Traum Archive - New Spirits - Reading Deleuze in India https://readingdeleuzeinindia.org/de/tag/traum/ Bewusstsein existiert nur in Verbindung mit anderem Bewusstsein Sun, 10 Aug 2025 10:49:40 +0000 de hourly 1 https://readingdeleuzeinindia.org/wp-content/uploads/2022/06/cropped-small_IMG_6014-32x32.jpeg Traum Archive - New Spirits - Reading Deleuze in India https://readingdeleuzeinindia.org/de/tag/traum/ 32 32 Das Geheimnis der Kolams: Meditation, Kunst und Tradition in Tamil Nadu https://readingdeleuzeinindia.org/de/kolams/ Sat, 22 Apr 2023 17:30:10 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=3714

Erfahren Sie mehr über das Geheimnis der Kolams - eine traditionelle Kunstform in Tamil Nadu, bei der Frauen vor Sonnenaufgang komplexe Muster auf die Straßen zeichnen. Diese Praxis vereint Tanz, Meditation und Kontemplation und übermittelt symbolische Botschaften über Generationen hinweg.

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Das Geheimnis der Kolams

Morgens, noch vor dem Sonnenaufgang, wenn die meisten Tiere noch schlafen und auch der Hahn noch nicht kräht und wenn die Männer in die Tempel gehen, dann zeichnen die Frauen Kolams auf die Straße vor der Haustür. In Tamil Nadu werden seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden Kolams gezeichnet. Diese Form von Meditation, Kunst, Gebet, Ehrung der Götter und Segnung wird in der Regel von Frauen praktiziert.

In der Tradition haben viele Familien seit Generationen ihre eigenen Kolams, denn es gibt unendlich viele. Einige sind ‚Klassiker‘ und sie werden z. B. an Feiertagen vor dem Haus, auf der Straße oder im Tempel gezeichnet. Andere sind sehr individuell und dienen der Morgenroutine. Bei jedem Fest wird im Süden Indiens ein Kolam gezeichnet. Die großen Kolams sind schwierig und brauchen jahrelange Übung.

Ich habe oft früh morgens vor Sonnenaufgang die Frauen in den Dörfern Kolams zeichnen sehen. Die Straße wird gekehrt und der Boden vorbereitet. Sie verwenden Reismehl, das mit den Händen auf die Erde gerieselt wird. Dieses Reismehl ist eine Gabe und wird von den Insekten gefressen, die Kolams vor der Haustüre werden im Laufe des Tages überschritten und durchquert, und am Ende des Tages sind sie wieder weg. Sodass am nächsten Morgen ein neues gezeichnet werden kann.

Das Grundprinzip der meisten Kolams ist die Verbindung von Punkten in einem regelmäßigen Gitter und zwar so, dass sich die Linien oder Kurven nicht ohne eine gewisse Symmetrie kreuzen, d. h. Punkt werden in der Regel nicht einfach quer verbunden. Viele sagen, dass es eine Sprache ist. Die Muster sind komplex und beinhalten Elemente von Symmetrie, Netzen, Algorithmen, Iterationen etc.

Kolams sind komplex

Es gibt eine ganze Reihe von Ebenen auf denen Kolams wirken:

Das Zeichnen von Kolams ist eine Bewegung des ganzen Körpers und hat Element von Tanz, Meditation und Kontemplation. Die Körperhaltung, das Streuen von Reismehl, die Koordination von Arm, Bein, Atmung, Auge, Finger, Rückgrat, Gleichgewicht verlangt eine ganz-körperliche Koordination. Es ist eine Praxis, die Übung verlangt und in einer langen Tradition steht. Die Komplexität der Kolams, die Qualität der Ausführung und die Regelmäßigkeit werden in einer Gemeinschaft wahrgenommen und suggerieren Rückschlüsse auf die Ausführende.

Einzelne geometrische Muster sind Göttern, Sagen, Jahreszeiten, Erntegut, Sternen etc… zugeordnet. Die Kombination verschiedener Muster in einem Kolam enthält also eine Aussage, sie speichern Wissen, dass über Generationen, d. h. Jahrhunderte und Jahrtausende weitergegeben wird. Im Sinne einer semiotischen Analyse lassen sich Kolams also dekodieren.

