Wissen – New Spirits – Reading Deleuze in India https://readingdeleuzeinindia.org/de Bewusstsein existiert nur in Verbindung mit anderem Bewusstsein Wed, 01 Oct 2025 09:32:15 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 https://readingdeleuzeinindia.org/wp-content/uploads/2022/06/cropped-small_IMG_6014-32x32.jpeg Wissen – New Spirits – Reading Deleuze in India https://readingdeleuzeinindia.org/de 32 32 Musik – Nāda-Brahman https://readingdeleuzeinindia.org/de/musik-nada-brahman/ Wed, 01 Oct 2025 09:32:12 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=5596

Erste Begegnungen mit Ragas Als Jugendlicher hörte ich stundenlang Ragas. Ich wusste gar nichts über sie. Ich schlug ein wenig nach: Mikrotonalität, Meditation, Tonfolge. Mehr verstand ich nicht. Es waren aber die tiefsten Musikerfahrungen – eine Meditation zur Musik. Bis heute führen mich Ragas in mein Inneres oder in tiefe Erkenntniszustände, die jedoch nicht rational […]]]>

Erste Begegnungen mit Ragas

Als Jugendlicher hörte ich stundenlang Ragas. Ich wusste gar nichts über sie. Ich schlug ein wenig nach: Mikrotonalität, Meditation, Tonfolge. Mehr verstand ich nicht. Es waren aber die tiefsten Musikerfahrungen – eine Meditation zur Musik. Bis heute führen mich Ragas in mein Inneres oder in tiefe Erkenntniszustände, die jedoch nicht rational sind. Eher ist es eine Art und Weise, in der Welt zu sein.

Musik als gemeinsamer Raum und reine Energie

Das Hören von Musik zieht uns alle in die Gefilde der emotionalen Landschaften, des Tagträumens, der ästhetischen Erfahrung. Es ist emotional, abstrakt, zeitlich; es erlaubt, die anderen Sinne ein- oder auszublenden, Erinnerungen abzurufen oder etwas zu vergessen. Wir können eine Zukunft erträumen, uns sehnen oder Emotionen ausdrücken – sie herauslassen.

Wenn wir gemeinsam musizieren, praktizieren, tanzen, gemeinsam hören oder auch nur Musik empfehlen, so betreten wir einen gemeinsamen Raum. Dieser Raum ist eine andere Dimension. Er hat keine materielle Referenz wie die anderen Sinne sie haben (z. B. in der darstellenden Kunst oder beim Kochen). Die Musik entspricht dem Äther, dem Raum an sich. Die Vibration bedarf eines physikalischen Trägers, ist aber selbst bloß reine Energie.

Musik, Bewusstsein und die vierte Realität

Wenn meine Sinne sich vermischen – der Geruch, die Berührung, der Klang, der Geschmack und das Sehen – so vereinen sich die Botenstoffe meines Nervensystems irgendwo in mir, vielleicht in meinem Kopf oder meinem Herz, und bilden dort eine Grundlage für Bewusstsein. Dieser Ozean des Bewusstseins, der sich aus den Sinnen speist, kann durch sie auf eine Realität zugreifen: Das nennen wir Wachzustand.

Im Traumzustand greifen wir auf eine andere Realität zu, eine Realität aus Erinnerungen, Gefühlen, Phantasien. Oder wir gehen in den Tiefschlaf, wo die Sinne kein Bewusstsein erreichen. Da ich jedoch weiter existiere, wie ich jeden Morgen erfahre, war mein Selbst anscheinend ganz woanders. Wahrscheinlich war es dort, wo die materielle Welt, wie wir sie verstehen, unwichtig ist. Wir waren im dunklen Ozean reiner Existenz.

In der Māṇḍūkya-Upanishad wird aber noch von einem vierten Zustand gesprochen – jener Zustand, der vielleicht als „erleuchtet“ bezeichnet werden kann. In diesem Zustand sind wir wach, aber nicht an unsere Sinne gebunden. Wir nehmen nicht wahr, träumen aber auch nicht, wir schlafen nicht und erfassen doch eine höhere Realität. Wir wissen um die Welt in einem tieferen Sinn. Ich sehe mein Inneres und die Welt als solche, ich verstehe, dass mein Alltagsbewusstsein funktional, aber beschränkt ist. Ich werde mir meiner Ignoranz bewusst. Ich weiß, dass ich nichts weiß. Ich bin eins mit der Welt, obgleich ich außerhalb ihrer zu sein scheine. Man könnte hier über die Ideen des Transzendentalen, der Advaita oder der Immanenz spekulieren. Das lasse ich aber lieber, da sich das in intellektuellen Spielereien verliert.

