f\u00fcr eine komische Vorstellung?<\/p>\n<p>Es gibt aber eigentlich keinen Streit \u00fcber die Existenz dieser Ph\u00e4nomene. Nur statt sie als Computermodelle zu visualisieren, gaben die Rishi, die Seher der Veden, ihnen G\u00f6tternamen. Sie sahen ihre Existenz und akzeptierten und benannten sie.<\/p>\n<h2>Visualisierung<\/h2>\n<p>Bleiben wir also vielleicht einen Moment bei den Bildern der Rishi.<\/p>\n<p>Die reine Existenz dr\u00fcckt sich aus, um sich selbst zu erkennen &#8211; durch einen Akt der Kreation. Wir nennen das in der Wissenschaft den Urknall. In der Kosmologie machen wir gute Fortschritte, die Ausformung von Materie, Galaxien, Planeten etc. zu beschreiben, und da wird sicherlich noch viel passieren. Die Computeranimationen sind inspirierend, die Weltraumbilder, die auf komplizierten Algorithmen beruhen, atemberaubend. Die Narrative \u00fcber Quarks und Elektronen, Gravitationskr\u00e4fte, Strings, Raumzeit, Kr\u00fcmmung der Zeit sind faszinierend, und f\u00fcr Nicht-Physiker eigentlich nicht zu verstehen. Wir akzeptieren die Zwischenst\u00e4nde der wissenschaftlichen Diskussionen als Wahrheiten, die popul\u00e4rwissenschaftlich aufgearbeitet auf Youtube-Kan\u00e4len Begeisterung finden. Einstein, Hawking u. a. sind unsere Rishi. Die Experten haben etwas verstanden, das wir nicht nachvollziehen und nicht \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. Nur die Peers, die wissenschaftlichen Kollegen, bzw. die Gemeinschaft der Rishi kann wirklich beurteilen, ob das nun Unsinn ist oder echtes Wissen.<\/p>\n<p>Vor 4000 Jahren waren die Bilder G\u00f6tter. Diese Denkbilder der Gottheiten sind unserer Erfahrung aber viel n\u00e4her als die abstrakten technischen Bilder. Sie beschreiben unsere Lebenswelt pr\u00e4ziser, ihre Einsicht ist tiefer, weil sie aus der Erfahrung sch\u00f6pft. Die Veden akzeptieren Bewusstsein. Sie verstehen, dass Bewusstsein vereinzelt in einer menschlichen Existenz keinen Sinn ergibt. In den monotheistischen Traditionsr\u00e4umen liegt hier das Kernproblem. Wie soll die Unsterblichkeit der Seele erkl\u00e4rt werden?<\/p>\n<p>In den Veden ist jedes Bewusstsein Teil des einen. Eigentlich gar nicht so kompliziert, nur unglaublich schwer zu verstehen, weil es voraussetzt, dass wir uns selbst nicht so wichtig nehmen, uns als Teil eines Ganzen verstehen und so handeln. Die Unsterblichkeit liegt in der Einsicht, sich selbst nicht als Zentrum zu verstehen. Der Weg dahin ist die Meditation.<\/p>\n<h2>Erfahrung<\/h2>\n<p>F\u00fcr mich ist es wichtig, auf der Ebene der Erfahrung zu bleiben. Das schr\u00e4nkt die Wissenschaft nicht ein, im Gegenteil, es gibt ihr neues Material. Mir ging es ja um das Feuer, die Energie, die Sonne und die Kraft, die alles bewegt. Jene Energie, die vernichtet und zugleich dar\u00fcber hinaus alles transformiert und bewegt. Eine Energie, die sich aus dem Opfer (Sacrifice) speist, denn Holz z. B. verbrennt im Feuer, erzeugt Energie und hinterl\u00e4sst Asche. Die Asche wird in den Tempeln in Indien auf die Stirn geschmiert, \u00fcber das dritte Auge, den Sitz der Erkenntnis.<\/p>\n<p>Wenn ich vor einem Feuer sitze, sehe ich diese Energie, ich sp\u00fcre sie in meinem Gesicht, auf meiner Stirn. Ein Holzfeuer ist in seiner Helligkeit so, dass es mich nicht blendet, aber in seinen Bann zieht. Es ist Gefahr und Zeichen, Energie, Kraft und Zerst\u00f6rung. Ich sehe im Feuer die Urkraft des Universums, das Abbild der Sonne, das Sinnbild der Reinheit und Klarheit.<\/p>\n<p>Om Namah Shivaya<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich, dass ich seit meiner Kindheit immer ins Kaminfeuer gestarrt habe. Viele tun das, denke ich. Feuer hat etwas Faszinierendes. In den Veden ist Agni der Gott des Feuers, eines der 5 Elemente neben Wasser, Luft, Erde und \u00c4ther. Bei den Griechen gibt es diese Elemente ebenfalls. 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