Die Geometrie der Kolams kann extrem komplex werden, überschneidet sich mit Yantras, Mandalas und Tantras. Kolams werden aber oft als rein dekorativ, ritualistisch und traditionell betrachtet. Yantras, Mandalas und Tantras hingegen werden als Teil höchster spiritueller Praxis dargestellt. In den letzten Jahrzehnten wurde viel Forschung betrieben, um die Komplexität der Kolams zu würdigen, und dirses Missverständnis zu korrigieren.

Manche sprechen also von der Sprache der Kolams. Grace eine Aurovillianerin, die im Sri Aurobindo Ashram aufgewachsen ist, sagte neulich, sie spräche Kolams besser als Tamil. Sie sieht in den Kolams Weisheit, Geschichte, Spiritualität, Körperbeherrschung, Wissenschaft, soziale Funktion usw.

Kolams sind komplexe Zeichen,die Zugang zu einer Welt geben. Die Welt, die sie erschließen ist ganzheitlich erfasst. Die Struktur dieser Sprache erfasst unendlich viele Symbole, sie hat innerhalb jedes einzelnen Kolams eine eigene Grammatik und Syntax, ihre Regeln sind mathematisch und ihr Ausdruck ästhetisch. Diese Sprache ist alles andere als trivial, sie ist vergessen und wird seit einigen Jahrzehnten analysiert.

Computer Animation

Ich muss bei diesen Kolams an John Whitneys Cataloge von 1961 denken. Whitney war im Forschungslaboratorium von IBM und hatte Zugang zu den besten Analogcomputern. Er nutzte diesen Zugang um das künstlerische und ästhetische Potenzial von Computern zu erkunden. Seine Dokumentation von 1968 ist auch heute noch beeindruckend. Er sieht im Computer ein Werkzeug, die Sprache der Kunst zu erforschen, basierenden auf grafischen Mustern, die kaleidoskopähnlich rotieren und sich verschieben. Vieles davon sieht aus wie Kolams.

Und so schließt sich Kreis. In der Mitte des 20. Jahrhunderts schaut der Fortschritt nach vorn, materialistisch geprägt rennen die Wissenschaftler einem Traum nach, das Universum mit Zahlen zu erklären. Und in Indien werden mathematische Kolams seit Jahrtausenden auf der Straße gezeichnet, in dem Versuch eine Verbindung zu Schöpfung herzustellen. Es geht bei beiden um mathematische Bilder, die einen kommen von den Göttern, die anderen aus dem rationalen Geist. In Indien weiß man, dass der rationale Geist begrenzt ist und das Wesentliche nicht versteht. Die Bilder hier, z. B. in den Kolams erlauben eine kosmische Weitsicht und Umsicht, die den Fortschrittsgedanken des Westens umfasst.

 

„Dr.Gift Siromoney’s Home Page“. o. J. Zugegriffen 20. April 2023. https://www.cmi.ac.in/gift/Kolam.htm.

„KolamYoga with Grace – Www.Kolamyoga.Com“. o. J. Zugegriffen 22. April 2023. https://www.kolamyoga.com/.

„Significance of Kolam in Tamil Culture“. o. J. Sahapedia. Zugegriffen 20. April 2023. https://www.sahapedia.org/significance-of-kolam-tamil-culture.

„Yantra Kolam – Www.Kolamyoga.Com“. 2021. 3. Juli 2021. https://www.kolamyoga.com/yantra-kolam/.

Chaki, Rohini. 400 n. Chr. „How an Ancient Indian Art Utilizes Mathematics, Mythology, and Rice“. Atlas Obscura. 08:00 400 n. Chr. http://www.atlasobscura.com/articles/indian-rice-art-kolam.
Grace Gitadelila, Reg. 2022. Kolam drawings animated by Grace Gitadelila & Sasikanth Somu. https://www.youtube.com/watch?v=sKCstot0II4.
lab, City Interaction. 2020. „Mathematics of Kolam: Folkloric Graph Theory“. Medium (blog). 29. November 2020. https://liubauer.medium.com/mathematics-of-kolam-folkloric-graph-theory-4b3acc79d5cb.
Whitney, John, Reg. 1968. Experiments in Motion Graphics. IBM Corporation / IBM Direct / IBM K-12 Assist Group / IBM Publications 4800 Falls of the Neuse Rd Raleigh NC 27609 USA (800)879-2755. http://archive.org/details/experimentsinmotiongraphics.
„Yantra Kolam – Www.Kolamyoga.Com“. 2021. 3. Juli 2021. https://www.kolamyoga.com/yantra-kolam/.