Musik, und für mich persönlich Ragas, haben etwas von dieser vierten Realität. Ich möchte hier ausdrücklich nicht sagen, dass Musikhören einem erleuchteten Zustand gleicht, und doch lege ich diese Parallele nahe. Ich schlafe nicht und nehme nicht wahr, ich träume nicht und bin hellwach. Ich fühle mich in einer Welt, die oftmals intensiver ist als die Realität. Manchmal flüchte ich mich in sie. Wenn ich aber hochkonzentriert höre, eins werde mit der Musik, dann leuchtet etwas in mir – in einer Reinheit und Klarheit, die ich sonst nur aus der Meditation kenne.

In der Musik identifizieren wir uns mit etwas. Die Musik ist ein Träger von etwas, zu dem ich werden kann. In der Meditation kann ich auch zu etwas werden; wenn es gut läuft, werde ich eins.

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Das wahre Selbst https://readingdeleuzeinindia.org/de/das-wahre-selbst/ Fri, 22 Aug 2025 12:09:53 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=5295

Im Zen geht es darum, das wahre Selbst zu finden. Das gibt es aber nicht, und das ist das Mysterium unserer Existenz. In einer Welt der Repräsentationen, kognitiver Dissonanzen und alternativer Fakten tut es wohl, in das Wesen der Existenz, in ein nicht-duales Sein zu versinken. Denken hilft da nur sehr begrenzt, denn Denken ist […]]]>

Im Zen geht es darum, das wahre Selbst zu finden. Das gibt es aber nicht, und das ist das Mysterium unserer Existenz. In einer Welt der Repräsentationen, kognitiver Dissonanzen und alternativer Fakten tut es wohl, in das Wesen der Existenz, in ein nicht-duales Sein zu versinken. Denken hilft da nur sehr begrenzt, denn Denken ist ja eigentlich immer ein An-etwas-Denken, ein Über-etwas-Nachdenken. Denken ist eine Tätigkeit, die sich auf etwas bezieht, das sich mit Repräsentationen von Welt beschäftigt. Das, was ich denke, was auch immer es sei, ist nicht real im materiellen Sinn. Es kann etwas Materielles repräsentieren. Denken oder allgemeiner Geist und Materie denken wir verschieden. Das ist das Grundproblem des Denkens: Denken kann nicht nicht-dual sein. Es ist gefangen in der Dualität, kann diese aber nicht auflösen.

Das Selbst ist ganz anders, aber ähnlich in seinen Paradoxien. Das Selbst ist das, was uns antreibt, was uns bewusst sein lässt, das sich identifiziert und abgrenzt; es ist einzig und individuell. Es existiert aber nicht, weder materiell noch logisch-transzendental. Es mag verbunden sein mit der Seele, mit dem Herz-Geist, aber das hilft an dieser Stelle nicht weiter, weil es gefährlich tautologisch wird. Etwas, das wir nicht verstehen, können wir nicht dadurch verstehen, dass wir es mit etwas gleichsetzen, das wir auch nicht verstehen. Das lenkt nur ab.

Das wahre Selbst kommt dann zum Vorschein, wenn es aufhört zu existieren – und das meine ich ganz ernst. Wenn ich in die Meditation gehe, ruhig geworden bin und mich auf die Leere konzentriere, wenn also die Pausen zwischen den Ereignissen des Kopfkinos länger werden, öffnet sich ein Fenster, das sich zunächst füllt mit einer Art Trancezustand. Das ist schön und erlaubt ganz andere Erfahrungen. Ich habe schon ein paar Mal darüber geschrieben: Das Denken wird schnell, es versteht intuitiv, es kann in Gebiete eindringen, die dem Alltagsdenken versperrt bleiben; es ist Wonne und intensiv. Es hat sich aber nur ein Stück weit vom Selbst gelöst. Es muss sich ein wenig lösen vom Selbst, sonst kann es nicht diese Leichtigkeit gewinnen, aber es bleibt verankert im Selbst. Es bin immer noch ich, der da etwas tut, das schwer zu verstehen ist, und das sich in ähnlichen Problemen verfängt wie das normale Denken. Was ist real, was nur Einbildung?

Ich habe es also geschafft, mich ein bisschen zu befreien. Ich habe diese Gedanken, die sich auf die Welt beziehen, beruhigt, und ich habe ein Schauen aktiviert, das sich zwar speist aus Erinnerung, Wissen, Vision, Imagination, sich aber eben nur in jener Welt des reinen Bewusstseins bewegt. Es ist ein intuitives Wissen, eine Omnipräsenz, es ist nahezu außerhalb von Raum und Zeit; es ist der Ort, an dem es identisch ist mit sich selbst, d. h. das Selbst hört auf zu existieren und verbindet sich mit dem tiefsten Grund unserer Existenz. Der tiefste Grund unserer Existenz ist mysteriös und basiert auf etwas, das wir nicht erfassen können. Es ist jenseits unseres Selbst.

Zen führt mich heran an dieses Mysterium. Es ankert mich in meiner physischen Existenz und zeigt mir zugleich, dass diese Existenz nicht-dualistisch eins ist mit allem. Ich bin Buddha, du bist Buddha, wir alle sind Buddha. Es gibt nur Buddha – töte Buddha, wenn du ihn siehst.

