{"id":2326,"date":"2022-11-06T14:01:01","date_gmt":"2022-11-06T10:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=2326"},"modified":"2025-08-10T15:45:28","modified_gmt":"2025-08-10T10:15:28","slug":"wurzeln-essabres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wurzeln-essabres\/","title":{"rendered":"Wurzeln &#8211; Essbares"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/auroville.org\/page\/solitude-farm\">Solitude Farm<\/a> in Auroville, ist ein &#8218;food forrest&#8216;. Dies ist einer der wenigen englischen Begriffe, die sich im Deutschen schlecht durch ein Kompositum ausdr\u00fccken l\u00e4sst (Esswald?). Wir haben so etwas nicht, und k\u00f6nnen dar\u00fcber auch schlecht nachdenken. Eine Obstwiese, die wir mit anderen essbaren Jahrespflanzen und kurzlebigeren Pflanzen so weit verwildern lassen w\u00fcrden, bis wir einen dichten Dschungel aus lauter essbaren Pflanzen haben \u2026 Daf\u00fcr suche ich ein Wort. Es ist das Gegenteil einer &#8218;food dessert&#8216;, auch daf\u00fcr haben wir kein Wort im Kompositum im Deutschen, es meint einen Stadtteil, in dem es keine Gesch\u00e4fte mit frischen Lebensmitteln gibt. Das einzige, was es in urbanen &#8218;food desserts&#8216; gibt, sind Tankstellen und Kioske, die Chipst\u00fcten und S\u00fc\u00dfigkeiten, haltbares Toastbrot und chemischen K\u00e4se verkaufen.<\/p>\n<h2>Tamil<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5iOTq6kb4qM\">Krishna<\/a> hielt einen kurzen Vortrag. Seine Begeisterung f\u00fcr das Projekt, das er seit \u00fcber 20 Jahren verfolgt, war un\u00fcbersehbar, leidenschaftlich sp\u00fcrbar. Krishna ist aus England, spricht flie\u00dfen Tamil, oft musste er englische Worte f\u00fcr Tamilw\u00f6rter suchen. Die Kultur der Tamilen ist ihm nicht nur ans Herz gewachsen, sondern er scheint zutiefst verwurzelt zu sein in ihr. Und genau das ist es, was seine Kernbotschaft ist. Wir haben ein jahrtausendealtes Wissen dar\u00fcber, was in der Umwelt, in der wir leben, w\u00e4chst, was wir essen k\u00f6nnen, wie wir es zubereiten k\u00f6nnen, welchen nahrungsenergetischen Wert die Pflanzen haben und welche Heilwirkung sich mit ihnen erzielen l\u00e4sst.<\/p>\n<h2>Gro\u00dfmutters Wissen<\/h2>\n<p>Unsere Gro\u00dfm\u00fctter haben dieses Wissen, wir h\u00e4tten es auch noch irgendwo in uns, nur eben vergessen. Natur, wenn wir sie lassen und nur hier und da ein wenig lenken, hat uns mehr zu bieten als unsere chemischen Erfindungen. Seine Kernbotschaft: Das alte Wissen aktivieren, die Natur machen lassen, mit den Fr\u00fcchten verantwortungsvoll, gemeinschaftlich und \u00f6kologisch umgehen&#8230;.<\/p>\n<p>Inspiration bezieht Krishna von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Masanobu_Fukuoka\">Masanobu Fukuoka<\/a>, einem Pionier der Permakultur. Er traf ihn vor vielen Jahren in Japan und sah seine \u201eNichts-Tun-Landwirtschaft\u201c mit eigenen Augen, er tr\u00e4gt seinen Geist weiter. Seinen Esswald darf man nur barfu\u00df betreten, jedes Kind h\u00e4tte das fr\u00fcher gewusst. W\u00e4hrend er \u2013 durch den kleinen Wald von 1 bis 2 Hektar streifend \u2013 erz\u00e4hlt, pfl\u00fcckt er Bl\u00e4tter, isst sie und benennt sie mit Tamilnamen. Seine Stimme \u00fcberschl\u00e4gt sich gerade vor Enthusiasmus \u00fcber die Reichhaltigkeit, die der kleine Wald bietet. Die meisten Pflanzen kamen von selbst. Das Wort Unkraut kennt er nicht. Ein Freund in Auroville brachte ein St\u00fcck Land, das im 20. Jahrhundert so weit heruntergewirtschaftet worden war, dass es nur noch eine Steinw\u00fcste war, innerhalb von 5 Jahren in den Zustand eines Esswaldes. Sehr viel Arbeit sei das, aber lohnend und nachhaltig.<\/p>\n<p>\u00dcber ein Essenskistenprinzip k\u00f6nnen Farmer so wesentlich besser leben, der Gemeinschaft und der Natur geht es so auch besser.<\/p>\n<h2>Lernen<\/h2>\n<p>Eine Gruppe von Studierenden aus Pondicherry war an diesem Tag mit ihrem Dozenten da. Sie wollten Textbuchwissen haben. &#8218;Nutzt euren Campus, um Gem\u00fcse f\u00fcr die Kantine anzubauen, ermutigt eure Studenten, nicht bei den Fast-Food-Ketten direkt vor dem Campus zu essen, fragt eure Gro\u00dfm\u00fctter. Das Wissen ist da, ihr m\u00fcsst es nur nutzen&#8216;, war seine Antwort. Ansonsten g\u00e4be er nat\u00fcrlich gerne verschiedene Workshops zum praktischen Vorgehen.<\/p>\n<p>Die alte Frau, die hier auf dem Land geboren wurde und im Hintergrund auf dem Boden sa\u00df, verstand kein Englisch. Sie wei\u00df, was zu tun ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Solitude Farm in Auroville, ist ein &#8218;food forrest&#8216;. Dies ist einer der wenigen englischen Begriffe, die sich im Deutschen schlecht durch ein Kompositum ausdr\u00fccken l\u00e4sst (Esswald?). Wir haben so etwas nicht, und k\u00f6nnen dar\u00fcber auch schlecht nachdenken. Eine Obstwiese, die wir mit anderen essbaren Jahrespflanzen und kurzlebigeren Pflanzen so weit verwildern lassen w\u00fcrden, bis [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2310,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[2,3],"tags":[340,17,35,44,135,186,200],"class_list":["post-2326","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bewusstsein","category-kultur","tag-essen","tag-herz","tag-ich","tag-leben","tag-selbst","tag-wald","tag-wissen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2326","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2326"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2326\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5186,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2326\/revisions\/5186"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}