Majumdar, Meghna. 2020. „Exploring Centuries of Kolams“. The Hindu, 16. Januar 2020, Abschn. History & Culture. https://www.thehindu.com/society/history-and-culture/exploring-centuries-of-indias-traditional-kolams/article30573492.ece.

YANAGISAWA, Kiwamu, und Shojiro Nagata. 2007. „Fundamental Study on Design System of Kolam Pattern“, Januar.

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Schlafen https://readingdeleuzeinindia.org/de/schlafen/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/schlafen/#respond Sun, 20 Nov 2022 07:48:06 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=2463 Morgen

Gestern bin ich eingeschlafen, mit der Erwartung früh aufzustehen und zu meditieren. Ich stellte den Wecker auf 6 Uhr. Am Abend erzählt mir eine französische Yogalehrerin und Bergführerin von den frühen Morgenstunden in Indien, das sie die besten seien für die Meditation – das sie gut für Ryas sein wusste ich ja schon. Sie erzählte […]

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Morgen

Gestern bin ich eingeschlafen, mit der Erwartung früh aufzustehen und zu meditieren. Ich stellte den Wecker auf 6 Uhr. Am Abend erzählt mir eine französische Yogalehrerin und Bergführerin von den frühen Morgenstunden in Indien, das sie die besten seien für die Meditation – das sie gut für Ryas sein wusste ich ja schon. Sie erzählte auch von den morgendlichen Gesängen in den Städten, ich erinnerte mich an die Mantragesänge in den Tempeln.

Ich wachte um 5:30 Uhr auf, Tempelgesänge waren in der Ferne zu hören, nein es war kein Traum. Ich folge ihnen, lief in der Dunkelheit quer durch die Landschaft, und an einen Ort, wo sonntags um 6 Uhr morgens schon die Wege geputzt wurden. Die Frauen wuschen Wäsche, putzten, kümmerten sich um die Tiere, obgleich die Ziegen und Kühe noch zu schlafen schienen – in den Vorhöfen der kleinen Hütten. Die Männer waren im Tempel. Dort tönte ein Lautsprecher, der über Kilometer weit zu hören war. Ich begrüßte die Götter und ging zurück.

Auf dem Rückweg kam ich an einer Grabstätte aus der Eisenzeit vorbei. Die Megalithe sind 2500 Jahre alt. 60 Hektar groß ist die Grabstätte, auf der Auroville erbaut wurde.

Ich frühstückte und ging zu Bett. Ein wunderbarer Schlaf empfing mich, und ich träumte von Auroville. Ich war nun auch im Traum hier angekommen. Es sind diese Übergänge zwischen Wach- und Schlafzuständen, in denen das Bewusstsein lediglich seinen Zustand ändert, aber eigentlich doch in einem Kontinuum bleibt, die für mich das höchste Glück sind.

Es gibt ja so viele Arten des Schlafes:

 

  • Schlaf der Erschöpfung, wenn der Körper sein Recht auf Erholung fordert.
  • Schlaf der Erholung z. B. mittags und die Konzentration zu steigern und das getane zu verarbeiten
  • Gemeinsamer Schlaf, nach einer schönen Begegnung der Körper.
  • Wacher Schlaf, in dem das Selbst bloß in einem anderen Zustand weiter bewusst ist.
  • Täglicher Schlaf der Gewohnheit, der der Müdigkeit folgt.
  • Schlaf beim Reisen, im Zug, Auto, Flugzeug, auf dem Bahnhof oder einer Parkbank. Ein Moment der Ruhe und des Verweilens, während sich der Körper bewegt.
  • Schlaf des Rausches, wenn die Sinne verwirrt sind und das Selbst sich verliert, trunken assoziiert und leidet.
  • Schlaf im Seminar oder in der Schule, in dem ich noch immer weiter der Lehrer:in zuhöre. Irgendetwas mitbekomme aber nun mit einem ganz starken Filter, weil die Wissensaufnahme von Fakten seine Kapazitätsgrenze erfahren hat.
  • Schlaf des Schlaflosen, wenn Schlaf unmöglich zu sein scheint, und bloß kleine Momente der Erschöpfung einen unruhigen Kurzschlaf einfordern. Der Schlaf der Nervösen… Das kann auch sehr ungesund sein, und hier wäre vielleicht Hilfe angesagt.
  • Schlaf im Wald oder unter dem Sternenhimmel, wo das Bewusstsein sich weitet und sich fast gänzlich dem Alltag entzieht.