 

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Kontemplation und Intuition https://readingdeleuzeinindia.org/de/kontemplation-und-intuition/ Fri, 10 May 2024 02:11:58 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=4797

Wenn der rationale Geist durch die Welten des Wissens streift, die Bibliothek durchwühlt oder nach den kausalen Gesetzen des Universums sucht, ist das eine akribische Arbeit des Aufbaus von Wissenssystemen. Diese Systeme haben zunächst wenig mit der Erfahrungswelt oder gar der inneren Welt gemeinsam. Erst durch Kontemplation hält der Geist inne und betrachtet die systematisierte, […]]]>

Wenn der rationale Geist durch die Welten des Wissens streift, die Bibliothek durchwühlt oder nach den kausalen Gesetzen des Universums sucht, ist das eine akribische Arbeit des Aufbaus von Wissenssystemen. Diese Systeme haben zunächst wenig mit der Erfahrungswelt oder gar der inneren Welt gemeinsam. Erst durch Kontemplation hält der Geist inne und betrachtet die systematisierte, abstrakte Repräsentation als ein Bild der Welt, als Weltbild. Es ist die Intuition, die dieses Bild in einer tieferen Realität verankert. Wann können wir sagen, dass wir etwas wirklich verstehen, jenseits des Rationalen? Wann ist der Punkt erreicht, an dem etwas Sinn macht?

Das Sinnstiften erfolgt durch Kontemplation und die Verankerung des Wissens durch Intuition in der tiefen Realität unseres Bewusstseins. Der Schmetterling, dessen Flugbahnen wir beschreiben und den wir einer Gattung zuordnen können, dessen Habitat wir untersuchen, sein Paarungsverhalten und seine Nahrungssuche, all das können wir durch das rationale Wissen erforschen. Doch die Kontemplation der Schönheit, die Eleganz des verträumten Flugs, das sanfte Landen auf einer Blüte – all das bietet sich der kontemplativen Anschauung an. Und wenn wir dann nach dem tieferen Sinn dieser Realität fragen, nach dem Sinn des Lebens an sich, ist es die Intuition, die uns hilft, diese Brücke zu schlagen.

Die Intuition, die von Henri Bergson wieder ins Zentrum der Philosophie gestellt wurde, ist zugleich ein Schlüssel für Meditation. Die Schau der Intuition, die nicht den strengen Regeln der Wissenschaft folgt und mit Leichtigkeit in den Kern unseres Wesens eindringt, lässt ein Weltbild erst sinnhaft werden.

Das Schöne an der Intuition ist, dass sie in Relation zur äußeren Welt recht ungebunden ist. Sie ist frei und nicht schüchtern, sich auf Gedanken einzulassen, die nicht rational sind. Deshalb wird sie von den Aufklärern verurteilt, die sie missverstehen und befürchten, dass sie zu wilder Spekulation verleitet. Wenn angetrieben von Fanatismus, wird sie zerstörerisch und lässt sich von Macht blenden.

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Tempel in Tamil Nadu: Eine Verbindung zu Jahrtausende altem Wissen und Wissenschaften https://readingdeleuzeinindia.org/de/tempel-in-tamil-nadu/ Fri, 28 Apr 2023 13:07:08 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=3739

Die Archäologie Abteilung von Tamil Nadu hat offiziell Tausende von Tempeln gezählt. Erfahren Sie mehr über die Bedeutung dieser Tempel und ihr jahrtausendealtes Wissen. #Archäologie #Tempel #TamilNadu]]>

Die Archäologie Abteilung von Tamil Nadu hat offiziell 44.121 Tempel in Tamil Nadu gezählt.  Bei 72.138.958 (2011) sind das 1635 Einwohner pro Tempel. Deutschland hat 84.270.625 (2022) Einwohner und 45.600 katholische und evangelische Kirchen. Das macht 1848 Einwohner pro Kirche.

Viele schätzen aber, dass die wirkliche Anzahl von Tempeln in Tamil Nadu viel höher ist (zwischen 200.000 und 300.000). In Deutschland hingegen wurden wahrscheinlich alle Kirchen erfasst.

Die christlichen Kirchen konzentrieren sich weitestgehend auf die Botschaft der Bibel, weiter Wissenssysteme werden schnell als Verschwörungstheorien von Geheimorden wie den Templern abgegrenzt. Die Hindu Tempel basieren hingegen auf den Agama Texten, die eine Verbindung zu den Wissenschaften, der Kosmologie, den Künsten, spirituellen Weisheiten, Architektur, Musik, Zeremonien, Stadtplanung, Ökonomie, Yogas, Yantra, Tantra, Mantra…

Tempel in Indien sind einer der vielen Schlüssel zu einem Jahrtausende alten Wissen, wo eigentlich bis heute nicht wirklich klar ist, wo das hergekommen ist, denn die ältesten Texte in Indien, der Rigveda, ist nicht irgendein Textzeugnis, sondern ein hochkomplexes System von Wissen aller Art.

