{"id":1403,"date":"2022-08-12T12:34:31","date_gmt":"2022-08-12T12:34:31","guid":{"rendered":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/?p=1403"},"modified":"2025-08-10T15:03:52","modified_gmt":"2025-08-10T09:33:52","slug":"wachstumsschmerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/readingdeleuzeinindia.org\/de\/wachstumsschmerzen\/","title":{"rendered":"Wachstumsschmerzen"},"content":{"rendered":"<p>Ein intensiver Monat endet. Umzug, r\u00e4umliche Trennung, Freunde, die sich trennen, die Liebe von Patenkindern, neue Freundschaften, Sehns\u00fcchte, Warten&#8230; Ich k\u00f6nnte ein Drehbuch schreiben \u00fcber die letzten Wochen in der Provence. Jeder Tag gef\u00fcllt von Schmerz, Mitgef\u00fchl und Liebe &#8211; kollektiv in verschiedenen Konstellationen. Ich m\u00f6chte aber nicht diese kleinen Geschichten erz\u00e4hlen, obgleich Marcel Pagnol vielleicht seine Freude daran gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Was mich besch\u00e4ftigt, ist die Frage nach dem Schmerz. Leben ist Leiden, sagen Buddhisten &#8211; sehr verk\u00fcrzt. Das Wollen und Verlangen sind die Ursachen f\u00fcr Frustration und Leid. Aber auch das Leben selbst, Durst und Hunger, das Verlangen des K\u00f6rpers, es erzeugt Leiden. Ich habe das nie ganz verstanden. Ich verstehe, dass Verlangen, das nicht zur Ruhe kommt, immer mehr Verlangen erzeugt. Dieses Verlangen zur Ruhe zu bringen, ist Teil meditativer und spiritueller Praxis. Und die Momente des Gl\u00fccks? Erzeugen die nur mehr Verlangen, oder k\u00f6nnen wir diese nicht als solche einfach sein lassen? D.h. im Loslassen genie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute traf ich einen Nachbarn. Bei all den Ver\u00e4nderungen im Moment wei\u00df ich immer nicht, wie ich Nachfrage beantworten soll. Meistens sage ich: Ich wei\u00df es nicht. Er hatte das sofort verstanden, er verteidigte mich in der Runde und sagte, er wei\u00df das einfach nicht, das ist es, was es hei\u00dft, loslassen zu k\u00f6nnen. Ich habe mich dar\u00fcber sehr gefreut.<\/p>\n<p>Wenn wir an etwas sehr h\u00e4ngen, f\u00e4llt es uns schwer, es loszulassen. Manchmal sind das praktische Zw\u00e4nge. Wir hatten uns daran gew\u00f6hnt. Nun hei\u00dft es Abschied nehmen. Das erzeugt Leid. Besser also gar nicht z. B. eine Verbindung eingehen? Und wenn eine Verbindung sich l\u00f6st, dann einfach gelassen bleiben? Geht das \u00fcberhaupt? Ist es nicht vielmehr das, was unser Leben ausmacht, diese intensiven Erfahrungen?<\/p>\n<p>Eine Phase vielleicht. Unser geistiges und spirituelles Wachsen durchl\u00e4uft diese Phasen. Siddhartha wurde nicht im Alter von 5 erleuchtet, sondern als Erwachsener, der schon sehr viel erlebt hatte, vieles gesehen hatte&#8230; Wachstumsschmerzen also. Was uns nicht umwirft, macht uns stark? Das ist nat\u00fcrlich Quatsch, im Kern aber doch interessant, denn die Grenzerfahrung l\u00e4sst uns wachsen. Neues entdecken, es durchleben und dann loslassen k\u00f6nnen. Nur so k\u00f6nnen wir uns wirklich entfalten. Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn wir in dem Durchleben nicht den Planeten ruinieren. Achtsam bleiben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein intensiver Monat endet. Umzug, r\u00e4umliche Trennung, Freunde, die sich trennen, die Liebe von Patenkindern, neue Freundschaften, Sehns\u00fcchte, Warten&#8230; Ich k\u00f6nnte ein Drehbuch schreiben \u00fcber die letzten Wochen in der Provence. Jeder Tag gef\u00fcllt von Schmerz, Mitgef\u00fchl und Liebe &#8211; kollektiv in verschiedenen Konstellationen. 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