Sicher ließe sich die Liste noch fortsetzen, der Punkt scheint aber klar. Der Schlaf ist ein ganz besonderer Bewusstseinszustand. Er ist nicht nur durch das Erinnern an Träumer erfahrbar, sondern ein Zwischenzustand des Bewusstseins, in dem das Selbst andere Sphären des Bewusstseins aufsucht, um sich zu regenerieren, zu sortieren, zu lernen, zu verarbeiten, zu sehen…

Einige dieser Erfahrung nennen wir allgemein Traum, sie sind aber viel komplexer. Ich schlafe gerne und viel, und fühle mich nicht schuldig. Schlafen ist zentraler Teil meiner Existenz. Ich verstehe überhaupt nicht, wenn Menschen versuchen weniger zu schlafen. Sie berauben sich vieler wunderbarer Erkenntnisformen.

In der Prashna-Upanischad (p.32) wird davon gesprochen. „Wenn ein Mensch schläft, wer schläft da?“

Vor allem aber in der Mandukya Upanishad. in: Aurobindo Vol 18 p.193ff. (von Aurobindo unveröffentlicht)

Schön ist auch der Vergleich von 10 verschiedenen Übersetzungen in Englische:
„Mandukya Upanishad“. Zugegriffen 28. November 2022. https://realization.org/p/namedoc/upanishads/mandukya/mandukya.html.

Hier ein Ausschnitt aus Aurobindos Übersetzung:

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Schlafforschung https://readingdeleuzeinindia.org/de/schlafforschung/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/schlafforschung/#respond Mon, 24 Oct 2022 16:12:52 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=2139 Auroville

Neulich habe ich einen Podcast zum Thema Traum gehört und mich mal wieder sehr gewundert. Der Leiter des Schlaflabors in Mannheim, sagt, jeder könne trainieren, Träume zu erinnern. Ich jedenfalls kann das, das stimmt also. Was mich aber doch sehr verwundert, ist die Reduktion des Traums auf das Unterbewusstsein. Träume würden sich nur stärkerer Bilder […]

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Auroville

Neulich habe ich einen Podcast zum Thema Traum gehört und mich mal wieder sehr gewundert. Der Leiter des Schlaflabors in Mannheim, sagt, jeder könne trainieren, Träume zu erinnern. Ich jedenfalls kann das, das stimmt also. Was mich aber doch sehr verwundert, ist die Reduktion des Traums auf das Unterbewusstsein. Träume würden sich nur stärkerer Bilder bedienen, um uns darauf aufmerksam zu machen, an etwas zu arbeiten, das wir im Wachbewusstsein vernachlässigen. Schade und traurig, und bezeichnend zugleich, wie armselig diese Vorstellung ist.

Ich denke da heute wieder drüber nach, weil ich mal wieder in den Upanischaden gelesen habe. Die kurze Mandukya-Upanischad spricht von vier Bewusstseinszuständen: Vaishvanara (die nach außen gewendeten Sinne), Taijasa (die nach innen gewendeten Sinne im Sinne einer Kontemplation oder Tagtraum bzw. Traum) Prajna (Tiefschlaf d. h. unbewusste Einheit) und Turiya (der überbewusste Zustand, unendlicher Friede, grenzenlose Liebe). Mich hat das so beeindruckt, dass ich zunächst den ganzen Tag schlafen musste.

Schlafen

Den Menschen, mit denen ich liebevoll Nächte verbracht habe, habe ich oft erzählt, dass Schlafen für mich Bewusstseinsforschung ist. Ich glaube, niemand hat mich da richtig ernst genommen. Und ich mich selbst auch nicht so, wie ich das hätte tun sollen. Ich musste da immer an Marcel Proust’s ‚Suche nach der verlorenen Zeit‘ denken. Das erste Kapitel in Swann’s Welt beschreibt das Aufwachen und das bewusste Verweilen in dieser Zwischenwelt des Aufwachens. Diese Welt ist ein ganz besonderer Ort für Proust, und das hat mich seit dem nicht mehr losgelassen. Mehr als die ersten 4–5 Seiten habe ich dann auch nicht gelesen, denn hier schien mir alles gesagt. Die zweite Hälfte meines Studiums habe ich dann der Philosophie des Bewusstseins gewidmet. Im Schlaf habe ich dabei vieles erst verstanden.