Herausragende Tempel in Tamil Nadu in: Das, R. K. 1964. Temples of Tamilnad. Bombay: Bharatiya Vidya Bhavan.

Wie Yantra (die geometrische Form, die sich auch in Tempelgrundrissen wiederfindet), Mantra (der gesprochene/gesungen Text) und Tantra (die ‚Anleitung‘, die Lehre) ineinander verwoben sind, lässt sich schön am Gayatri Mantra sehen. Anhören kann man das hier: Gayatri Mantra von Manish Vyas

Ich möchte hier noch den Vāstusāstra verlinken, denn es ist nicht einfach eine Englische Übersetzung zu finden:

Vastu shastra VL. 1: Hindu Canons of lconography &Paining (76mb, 822 Seiten)

Viswakarma Vastusastram: A Treatise On Town-planning Etc. 

 

Das Kunsthistorische Standardwerk zu Tempeln in Indien ist hier:

Kramrisch, Stella. 1946. The Hindu Temple Vol .I . http://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.282158.
Kramrisch, Stella. 1946. The Hindu Temple  Vol. 2. http://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.40420.

Hier aus Seite 32 Vol.1 ein Diagram zur Anordnung der Götter im Temple:

Kramrisch, Stella. 1946. The Hindu Temple Vol .I . Seite 32

Curtis, J. W. V. o. J. Motivations of Temple Architecture in Saiva Siddhanta: As Defiend by Prescriptions for Daily Worship According to Kāraṇāgama. p.33
https://miro.com/app/board/uXjVM4DBeIw=/?share_link_id=160404221419

 

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Schlafen https://readingdeleuzeinindia.org/de/schlafen/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/schlafen/#respond Sun, 20 Nov 2022 07:48:06 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=2463 Morgen

Gestern bin ich eingeschlafen, mit der Erwartung früh aufzustehen und zu meditieren. Ich stellte den Wecker auf 6 Uhr. Am Abend erzählt mir eine französische Yogalehrerin und Bergführerin von den frühen Morgenstunden in Indien, das sie die besten seien für die Meditation – das sie gut für Ryas sein wusste ich ja schon. Sie erzählte […]]]>
Morgen

Gestern bin ich eingeschlafen, mit der Erwartung früh aufzustehen und zu meditieren. Ich stellte den Wecker auf 6 Uhr. Am Abend erzählt mir eine französische Yogalehrerin und Bergführerin von den frühen Morgenstunden in Indien, das sie die besten seien für die Meditation – das sie gut für Ryas sein wusste ich ja schon. Sie erzählte auch von den morgendlichen Gesängen in den Städten, ich erinnerte mich an die Mantragesänge in den Tempeln.

Ich wachte um 5:30 Uhr auf, Tempelgesänge waren in der Ferne zu hören, nein es war kein Traum. Ich folge ihnen, lief in der Dunkelheit quer durch die Landschaft, und an einen Ort, wo sonntags um 6 Uhr morgens schon die Wege geputzt wurden. Die Frauen wuschen Wäsche, putzten, kümmerten sich um die Tiere, obgleich die Ziegen und Kühe noch zu schlafen schienen – in den Vorhöfen der kleinen Hütten. Die Männer waren im Tempel. Dort tönte ein Lautsprecher, der über Kilometer weit zu hören war. Ich begrüßte die Götter und ging zurück.

Auf dem Rückweg kam ich an einer Grabstätte aus der Eisenzeit vorbei. Die Megalithe sind 2500 Jahre alt. 60 Hektar groß ist die Grabstätte, auf der Auroville erbaut wurde.

Ich frühstückte und ging zu Bett. Ein wunderbarer Schlaf empfing mich, und ich träumte von Auroville. Ich war nun auch im Traum hier angekommen. Es sind diese Übergänge zwischen Wach- und Schlafzuständen, in denen das Bewusstsein lediglich seinen Zustand ändert, aber eigentlich doch in einem Kontinuum bleibt, die für mich das höchste Glück sind.

Es gibt ja so viele Arten des Schlafes:

 

  • Schlaf der Erschöpfung, wenn der Körper sein Recht auf Erholung fordert.
  • Schlaf der Erholung z. B. mittags und die Konzentration zu steigern und das getane zu verarbeiten
  • Gemeinsamer Schlaf, nach einer schönen Begegnung der Körper.
  • Wacher Schlaf, in dem das Selbst bloß in einem anderen Zustand weiter bewusst ist.
  • Täglicher Schlaf der Gewohnheit, der der Müdigkeit folgt.
  • Schlaf beim Reisen, im Zug, Auto, Flugzeug, auf dem Bahnhof oder einer Parkbank. Ein Moment der Ruhe und des Verweilens, während sich der Körper bewegt.
  • Schlaf des Rausches, wenn die Sinne verwirrt sind und das Selbst sich verliert, trunken assoziiert und leidet.
  • Schlaf im Seminar oder in der Schule, in dem ich noch immer weiter der Lehrer:in zuhöre. Irgendetwas mitbekomme aber nun mit einem ganz starken Filter, weil die Wissensaufnahme von Fakten seine Kapazitätsgrenze erfahren hat.
  • Schlaf des Schlaflosen, wenn Schlaf unmöglich zu sein scheint, und bloß kleine Momente der Erschöpfung einen unruhigen Kurzschlaf einfordern. Der Schlaf der Nervösen… Das kann auch sehr ungesund sein, und hier wäre vielleicht Hilfe angesagt.
  • Schlaf im Wald oder unter dem Sternenhimmel, wo das Bewusstsein sich weitet und sich fast gänzlich dem Alltag entzieht.

Sicher ließe sich die Liste noch fortsetzen, der Punkt scheint aber klar. Der Schlaf ist ein ganz besonderer Bewusstseinszustand. Er ist nicht nur durch das Erinnern an Träumer erfahrbar, sondern ein Zwischenzustand des Bewusstseins, in dem das Selbst andere Sphären des Bewusstseins aufsucht, um sich zu regenerieren, zu sortieren, zu lernen, zu verarbeiten, zu sehen…

Einige dieser Erfahrung nennen wir allgemein Traum, sie sind aber viel komplexer. Ich schlafe gerne und viel, und fühle mich nicht schuldig. Schlafen ist zentraler Teil meiner Existenz. Ich verstehe überhaupt nicht, wenn Menschen versuchen weniger zu schlafen. Sie berauben sich vieler wunderbarer Erkenntnisformen.

In der Prashna-Upanischad (p.32) wird davon gesprochen. „Wenn ein Mensch schläft, wer schläft da?“

Vor allem aber in der Mandukya Upanishad. in: Aurobindo Vol 18 p.193ff. (von Aurobindo unveröffentlicht)

Schön ist auch der Vergleich von 10 verschiedenen Übersetzungen in Englische:
„Mandukya Upanishad“. Zugegriffen 28. November 2022. https://realization.org/p/namedoc/upanishads/mandukya/mandukya.html.

Hier ein Ausschnitt aus Aurobindos Übersetzung:

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Wurzeln – Essbares https://readingdeleuzeinindia.org/de/wurzeln-essabres/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/wurzeln-essabres/#respond Sun, 06 Nov 2022 10:01:01 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=2326

Die Solitude Farm in Auroville, ist ein ‚food forrest‘. Dies ist einer der wenigen englischen Begriffe, die sich im Deutschen schlecht durch ein Kompositum ausdrücken lässt (Esswald?). Wir haben so etwas nicht, und können darüber auch schlecht nachdenken. Eine Obstwiese, die wir mit anderen essbaren Jahrespflanzen und kurzlebigeren Pflanzen so weit verwildern lassen würden, bis […]]]>

Die Solitude Farm in Auroville, ist ein ‚food forrest‘. Dies ist einer der wenigen englischen Begriffe, die sich im Deutschen schlecht durch ein Kompositum ausdrücken lässt (Esswald?). Wir haben so etwas nicht, und können darüber auch schlecht nachdenken. Eine Obstwiese, die wir mit anderen essbaren Jahrespflanzen und kurzlebigeren Pflanzen so weit verwildern lassen würden, bis wir einen dichten Dschungel aus lauter essbaren Pflanzen haben … Dafür suche ich ein Wort. Es ist das Gegenteil einer ‚food dessert‘, auch dafür haben wir kein Wort im Kompositum im Deutschen, es meint einen Stadtteil, in dem es keine Geschäfte mit frischen Lebensmitteln gibt. Das einzige, was es in urbanen ‚food desserts‘ gibt, sind Tankstellen und Kioske, die Chipstüten und Süßigkeiten, haltbares Toastbrot und chemischen Käse verkaufen.

Tamil

Krishna hielt einen kurzen Vortrag. Seine Begeisterung für das Projekt, das er seit über 20 Jahren verfolgt, war unübersehbar, leidenschaftlich spürbar. Krishna ist aus England, spricht fließen Tamil, oft musste er englische Worte für Tamilwörter suchen. Die Kultur der Tamilen ist ihm nicht nur ans Herz gewachsen, sondern er scheint zutiefst verwurzelt zu sein in ihr. Und genau das ist es, was seine Kernbotschaft ist. Wir haben ein jahrtausendealtes Wissen darüber, was in der Umwelt, in der wir leben, wächst, was wir essen können, wie wir es zubereiten können, welchen nahrungsenergetischen Wert die Pflanzen haben und welche Heilwirkung sich mit ihnen erzielen lässt.