In den Upanischaden ist der Schlaf ein bedeutungsvoller Zugang zur Welt, zum Selbst der Welt, in dem wir nicht getrennt sind. Unsterblichkeit ist der Zustand von tiefer Meditation. Die Träume zu beherrschen, bringt uns dem Selbst, dem Brahman näher. Gleichzeitig lese ich nun doch Satprem, ich finde ihn etwas suspekt, aber seine Beschreibung dessen, was in den verschiedenen Stadien der Meditation und Bewusstseinsformen passiert, spricht mir aus dem Herzen. Für Satprem und Sri Aurobindo ist der Kern der Meditation, den Geist zur Ruhe zu bringen. Erst wenn er ruhig ist und sich nicht mehr gegen Brahman sträubt, ist es möglich, die ordnende Kraft des Bewusstseins zuzulassen. Das Denken stört dabei nur. Dies geschieht auch im Schlaf und im Traum.

Ich sehr hier einen Gegenentwurf zu den Schlaflaboren, die versuchen den Traum für die Wertschöpfungseffizienzmaschine zu instrumentalisieren. Der Traum gibt uns vielmehr Zugang zum Bewusstsein, das unser kleines Pflichtbewusstsein bei weiten übersteigt.

Schlafen ist wundervoll, er eint uns mit dem Selbst. Er ist eine hohe Form der Erkenntnis.

Happy Diwali

Diwali

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An einer Utopie arbeiten https://readingdeleuzeinindia.org/de/an-einer-utopie-arbeiten/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/an-einer-utopie-arbeiten/#respond Fri, 19 Aug 2022 08:30:03 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1547

Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns […]

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Es ist nun definitiv Zeit, umzudenken. Was unsere Väter und Großväter als Fortschritt bezeichneten, zerstört unseren Planeten. Wissenschaft ist kein Selbstzweck, nicht alles, was technisch machbar ist, ist gut, nicht alles, was Spaß macht und unsere Sinne befriedigt, ist sinnvoll. Jetzt hören wir von vielen Seiten immer wieder, uns auf die kleinen Schritte vor uns zu konzentrieren, nur so kämen wir gemeinsam voran. Dies mag gelegentlich auch richtig sein, lenkt aber vom Wesentlichen ab. Wo wollen wir eigentlich hin?

Macht es Sinn, ins Weltall zu fliegen und dabei unsere Erde zu verbrennen? Ist es wirklich eine gute Idee, unsere extrem komplexe Biodiversität hier aufs Spiel zu setzen, um auf einem Wüstenplaneten Wasser zu suchen und darüber nachzudenken, wie wir dort die elementarsten Bedingungen für Leben künstlich erzeugen können? Wieso glauben so viele, dass das sinnvoll sei?

Wissensstrukturen

Es gibt Urvölker, die seit Jahrtausenden mit der Natur im Einklang leben. Der Erfahrungsschatz wächst sehr langsam, wird mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Diese mündliche Tradition ist ein Nadelöhr. Zum einen braucht man für die mündliche Überlieferung Narrative. Zum anderen ist der Informationsfluss begrenzt. Das Wissen stirbt mit dem Wissensträger. Nur das, was weitererzählt wurde, und im Gedächtnis behalten wurde, überlebt. Es gibt keine wesentliche Wissensakkumulation. Veraltetes Wissen stirbt aus und wird durch neues ersetzt. Es gibt eine Wissenskonzentration und Selektion.

In den ‚fortschrittlichen Zivilisationen‘ wird Wissen hingegen archiviert. In Wissensspeichern, wie Bibliotheken oder Netzwerken, wird alles gespeichert. Es ist für sehr viele Menschen zugänglich und erlaubt eine extreme Spezialisierung. Diese Spezialisierung verliert den Kontext aus den Augen. Arbiträre Maximen werden zu Leitmotiven: Wohlstand, Macht, Genuss. Wissen wird instrumentalisiert, um diesen Maximen zu dienen. Wir nennen dies Freiheit der Wissenschaft. Wissen wurde aus den großen Narrativen herausgelöst und befreit. Wir sagen säkularisiert oder modernisiert (Galileo).