Großmutters Wissen

Unsere Großmütter haben dieses Wissen, wir hätten es auch noch irgendwo in uns, nur eben vergessen. Natur, wenn wir sie lassen und nur hier und da ein wenig lenken, hat uns mehr zu bieten als unsere chemischen Erfindungen. Seine Kernbotschaft: Das alte Wissen aktivieren, die Natur machen lassen, mit den Früchten verantwortungsvoll, gemeinschaftlich und ökologisch umgehen….

Inspiration bezieht Krishna von Masanobu Fukuoka, einem Pionier der Permakultur. Er traf ihn vor vielen Jahren in Japan und sah seine „Nichts-Tun-Landwirtschaft“ mit eigenen Augen, er trägt seinen Geist weiter. Seinen Esswald darf man nur barfuß betreten, jedes Kind hätte das früher gewusst. Während er – durch den kleinen Wald von 1 bis 2 Hektar streifend – erzählt, pflückt er Blätter, isst sie und benennt sie mit Tamilnamen. Seine Stimme überschlägt sich gerade vor Enthusiasmus über die Reichhaltigkeit, die der kleine Wald bietet. Die meisten Pflanzen kamen von selbst. Das Wort Unkraut kennt er nicht. Ein Freund in Auroville brachte ein Stück Land, das im 20. Jahrhundert so weit heruntergewirtschaftet worden war, dass es nur noch eine Steinwüste war, innerhalb von 5 Jahren in den Zustand eines Esswaldes. Sehr viel Arbeit sei das, aber lohnend und nachhaltig.

Über ein Essenskistenprinzip können Farmer so wesentlich besser leben, der Gemeinschaft und der Natur geht es so auch besser.

Lernen

Eine Gruppe von Studierenden aus Pondicherry war an diesem Tag mit ihrem Dozenten da. Sie wollten Textbuchwissen haben. ‚Nutzt euren Campus, um Gemüse für die Kantine anzubauen, ermutigt eure Studenten, nicht bei den Fast-Food-Ketten direkt vor dem Campus zu essen, fragt eure Großmütter. Das Wissen ist da, ihr müsst es nur nutzen‘, war seine Antwort. Ansonsten gäbe er natürlich gerne verschiedene Workshops zum praktischen Vorgehen.

Die alte Frau, die hier auf dem Land geboren wurde und im Hintergrund auf dem Boden saß, verstand kein Englisch. Sie weiß, was zu tun ist.

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Wissen https://readingdeleuzeinindia.org/de/wissen/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/wissen/#respond Sun, 18 Sep 2022 05:15:38 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1877

Es gab eine Zeit in Europa, in der man davon sprach, dass es Universalgelehrte gab. In Deutschland wäre das Alexander von Humboldt, oder Goethe, in Frankreich ein Aufklärer, in Italien der Renaissance-Mann Leonardo da Vinci. In der Antike Aristoteles, sicherlich gibt es in vielen Kulturen und Epochen weise Menschen, von denen die Geschichte erzählt, sie […]]]>

Es gab eine Zeit in Europa, in der man davon sprach, dass es Universalgelehrte gab. In Deutschland wäre das Alexander von Humboldt, oder Goethe, in Frankreich ein Aufklärer, in Italien der Renaissance-Mann Leonardo da Vinci. In der Antike Aristoteles, sicherlich gibt es in vielen Kulturen und Epochen weise Menschen, von denen die Geschichte erzählt, sie hätten alles gewusst, was man seinerzeit hätte wissen können.

Das ist natürlich Quatsch. Dieses Narrativ bedient aber eine Sehnsucht. Wir wollen alles wissen, haben aber das Gefühl – zu Recht – nicht alles wissen zu können, und haben eine romantische Sehnsucht nach einer Zeit, in der dies scheinbar noch möglich war. Es stört uns nicht, dass das Wissen selbst begrenzt war – dort und dann. Es beruhigt uns aber, dass es scheinbar möglich gewesen wäre, alles zu wissen. Der Olymp könnte bestiegen werden, der Berg erklommen, auf dem die Gesetzestafeln empfangen würden. Dabei gibt es ja schon die Geschichte vom Turmbau zu Babel.

Turmbau zu Babel

In Babel wollten die Menschen alles wissen, sie bauten einen Turm, der alles Wissen beinhalten sollte. Das Resultat war eine Sprachverwirrung. Das Wissen zerfiel in viele Sprachen. Niemand spricht sie alle. In der Bibel ist das als Strafe Gottes dargestellt. Warnend sei die Arroganz bestraft worden, und der Mensch in seine Grenzen gewiesen worden. Wären wir aber nicht angeblich von Gott gestraft worden, könnten wir dann nicht vielleicht doch alles wissen? Dies ist die zentrale Frage. Wäre es prinzipiell möglich gewesen? Oder wird es in der Zukunft durch die Singularität möglich sein?

In der Philosophie stellt sich die Frage nach dem Anfang des Wissens. Auf welchem Fundament können wir das Wissen aufbauen? Logik, Ethik, Ästhetik? In der Wissenschaft geht es um die große vereinheitlichende Theorie, die den Mikrokosmos und Makrokosmos zusammenbringt. Bei der Frage nach der Natur des Menschen wird es dann schon recht unübersichtlich. Wollen wir das religiös oder spirituell angehen, oder vielleicht doch darwinistisch oder informationstechnisch, kann uns die Geschichte hier Aufschluss geben? Gänzlich verloren sind wir, wenn es um unser ästhetisches Denken geht. Die Pluralität und der mediale Overkill bieten eine reine Reizüberflutung, die wir zu genießen scheinen. Ignorance is bliss.

Antriebskraft

Es scheint doch so klar, dass wir nicht alles wissen können. Wieso versuchen wir es dann immer weiter? Was treibt uns an? Eine Sehnsucht? Wurden wir wirklich aus dem Paradies vertrieben und suchen den Weg zurück? Oder sind wir evolutionär so gestrickt, dass wir nicht anders können? Gibt uns das Gefühl, viel zu wissen, Befriedigung, Macht oder Ruhe? Wie kommen wir darauf, dass unser kleines Gehirn von etwas über 1 Kilogramm, und im Vergleich zu Elefanten (4 Kilogramm) oder Pottwalen (9 Kilogramm) doch recht bescheiden ist, das Universum entschlüsseln kann? Befinden wir uns vielleicht tatsächlich in einer Simulation und die Realität ist gar nicht das, was wir denken. Die verschiedenen Spielarten des Skeptizismus bieten hier schöne Gedankenexperimente. Vielleicht werden meine Sinne von außen manipuliert, vielleicht bin ich allein im Universum, vielleicht bin ich noch gar nicht erwacht und warte in einem Vorzimmer auf den nächsten Level…

Wir folgen einem Leistungswahn. Wenn ein Mensch etwas hervorgebracht hat, das neu ist, so wird er oder sie von der Gesellschaft gefeiert. Das treibt uns an. Wir sind fasziniert von Höchstleistungen. Wir beten sie an, oder gehen in einen Wettstreit. Nur wenige sind demgegenüber gleichgültig. Vielleicht ist es das, was uns von unseren intelligenten Mitbewohnern auf dem Planeten unterscheidet.

Wir erzeugen Bedürfnisse, um sie zu befriedigen: Wissen, Kultur, Genuss, Sinnlichkeit, Soziales, Macht… Wir streben nach mehr. Der Buddhismus sieht hier die Wurzel des Leidens. Die einzige Möglichkeit, dieses Leid zu beenden, ist das Wollen, Streben, Verlangen zur Ruhe zu bringen.

Deleuze stellt dem das Werden gegenüber. Anstatt die Welt weiter zu systematisieren, und unseren Pathologien freien Lauf zu lassen, können wir darauf achten, was wir alles werden können, anders werden, Sein statt Haben. Wir sind flexibel, flüssig, feucht.

Ich habe das Gefühl, dass die Upanischaden hier noch viel bereithalten. Alles wissen zu wollen, enthält ja auch eine Sehnsucht nach Einheit. Im 20. Jahrhundert haben wir erlebt, dass dieser Einheit etwas sehr Totalitäres innewohnt. Wann wurde diese Einheit zerbrochen? Wann wurden wir aus dem Paradies vertrieben? Lässt sich das historisch festmachen? Ist das eine absurde Frage? Lässt sich der Sündenfall umkehren oder auflösen?

 

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An einer Utopie arbeiten https://readingdeleuzeinindia.org/de/an-einer-utopie-arbeiten/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/an-einer-utopie-arbeiten/#respond Fri, 19 Aug 2022 08:30:03 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1547

Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns […]]]>

Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns zu konzentrieren, nur so kämen wir gemeinsam voran. Dies mag gelegentlich auch richtig sein, lenkt aber vom Wesentlichen ab. Wo wollen wir eigentlich hin?

Macht es Sinn, ins Weltall zu fliegen und dabei unsere Erde zu verbrennen? Ist es wirklich eine gute Idee, unsere extrem komplexe Biodiversität hier aufs Spiel zu setzen, um auf einem Wüstenplaneten Wasser zu suchen und darüber nachzudenken, wie wir dort die elementarsten Bedingungen für Leben künstlich erzeugen können? Wieso glauben so viele, dass das sinnvoll sei?

Wissensstrukturen

Es gibt Urvölker, die seit Jahrtausenden mit der Natur im Einklang leben. Der Erfahrungsschatz wächst sehr langsam, wird mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Diese mündliche Tradition ist ein Nadelöhr. Zum einen braucht man für die mündliche Überlieferung Narrative. Zum anderen ist der Informationsfluss begrenzt. Das Wissen stirbt mit dem Wissensträger. Nur das, was weitererzählt wurde, und im Gedächtnis behalten wurde, überlebt. Es gibt keine wesentliche Wissensakkumulation. Veraltetes Wissen stirbt aus und wird durch neues ersetzt. Es gibt eine Wissenskonzentration und Selektion.