Nun haben wir diesen Turm von angehäuftem Wissen. In einer babylonischen Sprachverwirrung wissen wir nicht mehr, wohin wir wollen. Wir brechen das Masternarrativ und setzen Mikronarrative frei. Wir nennen das Pluralität oder postmodern (Lyotard).

Über all diese wurde viel geschrieben. Wir haben eine Welt erzeugt, die wundervoll komplex ist. An vielen Orten gibt es eine schillernde Toleranz, unsere Kreativität wurde entfesselt und unser Geist beflügelt. Wir haben Technologie, die es uns ermöglicht, unser Wissen, unsere Kommunikation, unsere Körper, Raum und Zeit zu transformieren. Es macht sicherlich keinen Sinn, die Zeit zurückdrehen zu wollen. Früher war nicht alles besser.

Biologische und geistige Wissensspeicher

Was mir wichtig erscheint, ist die Blickrichtung. In den Industrienationen fokussieren wir uns auf Technik. Was im Internet ist, ist real. Wir sind schon seit Langem im Hyperrealen (Baudrillard) angekommen. Erst langsam erkennen wir die Komplexität von biologischen und geistigen Wissensspeichern (wieder) an. Wenn Wissen in lebenden ‚Archiven‘ gespeichert ist, so ist es Teil des Lebens. Das heißt nicht, dass es immer gut ist, im Gegenteil, es ist wahrscheinlich wertneutral. Es ist aber eben Teil in eines komplexen Systems. Dieses ‚System‘ sollten wir jedoch nicht kybernetisch verstehen. Ziel ist nicht die Entschlüsselung und Nachahmung bzw. Simulation (Biomimikry). Ziel sollte es vielmehr sein, uns zu reintegrieren, wieder Teil von Natur und Bewusstsein zu werden.

Ich denke nicht, dass dies ein Rückschritt sein muss. Ich zweifle nur an dem Glauben an eine technische Singularität. Die Ideologie des Silicon Valleys, dass der nächste große Schritt die Überspielung des Bewusstseins auf eine Festplatte, eine Integration im Netz oder in der Hyperrealität uns wirklich hilft. Für den biologischen Menschen würde es eher ein Albtraum werden. Die Frage bleibt doch zu sein, warum wir das erstreben. Der Traum der Unsterblichkeit ist der Motor, im Kern der Erhalt des Selbst. Genau jene Illusion gilt es aber zu überwinden. Wenn uns dies gelingt, als wessen Teil wollen wir uns dann verstehen? Computerprozessoren, Natur und/oder Bewusstsein?

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Marx https://readingdeleuzeinindia.org/de/marx/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/marx/#respond Fri, 05 Aug 2022 17:16:32 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1269

Über so viele Jahre habe ich über Marx nachgedacht. Wer hat das nicht? Die Idee einer gleichen und solidarischen Gemeinschaft, frei von ideologischem Überbau, oder irrationalen Irrlichtern. Eine Welt, die nur die Materie kennt, und in dieser eine wissenschaftliche, fortschrittliche Bewegung sieht. Ihr Ziel? Eine Welt, in der die Menschheit vollkommen ist, d. h. harmonisch, […]

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Über so viele Jahre habe ich über Marx nachgedacht. Wer hat das nicht? Die Idee einer gleichen und solidarischen Gemeinschaft, frei von ideologischem Überbau, oder irrationalen Irrlichtern. Eine Welt, die nur die Materie kennt, und in dieser eine wissenschaftliche, fortschrittliche Bewegung sieht. Ihr Ziel? Eine Welt, in der die Menschheit vollkommen ist, d. h. harmonisch, ohne Neid und Missgunst, solidarisch und gleichberechtigt, ohne Entfremdung und Fremdbestimmung, die alleine die Entfaltung des Individuums innerhalb eines Kollektives ermöglicht.

Dieser Traum einer besseren Zukunft, die zwangsläufig, dem Lauf der Geschichte folgend, notwendig erreicht werden wird – wenngleich in der Zukunft – ermutigt zum Kampf und zur Revolution, aber für andere auch zur Gelassenheit: Was lässt sich schon der Geschichte in den Weg stellen?