In den ‚fortschrittlichen Zivilisationen‘ wird Wissen hingegen archiviert. In Wissensspeichern, wie Bibliotheken oder Netzwerken, wird alles gespeichert. Es ist für sehr viele Menschen zugänglich und erlaubt eine extreme Spezialisierung. Diese Spezialisierung verliert den Kontext aus den Augen. Arbiträre Maximen werden zu Leitmotiven: Wohlstand, Macht, Genuss. Wissen wird instrumentalisiert, um diesen Maximen zu dienen. Wir nennen dies Freiheit der Wissenschaft. Wissen wurde aus den großen Narrativen herausgelöst und befreit. Wir sagen säkularisiert oder modernisiert (Galileo).

Nun haben wir diesen Turm von angehäuftem Wissen. In einer babylonischen Sprachverwirrung wissen wir nicht mehr, wohin wir wollen. Wir brechen das Masternarrativ und setzen Mikronarrative frei. Wir nennen das Pluralität oder postmodern (Lyotard).

Über all diese wurde viel geschrieben. Wir haben eine Welt erzeugt, die wundervoll komplex ist. An vielen Orten gibt es eine schillernde Toleranz, unsere Kreativität wurde entfesselt und unser Geist beflügelt. Wir haben Technologie, die es uns ermöglicht, unser Wissen, unsere Kommunikation, unsere Körper, Raum und Zeit zu transformieren. Es macht sicherlich keinen Sinn, die Zeit zurückdrehen zu wollen. Früher war nicht alles besser.

Biologische und geistige Wissensspeicher

Was mir wichtig erscheint, ist die Blickrichtung. In den Industrienationen fokussieren wir uns auf Technik. Was im Internet ist, ist real. Wir sind schon seit Langem im Hyperrealen (Baudrillard) angekommen. Erst langsam erkennen wir die Komplexität von biologischen und geistigen Wissensspeichern (wieder) an. Wenn Wissen in lebenden ‚Archiven‘ gespeichert ist, so ist es Teil des Lebens. Das heißt nicht, dass es immer gut ist, im Gegenteil, es ist wahrscheinlich wertneutral. Es ist aber eben Teil in eines komplexen Systems. Dieses ‚System‘ sollten wir jedoch nicht kybernetisch verstehen. Ziel ist nicht die Entschlüsselung und Nachahmung bzw. Simulation (Biomimikry). Ziel sollte es vielmehr sein, uns zu reintegrieren, wieder Teil von Natur und Bewusstsein zu werden.

Ich denke nicht, dass dies ein Rückschritt sein muss. Ich zweifle nur an dem Glauben an eine technische Singularität. Die Ideologie des Silicon Valleys, dass der nächste große Schritt die Überspielung des Bewusstseins auf eine Festplatte, eine Integration im Netz oder in der Hyperrealität uns wirklich hilft. Für den biologischen Menschen würde es eher ein Albtraum werden. Die Frage bleibt doch zu sein, warum wir das erstreben. Der Traum der Unsterblichkeit ist der Motor, im Kern der Erhalt des Selbst. Genau jene Illusion gilt es aber zu überwinden. Wenn uns dies gelingt, als wessen Teil wollen wir uns dann verstehen? Computerprozessoren, Natur und/oder Bewusstsein?

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Mnemosyne Atlas Dies ist ein persönlicher Blog. Es geht jedoch zugleich auch um eine Transformation des Bewusstseins. Bewusstsein existiert nicht singulär innerhalb von Menschen. Es existiert nur in Verbindung zu anderem Bewusstsein. Bewusstsein ist kommunikativ. Eine Reise ins Bewusstsein ist daher immer auch mehr als nur eine persönliche Reise. Es ist eine Manifestation. 2016 reiste […]]]>

Mnemosyne Atlas

Dies ist ein persönlicher Blog. Es geht jedoch zugleich auch um eine Transformation des Bewusstseins. Bewusstsein existiert nicht singulär innerhalb von Menschen. Es existiert nur in Verbindung zu anderem Bewusstsein. Bewusstsein ist kommunikativ. Eine Reise ins Bewusstsein ist daher immer auch mehr als nur eine persönliche Reise. Es ist eine Manifestation.

2016 reiste ich nach Indien. Ich wollte dort Gilles Deleuze lesen. Ich hatte eine Ahnung, dass das dort eine neue Ebene erschließt. Ich lese langsam. Gedanken sind komplexe Gebilde. Gedanken von anderen Menschen zu verstehen, heißt, das eigene Denken infrage zu stellen. Eine Begegnung von Gedankenwelten benötigt Zeit. Verstehen ist nicht Wissen aufnehmen. Philosophie ist nicht (nur) abstraktes Denken.

Es war eine Metamorphose meines Denkens.

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