Das Bewusstsein ist durch die Materie bestimmt, so Marx. Die Welt als Wille und Vorstellung dagegen bei Schopenhauer und auch schon bei Kant, letztlich… Wieso soll die Welt entweder aus meiner Vorstellung entspringen oder, gar nichts mit mir zu tun haben? Was stimmt da nicht?

Die Entfaltung des Geistes – auf Hegel aufbauend – warum so klein gedacht? Im Sinne der Aufklärung ging es darum, eine Weltsicht zu begründen, die rein der Wissenschaft folgt. Das schützt vor Scharlatanen, Ideologien, Magiern, Verführern, Kriegern und anderen Blendern.

Wir haben den Geist verjagt und ihn ersetzt, durch Geld, Erfolg, Macht. Die Weisheiten der Bhagavad Gita, der Bergpredigt, der Schamanen und Seher zum Beispiel, finden sich nicht mehr in unserer kulturellen Identität. Sie wurden als Überbau deklassiert. Das Intersubjektive, der Anker des eigenen Bewusstseins in einem anderen Bewusstsein, führt auf den Pfad der Meditation. Die Empathie zeigt uns nicht nur, dass wir nicht nur nicht alleine sind, sondern Teil haben an etwas, das über uns hinausgeht.

Die Farbe auf einer Leinwand, sie bedeutet mehr als nur das. Sie lässt uns, wie bei Jackson Pollock’s letztem Bild, einblicken in den Anfang. Im Betrachten entsteht Heterogenität.

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Träume https://readingdeleuzeinindia.org/de/traeume/ https://readingdeleuzeinindia.org/de/traeume/#respond Thu, 28 Jul 2022 13:09:26 +0000 https://readingdeleuzeinindia.org/?p=1159

Heute träumte ich, dass ich mich abgrenzte. Ich habe in meinem Leben etwas geändert, weil ich es nicht mehr länger mittragen konnte. Mein Traum lieferte mir ein Bild dafür, das ich leicht verstehen konnte. Träume beschäftigen mich schon immer. Ich träume viel, bunt, ganze Geschichten, ich arbeite Situation auf, träume von Dingen, die ich gerne […]

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Heute träumte ich, dass ich mich abgrenzte. Ich habe in meinem Leben etwas geändert, weil ich es nicht mehr länger mittragen konnte. Mein Traum lieferte mir ein Bild dafür, das ich leicht verstehen konnte. Träume beschäftigen mich schon immer. Ich träume viel, bunt, ganze Geschichten, ich arbeite Situation auf, träume von Dingen, die ich gerne machen, die aber in der sogenannten Realität unmöglich sind.

Ich war vor einigen Jahren auf einem Kongress. Dort war eine Traum-Trauma-Forscherin, die uns eingeladen hat, morgens gemeinsam zusammenzukommen und das kollektive Träumen zu erkunden. Wir haben Bilder assoziiert, um in ein kollektives Unterbewusstsein vorzudringen. Es war eher spielerisch, ohne wissenschaftlichen Anspruch. Aber es ließ uns alle nachdenken. Gibt es eine andere Realität, die wir so erreichen können? Ich finde den Gedanken spannend. Interessanter als Freuds machohafte Reduzierung der Träume auf antike Sexualitätsbilder. Ich hatte mit Freud immer ein Problem, Frauen seien hysterisch, Kultur sublimierte Sexualität, wir alle litten unter einem Ödipuskomplex etc. Das ist anmaßend, indoktrinierend, besserwisserisch, patriarchalisch etc… Natürlich ist das jetzt sehr stark verkürzt. C. G. Jung hatte da mehr zu sagen: das kollektive Unterbewusstsein, eine gemeinsame Bildsprache des menschlichen Bewusstseins, ein Ozean gemeinsamer Erfahrung und Weisheit. Bei Freud scheint alles darauf hinauszulaufen, dass ein Therapeut seine Patienten heilt, weil er die Probleme kennt und in seinen Patienten in Ordnung bringt. Ein wenig wie bei einem Mechaniker, der ein Auto repariert. Der Mechaniker kennt den Aufbau und kann das Auto wieder in Ordnung bringen, wenn sich etwas verstellt hat oder etwas kaputtgegangen ist.

Wieso fällt uns die Vorstellung so schwer, dass es ein Bewusstsein gibt, an dem wir lediglich teilhaben. Ein Bewusstsein, das zwar fähig ist, sich seiner selbst bewusst zu werden, aber eben nicht darauf reduziert ist?

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